ab 2001 | Das neue Jahrtausend

Die Landeshauptstadt Erfurt im neuen Jahrtausend.

Inhaltsverzeichnis

2001

15. Februar 2001

Als Druckereimuseum und Schaudepot wird der vom Sparkassenverband Hessen-Thüringen sanierte „Benary-Speicher“ an die Stadt Erfurt übergeben. Unter anderem ist in dem Depot die Kunstsammlung der Familie Kämmerer, die Hans-Helmut Kämmerer 1996 der Stadt geschenkt hat, zu sehen. Auch die älteste Lithografen- und Linoldruckpresse aus dem Jahre 1869, ein Geschenk des Erfurter Kunstdruckers Ernst August Zimmermann an das Stadtmuseum, kann bewundert werden.

20. Februar 2001

Hinter einem Fenster der Frauenklinik verbirgt sich die erste Babyklappe in den neuen Bundesländern; sie trägt den Namen „Babykorb“. Mütter in Not können dort ihr neugeborenes Kind anonym abgeben. In der Frauenklinik wird auch die Möglichkeit einer anonymen Geburt, der für Mutter und Kind als sicherer angesehene Weg, angeboten. Ein Brief auf jeder Matratze im Babykorb, der ein Codewort für die Mutter enthält, belässt ihr in den nächsten acht Wochen die Möglichkeit, sich für das Kind zu entscheiden. Danach leitet das Jugendamt ein Adoptionsverfahren ein.
Bereits zwei Tage nach der Einrichtung des Babykorbs wird das erste Kind abgelegt. So schnell war die Möglichkeit bei den 16 bisher in den alten Bundesländern eingerichteten Babyklappen nicht genutzt worden.

2. April 2001

Übergabe des Straßennetzes im Brühl. Nun kann durch die Maximilian-Welsch-, die Bonemilch-, die Cusanus- und die Warsbergstraße gefahren, damit der Weg zwischen Benaryplatz und Domplatz verkürzt werden.

23. Mai 2001

Eröffnung der neuen Dauerausstellung „Erfahren – verändern – beharren. Dorfleben und Dorfkultur im 19. Jahrhundert“ im Museum für Thüringer Volkskunde.

8. Juni 2001

Eröffnung des neuen Justizzentrums im Brühl in unmittelbarer Nachbarschaft zum Bundesarbeitsgericht durch den thüringischen Justizminister, Andreas Birkmann. In den nächsten Tagen werden die Staatsanwaltschaft, das Amtsgericht mit Grundbuchamt und Registergericht sowie das Landessozial- und das Landesarbeitsgericht in das neue Gebäude ziehen und nach wenigen Tagen die Arbeit wieder voll aufnehmen können. Die Landesentwicklungsgesellschaft hat das Gebäude, in dem sich 23 Gerichtssäle befinden, bei einem günstigen Mietpreis von 12,80 DM (6,40 Euro) pro Quadratmeter für 25 Jahre an das Land Thüringen vermietet. Das ehemalige Produktionsgebäude der Optima ist für rund 46 Millionen DM (23 Mio. Euro) umgebaut worden und hat damit etwa 9 Millionen DM (4,5 Mio. Euro) weniger gekostet, als ein Neubau erfordert hätte.

12. Juli 2001

Dr. Wolfgang Bergsdorf wird für sechs Jahre zum ersten Präsidenten der Erfurter Universität gewählt. Damit ist die Gründungsphase der Universität abgeschlossen.

18.August 2001

Inbetriebnahme der neuen 1,6 km langen Stadtbahnstrecke zur Messe Erfurt AG

24. August 2001

Einweihung des neuen Gebäudekomplexes des Christophoruswerkes gGmbH am Ringelberg. Hier werden 180 behinderte Menschen einen Arbeitsplatz in Produktionsbereichen wie der Holzverarbeitung und dem Möbelbau sowie in Dienstleistungsbereichen finden. Angegliedert ist auch ein Förderbereich mit 24 Betreuungsplätzen.

27. August 2001

Das Binderslebener Knie wird offiziell dem Verkehr übergeben. Mit der Freigabe findet eine vor 25 Jahren angedachte und begonnene Lösung ihre Vollendung. Zusammen mit den Kosten zur tiefbaulichen Herstellung der Heinrichstraße belaufen sich die Kosten auf rund 16,8 Millionen DM (8,4 Mio. Euro). In Nord-Süd-Richtung können 78 Meter unter einer Brücke durchfahren werden.

1. Oktober 2001

Militärappell der vier Wehrbereichskommandos der Bundeswehr aus Kiel, Mainz, München und Erfurt auf dem Petersberg. Mit diesem Appell unterstellt Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping alle vier Wehrbereichskommandos (WBK) der neuen Streitkräftebasis. Dies ist einer der entscheidenden Schritte der Bundeswehrreform. Das Kommando Erfurt, zuständig für die neuen Bundesländer, ist dabei die einzige wirkliche Neugründung.

5. Oktober 2001

Den diesjährigen Kulturpreis der Stadt Erfurt erhält der Grafikdrucker Ernst August Zimmermann. Er unterhält neben seiner künstlerischen Arbeit gemeinsam mit seiner Frau die „e. a.“-Grafik-Galerie im „Haus zum grauen Böcken“. Der von ihm gegründete Verein GrafikArt hat sich dem Erhalt alter Drucktechniken verschrieben und weist bei Stadtfesten mit der „Grafik-Schöppe“ auf diese öffentlich hin.

8. November 2001

Die Stadt Erfurt erhält den Bundespreis für das in der Stadt eingerichtete Parkleitsystem, das es insbesondere Ortsfremden leicht macht. Hervorgehoben werden die Informationstafeln an den Haupteinfallsstraßen, die rasch auf neue Situationen programmiert werden können und z. B. auf Veranstaltungen und auch Umleitungen aufmerksam machen.

14. November 2001

Das Stadtmuseum erhält von der Sparkasse Erfurt die größte Sammlung von Erfurter Münz- und Medaillenprägungen als Dauerleihgabe. Sie umfasst etwa 900 Stück und ist Ergebnis der mehr als 40 Jahre betriebenen Forschungs- und Sammlertätigkeit des im Dezember 2000 verstorbenen thüringischen Numismatikers Gerd Behr. Die Sammlung enthält alle Geldarten und wesentlichen Prägungen, die von der Münzstätte Erfurt herausgegeben wurden. Die Sparkasse hatte die Sammlung nach Behrs Tode für rund 200.000 Mark erworben.

