Jahresvorschau zu den Arbeitsschwerpunkten und Veranstaltungen 2014 in der Kulturdirektion Erfurt

17.01.2014 12:53

Das Anfang 2013 vom Stadtrat beschlossene strategische Kulturkonzept zeigt Wirksamkeit und erste Ergebnisse. Wichtige strategische Leitziele werden konsequent verfolgt, etwa die Sicherung einer kulturellen Vielfalt, die Entwicklung eines Kulturmarketings oder die Konzentration von Angeboten und Steuerungseinheiten.

Kulturpolitische Zielstellungen werden verfolgt

Umstrukturierung der Kulturdirektion fast vollendet

Die 2011 begonnene Umstrukturierung der Kulturdirektion wird gemäß der im Kulturkonzept benannten Vorgaben in diesem Jahr abgeschlossen.  Es wurden bereits die Geschichtsmuseen und die Kunstmuseen zusammenge­fasst und jeweils unter ein Direktorat gestellt, eine Abteilung Kulturmanagement mit dem Schwerpunkt Kulturmarketing/Öffentlichkeitsarbeit etab­liert, um die kommunalen Kulturangebote künftig besser zu offerieren, und durch Umbau ein neues Sachgebiet Kulturelle Bildung/Soziokultur instal­liert, um der wachsenden Bedeutung von Kulturvermittlung im Kontext lebenslangen Lernens besser entsprechen zu können. Ferner wurden Ende 2013 die Beauftragten für das Unesco-Weltkulturerbe in die Kulturdirek­tion eingegliedert. Letzte Arbeiten beziehen sich auf die neue Arbeitsorga­nisation der Kulturpädagogen sowie den finalen Umbau der Abteilung Märkte/Stadtfeste. Eine Wirksamkeit der neuen Strukturen wird sich erst nach und nach einstellen können.

Geschichtskultur als wichtigstes Entwicklungsfeld

In diesem Jahr  steht die Weiterentwicklung der Geschichtskultur in Erfurt  an erster Stelle. Hierfür hat das Kulturkonzept auch die weitreichendsten Aufgaben formuliert. Das bedeutet aktuell, die konzeptionellen und plane­rischen Leistungen für das künftige Geschichtsportal im Kulturhof Krönba­cken zu intensivieren und nach Möglichkeit abzuschließen. Alle Angebote der Geschichtskultur sollen dort künftig gebündelt und auch kulturtouris­tisch vermittelt werden. So entsteht ein neues System der Aneignung von Geschichte und der Erlebnishöhepunkte. Das wird auch die wichtigste Auf­gabe des in diesem Jahr die Arbeit aufnehmenden Direktors des Bereiches Geschichtsmuseen sein, dessen Planstelle neu geschaffen wurde. Sobald das Auswahlverfahren abgeschlossen ist, wird er vorgestellt.

Zu den Geschichtsmuseen zählen die überregional bedeutsamen Einrich­tungen des jüdischen Erbes. Die Begegnungsstätte Kleine Synagoge wird eine Sonderausstellung der „Rudolstädter Judaica“ zeigen. Interessant ist zudem die diesjährige Kooperation mit dem Theater Erfurt in Form eines Begleitprogramms zur Oper Joseph Süß.

Gleich zu Beginn des Jahres ist im Übrigen ein wichtiger Schritt in Richtung „Unesco-Weltkulturerbe werden“ getan worden, um das jüdisch-mittelal­terlichen Erbe der Landeshauptstadt Erfurt auf die deutsche Tentativliste zu bringen. Am 7. Januar 2014 wurde in der Kulturstiftung der Länder die Be­werbung bei dem dafür eingesetzten Fachbeirat durch die Kulturdirektion inhaltlich ausführlich begründet. Jetzt liegt der Ball bei der Kultusminister­konferenz.

Biographische Akzente zur Behandlung des Themas 1. Weltkrieg wird das Museum für Thüringer Volkskunde mit der Sonderausstellung „Für Kaiser, Gott und Vaterland - Das kurze Leben des Ernst Heller (1884 - 1915)“ setzen. Das Thema wird darüber hinaus durch thematische  Veranstaltungsange­bote des Stadtmuseums beleuchtet, das auch die Ausstellung „Die Belage­rung von Erfurt 1813 – 1814“ fortsetzt. In einer weiteren Ausstellung des Mu­seums für Thüringer Volkskunde wird das Große Hospital zu Erfurt vorge­stellt und dabei der Bezug zur Reformation hergestellt. Volkskunde und Ge­schichte weisen wichtige Schnittmengen auf.

