22. Etappe Tour de Bildung: Thüringer Zoopark

03.09.2013 17:24

Wir gehen in den Zoo. Das letzte Mal war ich vor ungefähr zwanzig Jahren dort. Verschwommen kann ich mich an das Geschrei der Brüllaffen erinnern...

Textreportage

Wir gehen in den Zoo. Das letzte Mal war ich vor ungefähr zwanzig Jahren dort. Verschwommen kann ich mich an das Geschrei der Brüllaffen erinnern, an Raubkatzen und Bären, die in engen Käfigen im Kreis umherliefen. Doch davon ist heute nichts mehr zu sehen. Zoopädagoge Roy Bäthe macht mit uns einen Rundgang. An der großzügigen Löwensavanne und der Afrikasavanne vorbei geht es zum Lemurenwald.

Nach der Passage einer Schleuse kann man sich den Tieren ohne Zaun bis auf wenige Meter nähern. Vor uns tollen graue Äffchen mit goldgelben Augen und buschigem Schwanz herum. "Von den Kattas, die wir hier sehen, haben wir im Moment zwei Männchen und fünf Weibchen plus Nachwuchs. Am liebsten sonnen sie sich den ganzen Tag", meint Roy Bäthe. "Sie ernähren sich von Blättern, Früchten und Knospen. Leider gibt es immer wieder Besucher, die Tiere mit Schokolade, Keksen oder Bonbons füttern. Das kann manchmal sogar tödlich enden." Besonders stolz ist er auf die Nilgiri-Languren. "Das ist eine gefährdete Affenart, die normalerweise in Indien beheimatet ist. Kein anderer Zoo weltweit hat diese Tiere. Die gibt es nur in Erfurt." Roy Bäthe führt uns weiter. Wir sehen Elefanten, Nashörner, Antilopen, Spinnen, Papageien und vieles mehr. Und wir erfahren, dass die Brüllaffen in Wirklichkeit Siamang-Gibbons heißen.

Bei der Löwensavanne treffen wir Petra Starke. Die Löwen schlafen leider. Sie erklärt einer Gruppe Kindergartenkindern, warum die Erdmännchen so gern unter der Wärmelampe liegen. Nachdem wir uns die Flamingos angesehen haben, gehen wir weiter ins Reptilienhaus. Dort erwartet uns Roy Bäthe bereits – mit einer Würgeschlange auf dem Arm. Jedes Kind darf die Schlange anfassen, die ganz Mutigen lassen sie sich sogar um den Hals legen. Die Kinder staunen und kichern. Dann geht es den Berg hinauf, zur Zoo- und Naturschule. In einer Art Klassenraum werden Walzähne, Schlangenhaut und Straußeneier herumgereicht. Petra Starke erläutert die Zusammenhänge und stellt Fragen. Die Kinder wissen erstaunlich viel. Zum Schluss dürfen sich alle noch ein längliches Insekt über den Arm laufen lassen. Es sieht aus wie ein abgebrochener Zweig: eine Stabschrecke. Die meisten finden das prima, bei anderen hält sich die Freude über das Tier in Grenzen.

"Wir bieten thematische Seminare für Kindergärten, Grundschulen, aber auch ältere Klassen an. Einige Eltern wissen heutzutage recht wenig über die Natur und Tierwelt und können ihren Kindern kaum etwas erklären. Deshalb obliegt besonders den Zooschulen diese wichtige Aufgabe", sagt Petra Starke, die seit 2003 als Zoopädagogin arbeitet.

Bei den Giraffen sind wir mit Zoodirektor Dr. Thomas Kölpin verabredet. "Ich bin ein großer Fan von Elefanten, weil sie eine hohe Intelligenz und eine hohe Sozialstruktur haben", beantwortet er die Frage nach seinem Lieblingstier. Ich gestehe, dass mein letzter Zoobesuch lange her ist und ich die Haltung einiger Tiere in unguter Erinnerung hatte. "Die tiergartenbiologischen Erkenntnisse sind natürlich andere als damals. Heutzutage präsentiert man die Tiere eher in Lebensraumausschnitten. Seit 2005 gibt es die Löwensavanne, wo wir die Löwen zusammen mit Hyänen, Klippschliefern und Erdmännchen halten. Von den meisten anderen Raubkatzen haben wir uns verabschiedet, weil wir lieber weniger Tiere in einem angemessenen Lebensraum präsentieren wollen." Man wolle natürlich auch in Zukunft versuchen, die Lebensbedingungen der Tiere weiter zu verbessern, auch Neuzugänge seien geplant. "Giraffen und Elefanten werden demnächst eine größere Anlage bekommen und wir denken über Ameisenbären, Blessböcke und Pinguine nach", sagt Thomas Kölpin.