23. November 2001

Für die Stadtbahn wird ein neuer Streckenabschnitt von 1,1 km in Betrieb genommen. Die Straßenbahn fährt wieder südlich am Dom vorbei und durch das Brühl. Schon 1899 war der Bahnverkehr zwischen dem Domplatz und dem Benaryplatz aufgenommen worden. 1978 wurde der Verkehr zugunsten der Verbindung zu den im Norden der Stadt liegenden neuen Wohngebieten eingestellt. Nach Inkrafttreten des neuen Fahrplans fährt die Linie 4 von der Thüringenhalle durchs Brühl zum Hauptfriedhof.

12. Dezember 2001

Offizielle Beendigung des „Urban“-Projektes in der Krämpfervorstadt. Innerhalb von sieben Jahren sind 260 Einzelprojekte verwirklicht worden. Das Projekt, aus EU-Geldern finanziert, hat 34 Millionen DM (17 Mio. Euro) gekostet. Die Stadt trug 25 Prozent der Kosten selbst.

12. Dezember 2001

Unterzeichnung des Vertrags, aufgrund dessen die Bibliotheca Amploniana und weitere historische Bibliotheksbestände als Dauerleihgabe der Stadt Erfurt an die Universität Erfurt übergehen. Nach langen Diskussionen hatte der Stadtrat im September einen entsprechenden Beschluss gefasst. Körperlich wird die Sammlung aus klimatischen Gründen erst im Herbst 2002 von der Michaelisstraße in die eigens dafür geschaffenen in besonderer Weise gesicherten und klimatisierten Räume der neuen Universitätsbibliothek gebracht werden.

21. Dezember 2001

Offizielle Eröffnung der neuen Eisschnelllaufhalle. Neben dem Ministerpräsidenten Thüringens Bernhard Vogel nimmt auch der Bundesinnenminister teil. Bei der Eröffnung erhält die Sportstätte den Namen „Gunda-Niemann-Stirnemann-Halle“. Die ersten Bewährungsproben muss die neue Halle, ein architektonisches Meisterwerk, bereits in den ersten Tagen bestehen, denn am 27. und am 28. Dezember 2001 finden die Deutschen Mehrkampfmeisterschaften und vom 4. bis zum 6. Januar 2002 die Mehrkampf-Europameisterschaften statt. 48 Millionen DM (24 Mio. Euro) hat der Bau gekostet, und er kann zukünftig sowohl von Aktiven als auch von den zahlreichen Hobbyläufern, bisher jährlich ca. 200 000, genutzt werden.

2002

27. Februar 2002

Der Stadtrat beschließt mehrheitlich die Schließung der Sparten „Schauspiel“ und „Junges Theater“. Das Theater wird sich zukünftig auf das Musiktheater und das Konzertwesen konzentrieren. Die Anzahl der Mitarbeiter aus dem künstlerischen Bereich und der Verwaltung sowie der technischen Mitarbeitern wird von 380 auf 300 reduziert. Für das Publikum soll die Theatervielfalt erhalten bleiben: Schauspiel, Ballett und Tanztheater sollen „eingekauft“ werden.

21. März 2002

Offizielle Wiedereröffnung des Augustinerklosters nach umfangreichen Umbau- und Renovierungsarbeiten. Das Kloster öffnet sich nun weit mehr als bisher. Neben Tagungen und Seminaren sind jetzt unter anderen auch Familien- und Betriebsfeiern möglich. Spezielle Programme sollen der Bereicherung des Religions- und Ethikunterrichts dienen. Zu den ersten Besuchern gehören Schauspieler, die an historischer Stelle das Leben Martin Luthers neu verfilmen.

2. April 2002

Die Michaeliskirche wird mit einem kleinen Festakt und der Enthüllung einer entsprechenden Tafel offiziell Universitätskirche. Bereits am 10. September 2001 hatte der Parochialverband als Eigentümer der Kirche nach Abstimmung mit der Universität Erfurt, der Propstei Erfurt-Nordhausen und dem Bistum Erfurt der Benennung zugestimmt.

26. April 2002

Erfurt erlebt den schrecklichsten Tag in seiner Geschichte seit Ende des 2. Weltkrieges. Gegen elf Uhr erschießt ein ehemaliger Schüler im Gutenberg-Gymnasium 16 Menschen, neun Lehrerinnen, vier Lehrer, eine Schülerin und einen Schüler der achten Klasse sowie einen Polizisten. Anschließend tötet er sich selbst. 16 Personen werden verletzt, viele von ihnen müssen in Krankenhäuser gebracht werden.
Viele Schüler der Schule sind Augenzeugen der schrecklichen Tat. Lehrer und Schüler flüchten aus dem Gebäude. Ein Sondereinsatzkommando der Polizei sichert Raum für Raum in der Schule. Es dauert Stunden, bis die letzten 180 Schüler die Schule verlassen können. Viele Erfurter kommen zur Schule, um nach ihren Kindern und Angehörigen zu fragen. Die Kinder werden auf einen nahe gelegenen Sportplatz gebracht, wo sie psychologisch und medizinisch betreut werden.
Die Stadt steht unter Schock. In der gesamten Bundesrepublik Deutschland und auch im Ausland ist man über diese unfassbare Tat eines 19-jährigen entsetzt.
Viele Erfurter kommen am Abend zur Schule, zünden Kerzen an, legen Blumen nieder, um ihre Trauer und Anteilnahme auszudrücken. Die Stadt sagt alle Veranstaltungen für die nächsten Tage ab. Um 20 Uhr findet in der nahegelegenen Andreaskirche ein Trauergottesdienst statt. Um 21 Uhr läuten alle Kirchenglocken der Stadt. Im Rathaus werden Kondolenzbücher ausgelegt, die Flaggen werden auf Halbmast gesetzt.