Der Erinnerungsort Topf & Söhne, der als Lernort ebenfalls zum Bereich der Geschichtsmuseen zählt, wird eine Sonderausstellung mit dem Titel „Son­derzüge in den Tod. Die Deportationen mit der Deutschen Reichsbahn“, prä­sentieren. Er erfüllt damit den Bildungsauftrag, Ursachen und Hintergründe des nationalsozialistischen Vernichtungsfeldzuges zu vermitteln.  

Auch das Stadtarchiv ist ein Ort der Geschichtskultur und wird wieder zum Ausstellungsgeschehen der Stadt beitragen. So wird der deutschlandweite Tag der Archive am 8. März nicht nur zur Erkundung des Archivs in der Gotthardtstraße genutzt, sondern darüber hinaus auch die Foyerausstellung „Verliebt - Verlobt - Verheiratet - Geschieden. Familiengeschichte(n) im Ar­chiv“ eröffnet.

Den Streifzug in die Geschichtskultur finalisiert ein Blick auf die Wasser­burg Ka­pellendorf, in der mit der Sommerausstellung „Vom Holzlöffel zur Vorlegegabel“ Einblicke in die Geschichte des Essbestecks gegeben werden.

Kunstmuseen

Das diesjährige Highlight des Angermuseums wird eine Ausstellung  reprä­sentativer Bilder des gebürtigen Erfurter Landschaftsmalers und Naturfor­schers Ferdinand Bellermann anlässlich dessen 200. Geburtstages sein. Der zu Unrecht vergessene Bellermann, der sich von 1842 bis 1845 in Venezuela, damals noch als „terra incognita“ ein weißer Fleck auf der Landkarte, auf­hielt, rund 10.000 Kilometer zurücklegte und detaillierte Studien der dort vorgefundenen Pflanzen und Tierwelt anfertigte, dürfte auch heute zahlrei­che Bewunderer finden.

Die Kunsthalle Erfurt im Haus zum Roten Ochsen präsentiert bis zu ihrer planmäßigen befristeten Schließung voraussichtlich ab September 2014, die im Zusammenhang mit der Herstellung der barrierefreien Zugänglich­keit des Ausstellungshauses steht, 5 Ausstellungen. Dabei ist die Schau mit Werken des Fotografen Steve Mc Curry besonders zu nennen, der mit dem Titelfoto der Juniausgabe 1985 der Zeitschrift „National Geographic“, dem Porträt eines afghanischen Mädchens im Flüchtlingslager Peshawar, zu Weltruhm gelangte.

Das Schlossmuseum Molsdorf wird sich wiederum künstlerisch-erotischen Themen widmen. Aus der Sammlung des Schlosses Burgk sind erotische Ex­libris und Druckgrafiken eines der produktivsten Grafiker der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Michel Fingesten, zu sehen.

Das Forum Konkrete Kunst wird eine Ausstellung mit dem Titel „Ab­straktion und Metapher“ in der Peterskirche präsentieren, die Bildhauer-Ar­beiten und Videos versammelt, die auf den ersten Blick ungegenständlich, also abstrakt-konkret wirken, bei näherer Betrachtung jedoch das Feld des Übergangs zwischen Abstraktion und figürlicher Assoziation bzw. metapho­rischer Verweisung markieren.

Erfurter Stadtschreiber

In diesem Jahr hat Erfurt eine Stadtschreiberin. Die 1981 in Leipzig gebo­rene Katharina Bendixen wird am 23. Mai dieses Jahres im Kulturforum Haus Dacheröden offiziell durch den Oberbürgermeister begrüßt und wird für vier Monate in der Stadt wirken, Erfurter Impressionen und Eindrücke aufnehmen und literarisch verarbeiten. Ihr Einstieg markiert zugleich den Start der Langen Nacht der Museen 2014.

