Widerschein: Die Farbfeldmalerin Christiane Conrad begegnet der Landschaftskunst des Angermuseums

19.02.2015 10:30

Die Berliner Künstlerin Christiane Conrad beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit der monochromen Malerei. Dabei geht sie von der konkreten Anschauung aus, abstrahiert aus dem Beobachteten jedoch bestimmte, signifikante Farbwerte, für die sie malerische Entsprechungen sucht.

Bildcollage.
Bild: Widerschein - Die Farbfeldmalerin Christiane Conrad begegnet der Landschaftskunst des Angermuseums Bild: © Christiane Conrad und Friedrich Nerly

Zumeist findet sie die Farben, die sie ansprechen, in der Natur, also, um einen Begriff der Freilichtmalerei zu gebrauchen, en plein air. Sie hält ihre Eindrücke in Ölpastellzeichnungen fest, die im Atelier als Anregungen dienen, um mit dem Material Ölfarbe durch Mischung einen bestimmten Farbwert zu erzeugen. Auf diese Weise gerät die Suche nach immer neuen Farbnuancen zu ihrer Passion.

Die von ihr individuell gemischte, zugleich zarte und satte Farbe wird in mehreren Schichten auf die Leinwand aufgebracht. Mit sanftem Druck zieht sie die schmiegsame Ölfarbe mit dem Spachtel in der Senkrechten. Zwischen den Spachtelzügen aufgeworfene feine Farbgrate erzeugen ein flaches Relief, in dem sich das einfallende Licht fängt. Darüber hinaus haben die monochromen, quadratischen Flächen auf Leinwand keine kompositorische Struktur; ohne Schwerpunktsetzung bleiben farbige Fläche und Farbmaterie präsent.  Die Bilder wirken wie die Erinnerungsspuren vorausgegangener visueller Erlebnisse; zugleich sind sie deren farblich komprimierter Ausdruck. Die cremige Konsistenz der Farbmasse verhindert Lichtreflexe auf der Oberfläche, so dass die zart nuancierten farbigen Zwischentöne im Auge des Betrachters voll zur Wirkung gelangen können. Dennoch verändert sich der Eindruck, den man angesichts dieser Farbfelder gewinnt, je nach dem aktuell einfallenden Licht, also abhängig von der Tageszeit oder dem Wechsel von natürlichem zu Kunstlicht.

Nicht nur aus der Natur bezieht Christiane Conrad ihre Anregungen, sondern auch aus der farbigen Fassung von Architektur und aus dominanten Farbakzenten in Gemälden. So nutzte sie im Jahr 2010 die Einladung zu einer Ausstellung im Mies van der Rohe Haus Berlin, idyllisch gelegen am Obersee im Berliner Ortsteil Alt-Hohenschönhausen, um das Wechselspiel von Natur und moderner Architektur zu thematisieren und eine Werkserie speziell für diesen Ort zu schaffen.

Im Erfurter Angermuseum regten sie Landschaftsgemälde des 19. und frühen 20. Jahrhunderts wie Friedrich Nerlys „Tal von Cadore“ (um 1836), „Olevano“ (1870) von Carl Schuch, Paul Baums „Niedergrunstedt“ (1888) oder die „Gebirgslandschaft“ (1924) von Erich Heckel an, darin vorherrschende Farben aufzugreifen und mit den eigenen Mittel der monochromen Malerei zu reflektieren. Kombiniert mit den Bildern, die ihr als Ausgangspunkt dienten, wirken die Malereien von Christiane Conrad wie eine Antwort der Gegenwart auf die Tradition. Nicht wie die ultimative Antwort, sondern eine mögliche, zurückhaltend formulierte, fein nuancierte Antwort – wie ein Widerschein jener Ausstrahlung, welche die künstlerische Tradition bis heute besitzt. Obwohl man es den Bildern nicht auf den ersten Blick ansieht, steht Christiane Conrad mit ihrer Kunst in der Tradition der Pleinairmalerei, die im 19. Jahrhundert ihre Gipfelpunkte erreichte, denn malend geht auch sie stets vom konkreten Erleben aus.

Die temporäre Ausstellung in der Gemäldegalerie des Angermuseums vom 20. Februar bis 19. April möchte dazu anregen, einige der dort ständig präsentierten Gemälde des 19. und frühen 20. Jahrhunderts aus einem ungewohnten Blickwinkel neu zu sehen. Zugleich bildet sie den Auftakt zu Veränderungen, die zu einer teilweisen Neuordnung der nunmehr rund fünf Jahre bestehenden Sammlungspräsentation führen werden.

Die Ausstellung wird am Donnerstag, dem 19. Februar um 18 Uhr im Beisein der Künstlerin Christiane Conrad eröffnet.