26. April bis 3. Mai 2002

Diese Woche ist geprägt von Trauer, Mitgefühl, aber auch von Ratlosigkeit und Zorn. Das Rathaus steht am Wochenende allen - Schülern, Lehrer, den Angehörigen der Opfer und den Bürgern - offen, die das Gespräch suchen, die Hilfe brauchen. Die Schlange derer, die sich ins Kondolenzbuch der Stadt eintragen wollen, reißt nicht ab. Für das Wochenende werden in der Stadt alle Veranstaltungen abgesagt. Am Sonnabend versammeln sich über 4.000 Menschen zu einem ökumenischen Gottesdienst im Dom. Am Montag, dem 29. April, um 11:05 Uhr, dem Zeitpunkt des Eingangs des ersten Anrufes am Tattag bei der Erfurter Polizei, wird eine landesweite Schweigeminute abgehalten. Auch am 1. Mai gibt es anstelle der sonst üblichen Demonstrationen einen Trauermarsch zum Gedenken an die Opfer.
In zahlreichen Städten der Bundesrepublik gibt es Trauergottesdienste, liegen Kondolenzbücher aus, Erschütterung und Trauer über die schreckliche Bluttat am Gutenberg-Gymnasium herrscht in vielen Teilen der Welt.
Am Freitag, dem 3. Mai, eine Woche nach der grauenvollen Tat, findet auf dem Domplatz die Trauerfeier mit anschließendem Gottesdienst für die Ermordeten statt. Rund 100 000 Menschen, die Hinterbliebenen und Angehörigen, Schüler und Lehrer des Gymnasiums, zahlreiche Vertreter aus der Politik, auch aus dem Ausland, die Bevölkerung der Stadt Erfurt und Schüler aus vielen Schulen Thüringens nehmen Abschied von den Toten.

5. Mai 2002

Auf der Ega wird der japanische Garten, eines der vorerst letzten großen Bauvorhaben nach dem Rosengarten, dem Aussichtsturm und dem Haupteingang, eröffnet. Auf einer Fläche von 7 000 m² können exotische Pflanzen, Fels- und Wasserspiele und vieles mehr besichtigt werden.

8. Mai 2002

Einweihung der neuen Teile des katholischen Alten- und Pflegeheimes „Karolinenstift“ in der Pilse. In der Einrichtung können nun 60 Bewohner Aufnahme finden. Gleichzeitig sind 17 Wohnungen für ältere Menschen entstanden, die Leistungen des Karolinenstiftes in Anspruch nehmen können. Die Umbauarbeiten und der Ersatzneubau begannen 1999.

11. Mai 2002

Eröffnung der Landeskunstausstellung „KUNSTSTOFF“. 121 Künstler aus Thüringen sind mit insgesamt 200 Arbeiten beteiligt. Gezeigt werden die Arbeiten in der Kunsthalle am Fischmarkt, im Collegium maius, im Kulturhof Krönbacken in der Michaelisstraße und in der Barfüßerkirche. Es ist die erste Landeskunstausstellung nach 1947. Zur Ausstellung erscheint der Katalog „kunststoff“.

17. Mai 2002

Unter 129 Städten, die sich am bundesweiten Wettbewerb „Leben in historischen Innenstädten und Ortskernen – Zukunft für urbane Zentren und Räume“ beteiligt haben, werden durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die besten Arbeiten ausgewählt. Neben Berlin, Görlitz, Halberstadt, Luckau, Lübeck, Stralsund und Wismar konnte auch Erfurt mit Gold geehrt werden.

2. Juni 2002

Feierliche Verabschiedung des Generalintendanten des Erfurter Theaters in den Ruhestand. 11 Jahre lang hatte der jetzt 70-jährige Dietrich Taube die Leitung des Theaters inne. 17 Inszenierungen haben in dieser Zeit seine Handschrift getragen. Zu seinen großen Verdiensten gehört die Wiederbelebung der Domstufenfestspiele, bei deren Spielplangestaltung er ganz bewusst alle Theatersparten berücksichtigt hat.

7. bis 9. Juni 2002

10. Thüringer Schultheatertage in der „Schotte“. 170 theaterbegeisterte Mädchen und Jungen zeigen ihre Inszenierungen. Außerdem finden elf Workshops unter professioneller Anleitung statt. Jede der zehn teilnehmenden Gruppen hat von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen einen Förderpreis in Höhe von 1.000 Euro erhalten.

23. August 2002

Offizielle Eröffnung des Gastro-Bildungswerkes am neuen Standort Witterdaer Weg. Fünf Millionen Euro wurden in den Neubau investiert. Jährlich werden in der Einrichtung etwa 520 Fachkräfte für das Hotel- und Gaststättengewerbe ausgebildet. Hinzu kommen 1 200 Qualifikationen und Weiterbildungen.

31. August – 8. September 2002

Auf dem Petersberg wird mit der Übergabe des Ravelin Peter an die Öffentlichkeit feierlich die Denkmalwoche eröffnet. Die Woche ist von zahlreichen Vorträgen, Diskussionen und Führungen geprägt. Sie stehen in diesem Jahre unter dem Motto „Bauen mit Zahlen“. Ihren Abschluss findet die Woche mit dem „Tag des offenen Denkmals“. Ein besonderer Schwerpunkt ist in diesem Jahr dem „Bildungsort Denkmal“ gewidmet. Dabei finden auch Führungen in verschiedenen Schulen statt.

9. September 2002

Wiedereröffnung der „Hohen Lilie“, eines der ältesten Gasthäuser in Europa, am Domplatz nach elf Jahren Betriebsruhe. Das Gasthaus ist erstmals 1341 erwähnt worden. In den letzten zwei Jahren wurde das Gebäude aufwendig saniert und modernisiert.

2. Oktober 2002

Das neue Reisezentrum im Erfurter Hauptbahnhof wird in Betrieb genommen. Es ist die erste Einrichtung des neuen ICE-Verkehrsknotenpunktes. Der Hauptbahnhof soll bis zum Jahre 2006 mit Mitteln des Bundes, des Landes und der Stadt in Höhe von 90 Mio. Euro vollständig umgebaut werden. Die Stadt hat allein in diesem Jahr für die Umgestaltung des Bahnhofsumfeldes einschließlich des neuen Busbahnhofs und der Sanierung der Bahnhofstraße 17 Mio. Euro ausgegeben.

29. Oktober 2002

Die Stadt Erfurt erhält bei einem Wettbewerb der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und des Bundesbauministeriums zum zweiten Mal eine Goldplakette für lebendigen Umgang mit der Altstadt. 129 Städte aus dem gesamten Bundesgebiet hatten sich an dem Wettbewerb beteiligt. Acht von ihnen erhalten eine Goldmedaille.

7./ 8. November 2002

Der 1. Erfurter Wirtschaftskongress „erwicon“ findet statt. Die Stadt will damit Investoren auf ihre Standortqualitäten aufmerksam machen. 235 Teilnehmer aus Deutschland, aus Norwegen, Großbritannien, Litauen und Polen haben zugesagt.