Kulturelles Jahresthema: Wort und Sprache

Das kulturelle Jahresthema der Landeshauptstadt Erfurt soll zweijährlich wichtige Themen und Bezüge aufgreifen, die unterschiedliche Akteure in der Stadt zum künstlerischen Handeln und zur Kooperation auffordern. Das Jahresthema 2014, das unter dem Thema „Wie viele Worte braucht der Mensch?“ steht, wird in Korrespondenz zur Lutherdekade den Schwerpunkt auf die Sprache und das Wort legen. Einen ersten „wortgewaltigen“ Eindruck zu den vielfältigen Schnittmengen von Sprache und Kunst werden die Besu­cher/innen der Eröffnungsveranstaltung am 4. Februar 2014 um 17 Uhr im Festsaal des Rathauses Erfurt erleben. Es ist der Auftakt zu weiteren 29 Ver­anstaltungen im gesamten Jahr, die die unterschiedlichsten Akteure in der Stadt zusammenführen und das kulturelle Jahresthema 2014 prägen wer­den. Hierzu trägt auch die zum Bereich Kunstmuseen gehörende Galerie Waidspeicher im Kulturhof Zum Güldenen Krönbacken bei, in der mit der Ausstellung „War am Anfang das Wort?“ eines der städtischen Projekte des Jahresthemas realisiert wird. Dabei steht besonders das Entstehen sprachli­cher Besonderheiten in Verbindung mit der Geschichte des ehemaligen jü­dischen Viertels im Mittelpunkt.

Künstlerwerkstätten entwickeln soziokulturelles Profil

Die Erfurter Künstlerwerkstätten werden mit einem neuen Projekt zur För­derung der jungen Kreativszene beitragen. Im September trifft sich erstmals der NewSymp-Initiativkreis - eine Gruppe junger Emailleure, die neue Ak­zente in dieser Kunstform einbringen wollen.

Naturkundemuseum

In diesem Museum ist mit Unterstützung der Allianz-Umweltstiftung die räumliche und inhaltliche Neugestaltung des Eingangsfoyers vorgesehen. Um den Besucher/innen einen Einblick in das „reiche“ Thüringen zu geben, ist mit dem Titel „Schatzkammer Thüringen“ die Darstellung dessen rezen­ten und fossilen Artenreichtums geplant. Darin eingeschlossen sind auch Hintergrundinformationen zu den Ursachen dieses Faktums und Informati­onen zu bedeutenden Persönlichkeiten Thüringens, die Wesentliches zur Naturgeschichte beigetragen haben. Damit geht das Naturkundemuseum einen im Kulturkonzept vorgesehenen Schritt in Richtung „Leitmuseum“ für Thüringen.

Einen lohnender Ausflug auf die Burgruine Gleichen, die seit 2013 dem Na­turkundemuseum zugeordnet ist, verspricht ab April des Jahres die gegen Ende der Vorjahressaison eröffnete Dauerausstellung zur Geschichte der Burganlage sowie zur Flora und Fauna des Drei-Gleichen-Gebietes im Berg­fried der Burg. Eine Ruine mit neuer Erlebnisqualität und deutlicher akzen­tuierter historischer Anbindung an Erfurt.

Benary-Speicher

Das Druckereimuseum im Benary-Speicher wartet mit der Sonderausstellung „Naturstudien - Handzeichnungen und Drucke von E. A. Zimmermann“ auf. In der Ausstellung sollen eigene künstlerische Arbeiten von Zimmer­mann, vor allem auf dem Gebiet des Naturdrucks, gezeigt werden. Durch die Präsentation innerhalb des Druckereimuseums besteht wieder die Mög­lichkeit, Besucher/innen in diesem Zusammenhang über verschiedene Drucktechniken zu informieren, die zusätzlich auch im Rahmen eines Begleitprogramms durch E. A. Zimmermann praktisch vorgeführt werden können.

Ergänzt werden diese Angebote durch Projekte und laufende Programme frei-gemeinnütziger Kulturträger, die über die Kunst- und Kulturförderung der Stadt unterstützt werden. Dieser Förderung kommt laut Kulturkonzept eine wichtige und unverzichtbare Funktion für die kulturelle Infrastruktur zu.