"Tolle Jahre - An der Schwelle der Reformation": Ausstellung, Geschichtslabor und Luther-Sammlung im Stadtmuseum

Die Ausstellung "Tolle Jahre - An der Schwelle der Reformation" gibt einen Überblick über die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse, die der Student Martin Luther in Thüringens größter Stadt in schwieriger Zeit vorgefunden, die ihn grundlegend geprägt und sein folgenreiches weiteres Leben beeinflusst hat.

Ausstellung "Tolle Jahre - An der Schwelle der Reformation"

Im Zentrum des Bildes eine Holzplastik Jesus am Kreuz, links und rechts der Figur geöffnete rote Domtüren, rechts sieht man einen Türzieher aus dem Erfurter Dom, einen Löwenkopf.
Foto: "Sakrale Gemeinschaft"- Die Dauerausstellung "Tolle Jahre - An der Schwelle der Reformation" gibt Einblicke in religiöse Verhältnisse, die Luther in Erfurt vorgefunden hat. Foto: © Stadtverwaltung Erfurt/D. Urban

Die Dauerausstellung "Tolle Jahre - An der Schwelle der Reformation" gibt erstmals einen Überblick über die gesellschaftlichen und religiösen Verhältnisse, die der Student und Mönch Martin Luther in der Mittelaltermetropole Erfurt vorgefunden hat. Jene "Metropolis Thuringiae", eine der größten Städte des Reiches, hat den späteren Reformator nachhaltig geprägt. Eindrucksvolle Exponate aus dem alten Rathaus lassen Macht und Pracht der Quasi-Reichsstadt lebendig werden, zahlreiche Kirchenschätze stehen für die sakrale Gemeinschaft des Mittelalters im "thüringischen Rom".

Ein Mädchen, rechts im Bild, schaut auf eine Vitrine, die sich links befindet. In der Hand hält sie ihre Zeichnung des abgebildeten Ausstellungsexponates.
Foto: Leben in der mittelalterlichen Metropole: Im Stadtmuseum kann man spannende Entdeckungen machen. Foto: © Stadtverwaltung / D. Urban

Die mittelalterliche Stadtgeschichte wird in fünf Schwerpunkten ausführlich dargestellt: Der Erfurter Rat, Das Rathaus, Die Gerichtsbarkeit, Die Stadtverteidigung, Das Volk von Erfurt. Neben einer Reihe wertvoller Exponate können die Besucher sich auch in zahlreiche historische Dokumente, wie Urkunden und Handschriften, vertiefen. Mit dem "Spiel der Mächte" kann zugleich aktiv das außenpolitische Spannungsfeld Erfurts zwischen Kaiser, Mainzer Erzbischof und sächsischem Kurfürst nachvollzogen werden.

In Erfurt hat der junge Martin Luther entscheidende Anregungen für sein späteres reformatorisches Wirken erhalten.

Geschichtslabor: Rebellion - Reformation - Revolution

Vier große Tafeln, zwei mit Text auf rotem Grund und zwei mit Gelehrten schwarz auf weißem Grund. Rechts ein mannsgroßes Holzkreuz, schräg nach links kippend.
Foto: Gedanklich experimentieren - das Geschichtslabor im Stadtmuseum bietet Anregungen dazu. Foto: © Stadtverwaltung Erfurt / D. Urban

Raum schaffen für eigene kreative Aneignung! Das ist das Programm des neu entstandenen Geschichtslabors: Hier werden dem Besucher die konkreten stadthistorischen Bedingungen und Ereignisse der Reformation in Erfurt vor Augen geführt. Gleichzeitig ist es auch eine installative Konfrontation von Geschichte und Gegenwart, die den Besucher zur Auseinandersetzung mit Fakten und Überlieferungen auffordert, deren Fortwirken im eigenen Leben hinterfragt wird.

In den fünf Ausstellungsabschnitten "Tolle Jahre?", Freie Künste?", "Am Anfang war das Wort?", "Macht oder Liebe?" und "Ich und das Andere?" setzt sich der Besucher aktiv mit den Fragestellungen auseinander.

Luther-Sammlung

Kleine Holztruhe mit verschiedenen Einteilungen.
Foto: Nach der Überlieferung: Luthers Schreibkasten, 2. Viertel 16. Jahrhundert. Er ist in der Ausstellung zu sehen. Foto: © Stadtmuseum Erfurt

Die "Luther - Sammlung" besteht aus insgesamt 1200 Inventaren, die 1321 Exponate enthalten. Den Kern der Sammlung bildet die Druckgrafik aus vier Jahrhunderten. Sie enthält zahlreiche qualitätvolle Werke aus der Reformationszeit, wie z. B. Holzschnitte nach Lucas Cranach oder von Hans Sebald Beham.

Ein Holzschnitt auf einem Druckblatt, darunter Text.
Foto: Anonymus, Antipäpstliche Flugschriften, zwei Blätter aus einer Holzschnittfolge, 1545, Nachdruck(?) Foto: © Stadtmuseum, Luthersammlung

Unbestrittene Spitzenstücke sind die antipäpstlichen Flugschriften, die sich, von einem Anonymus entworfen, ab 1523 von Basel aus nach Norden durch das von Unruhen durchzogene Europa verbreiteten. Ihr ungemein heftiger, antiklerikaler Zug machte sie berühmt und berüchtigt. Zwar wurden sie tausendfach verbreitet, dank des beschleunigten Informationstransfers durch bessere Drucktechnologien seit den Erfindungen Johann Gutenbergs, aber gleichzeitig wurden sie immer wieder vernichtet, so dass sich nur wenige davon in musealen Sammlungen erhalten haben. Das Stadtmuseum besitzt acht Blätter.

Luther in der Kutte auf Goldrand-Tasse mit Unterteller.
Foto: Tasse mit Lutherbildnis in Grisaillemalerei (mit passender Untertasse), Porzellan, goldgehöht mit floralen und ornamentalen Motiven, Anfang 19. Jahrhundert Foto: © Stadtmuseum Erfurt, Luthersammlung

Zahlreiche Blätter zeigen Zeitgenossen Luthers und die Arbeiten des 19. Jahrhunderts thematisieren Szenen aus dem Leben des Reformators. Dreidimensionale Objekte der Erinnerungskultur gehören ebenso zur Sammlung, wie Ansichtentassen, Porzellanpfeifenköpfe, Vasen, Teller, Medaillen etc.

Die Bedeutung der Sammlung liegt zum einen in ihrer kunsthistorischen Qualität. Zum anderen ist die "Luther-Sammlung" ein hervorragender und in dieser Breite äußerst seltener Beleg für den Wandel der Luther-Rezeption. In ihrer Geschlossenheit über vier Jahrhunderte hinweg ist sie spannungsvoll und hervorragend geeignet, während der gegenwärtigen Luther-Dekade fortgeschrieben zu werden.

Kontakt

Eine farbenfroh gestaltete Fassade.
Foto: © Stadtverwaltung Erfurt
Hardy Eidam
Direktor
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Johannesstraße 169
99084 Erfurt
Deutschland

Johannesstraße 169, 99084 Erfurt

Weitere Informationen

Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag
10 - 18 Uhr

Museumspädagogische Begleitung:
Führungen in den Häusern, thematische Veranstaltungen, Weiterbildungen und Projektgestaltung. Eine Übersicht erhält man auf Anfrage.