19. November 2002

Der Vertrag zur Eingliederung der Theologischen Fakultät in die Universität Erfurt wird unterzeichnet. Er wird zum 1. Januar 2003 wirksam.

21. November 2002

Der Stadtrat stimmt dem Verkauf der städtischen Klinikanteile (49 Prozent) an die Helios-Klinikum GmbH zu. Damit fließen 23,24 Mio. Euro in die Stadtkasse.

2003

1. Januar 2003

Die Theologische Fakultät Erfurt wird nach Zustimmung durch den Thüringer Landtag in die Universität Erfurt integriert. Nach jahrelangen Verhandlungen mit dem Heiligen Stuhl war im November 2002 ein Staatsvertrag über die Eingliederung der einzigen katholischen Hochschule in den neuen Bundesländern geschlossen worden. Der Festakt zur Eingliederung der Katholischen Fakultät in die Erfurter Universität findet am 21. Mai 2003 statt. Vor 51 Jahren – 1952 – war die Theologische Fakultät als Philosophisch-Theologisches Studium gegründet worden. Es ist die einzige katholische Fakultät, die zwischen Breslau und Fulda ein Vollstudium anbietet.

30. Januar 2003

Die Sondersammlungen der Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha, Dauerleihgabe der Stadt Erfurt an die Universität, werden im Gebäude der Universitätsbibliothek feierlich eröffnet. Bereits seit Oktober 2002 ist nach Voranmeldung die Benutzung im Sonderlesesaal möglich. Den Kern der Sondersammlungen bildet die berühmte Bibliotheca Amploniana.

1. Februar 2003

Umzug der Frauenklinik und der Kinderklinik in das neue Frau-Mutter-Kind-Zentrum in der Nordhäuser Straße. Innerhalb weniger Stunden ziehen mehr als 130 Patienten, 225 Mitarbeiter, tonnenweise Kartons und Möbel um. Das Zentrum ist das erste seiner Art in Thüringen. Es vereint unter seinem Dach die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin sowie die Klinik für Kinderchirurgie. Damit lässt sich eine interdisziplinäre Zusammenarbeit optimal gestalten und vor allem für Früh- und Neugeborene sowie ihre Mütter ein hohes Maß an Sicherheit bietet.

1. März 2003

Umzug der letzten und kleinsten Außenklinik, der Orthopädie, auf das Gelände des Klinikums in die Nordhäuser Straße. Die Klinik war 58 Jahre in dem 1878 errichteten Gebäude untergebracht. Jetzt fällt das Gebäude der Stadt Erfurt zu.

21. März 2003

Festakademie zum Auftakt des Meister-Eckhart-Gedenkens 2003 in der Aula des Evangelischen Ratsgymnasiums, dessen Gebäude zu den Baulichkeiten des ehemaligen Predigerklosters gehört. An der Veranstaltung zu Ehren des Theologen und Denkers nimmt neben zahlreichen Vertretern der Stadt, des Landes und der Kirchen Bundespräsident Johannes Rau teil. Vor 700 Jahren war der Dominikanermönch Eckhart zum Provinzial der Ordensprovinz Saxonia ernannt worden.

26. April 2003

1. Jahresgedenkfeier für die Opfer des Massakers am Gutenberg-Gymnasium. Um 10 Uhr findet am Gutenberg-Gymnasium eine Kranzniederlegung statt. Zu Beginn der Trauerfeier auf dem Domplatz läuten um 10:53 Uhr die Glocken aller Erfurter Kirchen. Zu diesem Zeitpunkt ein Jahr zuvor hatte ein ehemaliger Schüler der Schule seinen Amoklauf begonnen und binnen weniger Minuten 16 Menschen und anschließend sich selbst getötet. Seit dem 1. April 2003 ist im Bundesarbeitsgericht eine Ausstellung zu sehen, die eine Auswahl aus den 2003 in Erfurt eingegangenen Kondolenzschreiben und -gaben zeigt und dem Gedenken an die Opfer dienen soll.

14. Juni 2003

Letzte Vorstellung des Erfurter Schauspiels. Als Bestandteil des Erfurter Theaters verabschiedet es sich von seinem Publikum. Die Vorstellung ist restlos ausverkauft. Im Anschluss laden die Künstler das Publikum zu einer gemeinsamen Abschiedsfeier ein.

5. Juli 2003

Erfolgreiche Premiere von „Friedenstag“ von Richard Strauss auf den Erfurter Domstufen. Mit der Inszenierung stellt sich der neue Intendant des Erfurter Theaters, Guy Montavon, den Erfurtern erstmals als Regisseur vor.

14. Juli 2003

Grundsteinlegung zu dem umstrittenen Fünf-Sterne-Hotel im Brühl. In dem Hotel soll auch das thüringische Spielkasino seinen Platz finden. In vierzehn Monaten soll das Hotel fertiggestellt werden. Die Grundsteinlegung findet aufgrund der durch den Hotelplan hervorgerufenen Verärgerung ohne Vertreter der Stadtverwaltung statt, und auch der Thüringer Wirtschaftsminister ist nicht anwesend. Eine feierliche Stimmung, wie sie sonst bei solchen Anlässen aufzukommen pflegt, ist nicht zu spüren.

20. Juli 2003

Die Domstufenfestspiele und das Sommertheater in der Barfüßerruine gehen zu Ende. Die 14 umjubelten Vorstellungen der Initiative „Neues Schauspiel“ von „Was Ihr wollt“ waren ausverkauft. Im nächsten Jahr soll am selben Ort das Lustspiel „Viel Lärm um nichts“ gezeigt werden. Die Stadt hat die Absicht bekundet, dem Schauspiel die Barfüßerruine kostenfrei zur Verfügung zu stellen.
Zu den Domstufenfestspielen sind 20 000 Opernfreunde gekommen. Nicht alles ist wie in den vergangenen Jahren verlaufen. Die Verantwortlichen werden einige Dinge überdenken müssen, denn 2 000 Plätze wollen besetzt werden. Der Kartenverkauf war nur schleppend, die Höhe der Vorstellungspreise sollte überprüft werden, und bei der Werbung muss auch der Inhalt eine größere Rolle spielen.

17. August 2003

„Tag der offenen Tür“ im neuen Katholischen Krankenhaus St. Nepomuk an der Haarbergstraße. Über 28 000 Besucher nutzen die Möglichkeit, die Räumlichkeiten des Krankenhauses kennen zulernen. Die offizielle Einweihung findet am 22. August statt. Der Umzug von der Klinik in der Puschkinstraße wird am 30. August erfolgen. Für die 460 Patienten stehen 560 Mitarbeiter zur Verfügung. Einen Wermutstropfen, der dem Neubau beigemengt ist, bedeuten die Entlassungen beim klinischen Hauspersonal und bei den Handwerkern.

26. August 2003

Im Bundeswettbewerb „Unsere Stadt blüht auf“, an dem 29 Städte teilgenommen haben, kann Erfurt eine Silbermedaille gewinnen. Gold geht an Bad Kissingen. Neben Erfurt erhalten weitere thüringische Städte, Bad Langensalza, Arnstadt und Ilmenau, eine Silbermedaille. Außerdem erhält Erfurt einen der drei Sonderpreise, den vom Naturschutzbund Nabu ausgelobten Preis „Natur in der Stadt“. Es wird damit der Erhalt einer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt im besiedelten Raum ausgezeichnet. Aus Geldmangel wird die Stadt im Wettbewerb des Jahres 2004 nicht antreten.

12. September 2003

Einweihung des neuen Theaterbaus, des in Europa ersten Theaterneubaus des 21. Jahrhunderts. Am 14. September findet die offizielle Premiere mit der eigens von Peter Aderhold für die Eröffnung komponierten Oper „Luther“ statt. Der große Saal bietet 800 Zuschauern Platz, und die Studiobühne kann 200 Zuschauer fassen. Die Eröffnung hat auch einen bitteren Beigeschmack, wurden doch die Sparte Schauspiel und das Kinder- und Jugendtheater abgewickelt, und die Fusion mit dem Deutschen Nationaltheater in Weimar ist gescheitert. Schauspielaufführungen sollen zukünftig „eingekauft“ werden. Wenige Tage später, am 28. September, stellt der „Tag der offenen Tür“ eine Härteprobe für das neue Haus dar. Über 30 000 Besucher nutzen die Gelegenheit, das Haus zu besichtigen, einen Blick hinter die Kulissen und in die Werkstätten zu werfen und mit Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen. In einzelnen Bereichen, etwa im Ballettsaal, auf der Studiobühne und im Orchesterprobenraum, sind Zaungäste gern gesehen. Im Theatrium werden durch den Intendanten Guy Montavon Kostüme aus dem Fundus versteigert.

22. September 2003

Beginn einer schon seit längerem vorbereiteten Kampagne gegen den Schmutz in der Stadt, gegen weggeworfene Zigarettenkippen, Hundekot und anderen Müll, den die Bürger tagtäglich auf Straßen und Plätzen als Hinterlassenschaft verantworten. Nach einer vierwöchigen Anlaufzeit sollen diejenigen, die zur Verschmutzung beitragen und erwischt werden, mit Geldbußen von 20 Euro beispielsweise für achtloses Wegwerfen von Papiertüten und Zigarettenkippen bis zu 50 Euro für Hundekot zur Kasse gebeten werden.

27. September 2003

60 Jahre, nachdem es in Erfurt letztmals erklungen ist, wird ein bedeutendes Werk der Kirchenmusik, das hier entstanden ist, erstmals wieder in der Stadt aufgeführt. Professor George Alexander Albrecht, vormaliger Generalmusikdirektor der Staatskapelle Weimar, dirigiert in der Severi-Kirche das in den Jahren 1923 bis 1925 entstandene Requiem  (1875–1935). Neben zwei Gesangssolisten musizieren der Erfurter Dombergchor und der Philharmonische Chor Weimar sowie das verstärkte Thüringische Kammerorchester Weimar.

2. Oktober 2003

Den Kulturpreis der Stadt Erfurt, der 1997 erstmals vergeben worden ist, erhält in diesem Jahr Professor Gert Frischmuth für sein Lebenswerk als insgesamt vierter Preisträger. Der in ganz Deutschland wie in vielen anderen Ländern geschätzte Dirigent war von 1988 bis 1997 Chefdirigent des Leipziger Rundfunkchors bzw. des Chors der Mitteldeutschen Rundfunks. Seit vielen Jahren ist er Leiter des Erfurter Männerchors 1890.

10. November 2003

Die Stiftung Augustinerkloster unter der Obhut der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Bonn wird ins Leben gerufen. Die Stiftung, die auf Dauer angelegt ist, macht sich außer dem laufenden Bauerhalt die Wiedererrichtung der 1945 zerstörten Bibliothek und der Waidhäuser auf dem Areal des Augustinerklosters zur Aufgabe.

2004

12. Februar 2004

Die Deutsche Post gibt eine Dauerbriefmarke, die als Motiv den Erfurter Dom zeigt, heraus. Dieser gezackte Werbeträger, dessen Nominalwert 5 Cent beträgt, ist von einem Bremer Grafikerehepaar gestaltet worden.

3. März 2004

Die thüringische Finanzministerin, Birgit Dietzel, übergibt dem Leiter des Pierre-de-Coupertin-Sportgymnasiums, Klaus Böttner, symbolisch die Schlüssel. Somit können alle Einrichtungen der Schule uneingeschränkt genutzt werden.

7. April 2004

Bei Bauarbeiten im Brühl wird ein Massengrab entdeckt. Es birgt die sterblichen Überreste von 120 Soldaten der Armee Napoleons, die im Jahre 1813 in Erfurter Lazaretten starben. Sie werden am 16. Juni 2004 mit militärischen Ehren und in Anwesenheit des französischen Botschafters auf dem Hauptfriedhof beigesetzt

23. April 2004

Im Coelicum wird das Bonifatius-Gedenkjahr eröffnet. Die drei Veranstalter - das Bistum Erfurt, die Evangelische Kirchenprovinz Sachsen und die Landeshauptstadt Erfurt - haben für die kommenden Wochen viele Ausstellungen, Konzerte und Theateraufführungen sowie Vorträge und Lesungen organisiert.

Mitte Mai 2004

Der Abbruch der Martinskaserne, die dem Bau von Stadtvillen weichen muss, beginnt.

3. Juni 2004

Bindersleben beginnt die Feierlichkeiten zum 900-jährigen Bestehen. Im Rahmen der Kirmes wird am 5. Juni 2004 die Jubiläumsfeier zum 900-jährigen Bestehen von Kerspleben offiziell eröffnet. Aus Anlass des Jubiläums erscheint eine 160-seitige Ortschronik. Am 2. Juli beginnen die Feierlichkeiten zum 900-jährigen Bestehen von Linderbach, am 21. August begeht Hochstedt die 900-jährige Wiederkehr der Ersterwähnung - auch eine umfängliche Darstellung der Dorfgeschichte erscheint -, am 27. August feiert Bischleben 1130-jähriges, Stedten 810-jähriges und Gottstedt 900-jähriges, am 12. September führt Töttelstädt Veranstaltungen anlässlich des 900-jährigen Bestehens durch.

4. Juni 2004

Das Bismarck-Haus Anger 33 erhält seinen "Namensgeber" zurück: Eine von dem Erfurter Künstler Paschold geschaffene zwei Meter hohe und aus Bronze gegossene Bismarck-Statue wird an der Gebäudefassade montiert. Bei der Enthüllung am 5. Juni ist auch Ferdinand Fürst Bismarck, Urenkel des Reichskanzlers, anwesend.

5. Juni 2004

Im Rathausfestsaal endet mit einer Festsitzung die Feier des 250-jährigen Jubiläums der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt. Als Ehrengast kann der Präsident der Akademie, Professor Dr. Dr. Dr. h. c. Werner Köhler, u. a. Prinz Georg Friedrich von Preußen, Prinz Michael von Sachsen-Weimar-Eisenach, Prinz Konrad von Sachsen-Meiningen und Ferdinand Fürst Bismarck begrüßen. Die Jubiläumsfeierlichkeiten hatten am 3. Juni begonnen und zahlreiche Vorträge und Diskussionen zum Thema "Zeit - Rätsel der 4. Dimension" geboten. Aus Anlass des Jubiläums hatte das Stadtarchiv Erfurt eine Ausstellung gestaltet, die am 14. Mai eröffnet worden war.

27. Juni 2004

Bei einer Wahlbeteiligung von nur 41,5 Prozent (1999: 49,51 Prozent) wird der neue Stadtrat gewählt. Die CDU verliert ihre absolute Mehrheit, bleibt trotz Verlusten mit 39,3 Prozent stärkste Partei und wird im neuen Stadtrat über 20 Sitze zuzüglich der Stimme des Oberbürgermeisters verfügen. Die PDS wird mit 32,4 Prozent zweitstärkste Partei und erhält 17 Sitze. SPD und Bündnis 90/Die Grünen erhalten 16,2 Prozent und acht Sitze bzw. 8,7 Prozent und fünf Sitze.

8. Juli 2004

An einem Kranhaken verlässt gegen 11 Uhr die 10,5 Tonnen schwere Gloriosa 507 Jahre nach ihrem Guss zum ersten Mal die Glockenstube des Doms. In der bayerischen Stadt Nördlingen soll der Riss der Glocke, der am 13. Januar festgestellt worden war, geschweißt werden. Am 9. September kehrt die Glocke nach geglücktem Schweißen vor Tausenden auf dem Domplatz stehenden Schaulustigen in den Mittelturm des Doms zurück. Am 8. Dezember erklingt die Gloriosa erstmals wieder. Experten freuen sich vor allem über die nach der Reparatur auf 370 Sekunden verlängerte Nachhallzeit. Allerdings kann die Glocke noch nicht in ihrer gewohnten Lautstärke erklingen. Der Klöppel muss erst eine neue Anschlagstelle formen.

6. September 2004

Die Witwe des Erfurter Grafikers, Lehrers und Sammlers Rudolf Franke übergibt dem Angermuseum der Stadt Erfurt als Schenkung eine etwa 14 000 Blätter umfassende Sammlung von Werken unter anderem von Picasso, Chagall und Heckel, Dix und Kirchner.

15. September 2004

Das seit sieben Jahren geschlossene alte Opernhaus erlebt einen Neubeginn als privat geführte Bühne. "The show must go on" lautet die Musical-Gala, mit der die Alte Oper an ihrem 110. Geburtstag wiedereröffnet wird. Die erste Spielzeit bietet unter anderem Konzert, Comedy und Schauspiel. Am 26. Februar 2004 hatte Wolfgang Staub, Inhaber des Dasdie live und des Dasdie Brettl, die Schlüssel des alten Opernhauses mittels langfristigen Pachtvertrages übernommen. Somit bleibt die "Alte Oper" der Erfurter Kulturlandschaft erhalten.

3. Oktober 2004

Ganz Deutschland feiert in Erfurt: 300 000 Besucher einschließlich der kompletten politischen Führungsriege erleben im Rahmen der zentralen Feier der Bundesrepublik Deutschland bei vielen Veranstaltungen unserer Stadt den Tag der Deutschen Einheit.

2005

26. Januar 2005

In der Alten Oper Frankfurt übernimmt Bürgermeister Dietrich Hagemann die Unicef-Fahne als symbolischen Staffelstab. Die Stadt Erfurt ist – als Nachfolgerin von Frankfurt – für ein Jahr Partner-Stadt von Unicef. Erklärtes Ziel ist es, mindestens 200.000 Euro an Spendengeldern zu sammeln, um drei Unicef-Projekte finanziell zu unterstützen.

27. April 2005

Nach Monaten der Planung und der Vermessung beginnen Sanierung und Umbau des einstigen Prachthotels „Erfurter Hof“. Auf 14 Millionen Euro schätzt die Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen die Sanierungskosten für das 10 000 Quadratmeter große Objekt. Die eigentliche Sanierung soll im Jahre 2006 beginnen. Die ersten Mieter, die Sparkasse Mittelthüringen und die Thüringer Tourismusgesellschaft, wollen ihre Büros im Juli 2007 beziehen.

20. Juni 2005

Mit einem Fest wird die Eröffnung der 3,6 Kilometer langen Verlängerung der Stadtbahnstrecke 4 – vom Hauptfriedhof bis zum Flughafen – gefeiert. Iris Gleicke, parlamentarische Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium, und Ministerpräsident Dieter Althaus starten die erste Straßenbahn, die für die Fahrt vom Hauptbahnhof zum Flughafen nur 19 Minuten benötigt.

22. Juni 2005

Der Stadtrat spricht sich einstimmig für die baulich-museale Neugestaltung des Angermuseums aus und ergreift damit die einmalige Möglichkeit, das insgesamt fast 10 Millionen teure Projekt zu zwei Dritteln aus Fördermitteln der Europäischen Union finanzieren zu lassen.

17. Juli 2005

Oberbürgermeister Manfred Ruge und Yona Yahav, Oberbürgermeister der israelischen Stadt Haifa, unterschreiben im Festsaal des Rathauses feierlich den Partnerschaftsvertrag. Bereits seit fünf Jahren bestehen zwischen beiden Städten enge Beziehungen, die sich durch den Kultur-, Sport- und Jugendaustausch festigen. Im Vorfeld dieser Unterzeichnung kommen die beiden Stadtoberhäupter überein, zukünftig mehr Wert auf wirtschaftliche Aspekte und den Tourismus zu legen.

29. August 2005

Bundeskanzler Gerhard Schröder übergibt das Schulgebäude des Gutenberggymnasiums an die Schulgemeinschaft. Das Stammhaus des Gymnasiums am Gutenbergplatz 6 ist nach dem Massaker vor über drei Jahren geschlossen worden. Seitdem ist es aufwendig umgebaut worden. Schon im Juli 2005 hat mit einer Projektwoche die vorsichtige Wiederinbesitznahme des Schulgebäudes stattgefunden.

25. September 2005

Die Mitglieder der Friedensklasse des Ordens „Pour le mérite“, der für hervorragende wissenschaftliche und künstlerische Leistungen vergeben wird, treffen sich in Erfurt zur Jahrestagung. Zu den derzeitigen Mitgliedern der Friedensklasse des Ordens, die 1842 von König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen gestiftet worden ist, gehören die Naturwissenschaftler Manfred Eigen, Rudolf Mößbauer und Günter Blobel, die Musiker Aribert Reimann und Nikolaus Harnoncourt und die Schriftsteller Umberto Eco und Martin Walser. Frühere Mitglieder der Friedensklasse waren unter anderen Carl Friedrich Gauß, Charles Darwin, Leopold von Ranke, Wilhelm Conrad Röntgen, Johannes Brahms und Wilhelm Furtwängler. Die Militärklasse des Ordens ist nach 1918 untergegangen.

14. Oktober 2005

Die Mitarbeiter des Helios-Klinikums werden davon in Kenntnis gesetzt, dass der Gesundheitskonzern Fresenius AG neuer Eigentümer des Klinikums sei. Die Gründer- und Eigentümerfamilie Lutz Helmig hat die von ihr gehaltenen 94 Prozent der Gesellschafteranteile für 1,5 Milliarden Euro veräußert. Für die Mitarbeiter und die Bewohner der Senioren- und Pflegeheime sollen sich keine Änderungen ergeben.

1. November 2005

Das Trinkwasser in Erfurt hat eine neue Qualität. Nach monatelangen Vorbereitungen wird in das Netz Mischwasser eingespeist. Aus Erfurter Grundwasser und Fernwasser bestehend, ist das „neue“ Wasser viel kalkärmer und hat jetzt 11 bis 12 Grad deutsche Härte. Nur noch 30 Prozent des Wassers wird in der Gegend gefördert. Der restliche, der weiche Teil des Mischwassers kommt aus der Ohra-Talsperre.

7. November 2005

Die Industrie- und Handelskammer weiht ihr neues Domizil in der Arnstädter Straße 34 ein. Das Gebäude, in den 50er Jahren als Bezirksjugendschule der FDJ gebaut, ist vier Jahrzehnte als Hautklinik der Medizinischen Akademie genutzt worden. Die Architekten betrachten das Ergebnis der 12 Millionen Euro teuren Um- und Anbauarbeiten als gelungene Symbiose aus Geschichte und Neuem.

22. November 2005

Im Haus Wenigemarkt 11 eröffnet die Firma Born-Senf ein Museum, indem viel über die mehr als 100jährige Unternehmensgeschichte zu erfahren ist. Im Erdgeschoss des Gebäudes, das auch der neue Sitz der Firma ist, sind die Gegenstände ausgestellt, wodurch sich die Geschichte des Betriebes darstellt.

26. November 2005

In Xuzhou unterzeichnet eine Erfurter Delegation unter Führung von Bürgermeister Dietrich Hagemann den Partnerschaftsvertrag mit dieser 1,2 Millionen Einwohner zählenden chinesischen Stadt. Ziel ist es, die Beziehungen auf dem Gebiet der Wirtschaft und der Kultur zu verstärken.

26. November 2005

Der von Papst Benedikt XVI. zum Erfurter Weihbischof ernannte bisherige Dompfarrer Dr. Reinhard Hauke wird im Erfurter Dom zum Bischof geweiht. Hauptkonsekrator ist der Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner; er war von 1975 bis 1980 selbst Weihbischof von Erfurt. Die Pontifikalien hat der Silberschmied Thomas Wurm geschaffen. Feierlich werden dem neuen Bischof der Bischofsring, das Brustkreuz (Pektorale) mit Kette und der Bischofsstab, der eine Reliquie des Apostels Thomas birgt, übergeben.

11. Dezember 2005

Mit „Großem Bahnhof“ werden die Nordseite des Hauptbahnhofes und das Dienstleistungszentrum offiziell eingeweiht und in Betrieb genommen. 200 Gäste aus Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik, aus Wirtschaft und Kultur sind anwesend, als Maulwurf Max – stellvertretend für alle am Bau Beteiligten – Christine Kromke, der Bahnhofsmanagerin, den symbolischen Schlüssel übergibt. Nun erwartet die Reisenden an den Gleisen 1 und 2 ein 420 Meter langer Bahnsteig mit Wetterschutz, Sitzbänken und Serviceeinrichtungen. der letzte Bauabschnitt am neuen ICE-Bahnhof abgeschlossen sein.

15. Dezember 2005

Im Brühl öffnet unmittelbar neben dem Grandhotel die erste thüringische Spielbank die Pforten. Überrascht sind die Neugierigen von der recht einfachen Ausstattung. Das neue Casino wirkt wenig glitzerig. Auch die Prägung, die durch die Kleidung der Gäste und den Getränkeausschank gegeben wird, erinnert eher an eine einfache Gaststätte. Recht viele Spielwütige wünscht sich das Thüringer Finanzministerium, denn die Spieler sollen mit ihren vertanen Groschen den Landeshaushalt entlasten, den Fonds der Ehrenamtsstiftung und die Töpfe anderer gemeinnütziger Einrichtungen auffüllen.

2006

13. Februar 2006

Mit einem Bagger vollführt Lothar Schmelz, Kurator des Augustinerklosters, den ersten Spatenstich zum Bau eines neuen Gebäudes an der Stelle der am
25. Februar 1945 zerstörten Bibliothek des Augustinerklosters. Das neue Gebäude, eine Tagungs- und Begegnungsstätte, wird drei Stockwerke umfassen, die Fenster werden nach oben immer schmaler werden. Ende 2008 sollen die Arbeiten zum Wiederaufbau abgeschlossen sein. Auf dem Gelände der 1945 ebenfalls zerstörten Waidhäuser werden Gästehäuser entstehen.

18. Februar 2006

Im badischen Pfinztal wird für die Gloriosa ein neuer Klöppel geschmiedet. Er wiegt 382 Kilogramm und besteht aus dem Spezialstahl RSK 100. Nach dem Schweißen des Haarrisses in der Gloriosa harmoniert der ursprüngliche Klöppel nicht mehr mit der Glocke. Am 22. März 2006 wird der neue Klöppel eingesetzt. Der Läutewinkel ist von 46 Grad auf schonende 44,5 Grad reduziert.

22. Februar 2006

Der Umbau des Erfurter Hofs beginnt. Er wird voraussichtlich 14,3 Millionen Euro kosten. Elf Mieter sollen nach der Sanierung des Traditionsgebäudes hier ihr neues Domizil finden.

8. April 2006

Erstmals seit 40 Jahren begleitet die Ladegast-Orgel in der Tiefthaler Peter-und-Paulskirche wieder einen Gottesdienst. 42.000 Euro hat die Sanierung gekostet, von denen die Tiefthaler 17.000 Euro durch Spenden zusammentragen. Ein Großteil der Substanz der Orgel konnte erhalten werden. Sie ist vor 108 Jahren von dem großen Weißenfelser Orgelbauer Ladegast erbaut worden, ihre meisterliche Klangfärbung begeistert die Fachleute.

23. April 2006

Im Stadtmuseum wird das Erfurter Münzkabinett eröffnet; es spiegelt die 800-jährige Geschichte des Erfurter Münzwesens. Zu sehen sind über 900 Münzen und Medaillen aus der Sammlung Gerd Behr, die von der Sparkasse Mittelthüringen erworben und dem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt worden sind. Ergänzt wird die Sammlung durch Münzfunde aus dem Stadtgebiet.

30. Mai 2006

Der Umbau der Hauptpost beginnt. 40 Millionen Euro will die Frankfurter Eigentümerin, die Deutsche Immobilien Chancen (DIC), investieren. Das Gebäude soll von außen neu erlebbar werden, indem die Fensteröffnungen und die Brüstungen heruntergesetzt werden. Die Mieter der etwa 7 000 Quadratmeter großen Grundfläche sollen im Frühjahr 2007 einziehen können.

6. Juni 2006

Für „Dauerhaftes Grün“ und eine hochwertige Grünanlage sprechen sich mehr als zwei Drittel der 6 000 Menschen aus, die an der Haushaltsbefragung „Wie weiter mit der Baugrube am Hirschgarten?“ teilnehmen. Zwar ist das Bürgervotum nicht bindend, es wird aber erwartet, dass der städteplanerisch angeblich sinnvollste Entwurf, der als Gegenpol zum "Anger 1" ein Einkaufszentrum mit viergeschossigem Parkhaus vorsieht, im Stadtrat keine Mehrheit findet.

1. Juli 2006

Andreas Bausewein tritt seinen Dienst als Oberbürgermeister an. Bei der Stichwahl am 21. Mai 2006 hatte er mit 60,2 Prozent in der Gunst der Wähler vor Dietrich Hagemann (39,8 Prozent) gelegen. 30 169 Bürger votierten für Andreas Bausewein, 19 942 für Dietrich Hagemann. Somit hat nicht einmal jeder Dritte der 166 716 Erfurter Wahlberechtigten (nur 50 111, das entspricht einer Wahlbeteiligung von 30,5 Prozent) von seinem Stimmrecht Gebrauch gemacht.

21. Juli 2006

In der Bibliothek des Evangelischen Ministeriums im Augustinerkloster entdeckt Dr. Christoph Fasbender vom Institut für Germanistische Literaturwissenschaft der Universität Jena ein Fragment einer bis dahin unbekannten Handschrift. Das Doppelblatt birgt die letzten Seiten eines Artusromans über den Ritter Wigalis. Der Erzähltext stammt aus dem Jahre 1455 und wurde von einem Dittrich von Houpfgarten verfasst.

23. August 2006

Der Dachstuhl des Dacherödenschen Hauses, dessen Sanierung sich dem Ende zuneigt, gerät in Brand. Gegen 19 Uhr muss die Feuerwehr ausrücken. Für 1,3 Millionen Euro war die alte Pracht wieder hergestellt und die Fassade aufwendig gestaltet worden. Schon am 18. Dezember 2006 kann Richtfest gefeiert werden.

1. September 2006

Erfurt hat eine neue Buslinie, die Buslinie Nummer 96. Das Fahrzeug dieser Linie, das in seinem Äußeren einer Mischung aus Zug, Bus und Straßenbahn gleicht und die Blicke der Passanten auf sich zieht, soll den Petersberg und den Egapark beleben. In kurzer Fahrzeit hat man von der Innenstadt aus mit dem Mobil diese Sehenswürdigkeiten erreicht. Vor „touristischer Zeit“, von sechs bis zehn Uhr, soll der 15,5 Meter lange „Straßen-ICE“ den Gutenbergplatz mit dem Steinplatz im Linienverkehr verbinden.

2. September 2006

Auf dem Petersberg wird der „Bürgergarten“ eröffnet. In dem 1,8 Hektar großen Gelände auf den Bastionen Johann und Franz, auf dem einst Garagen und Nebengebäude von Polizei und Staatssicherheit standen, sind 50 Bäume gepflanzt und Spielgerät und Sitzmöglichkeiten aufgestellt worden. Gleichzeitig wird der neue Zugang, der über zwei Stahltreppen von der Straßenbahnhaltestelle „Webergasse“ auf den Berg führt, für die Öffentlichkeit freigegeben.

2. Oktober 2006

Die kombinierte Restmüllbehandlungsanlage (Raba) geht in Betrieb. Die Anlage – sowohl der mechanisch-biologische Teil, als auch die Müllverbrennung – wird derzeit zu knapp 70 Prozent ausgelastet. Die Anlage verwertet Müll aus Erfurt und Weimar.

19. November 2006

Mit einem evangelischen Gottesdienst anlässlich der Eröffnung des Elisabethjahres wird die Elisabethkapelle nach 100 Jahren wieder in geistliche Nutzung genommen. Lange ist dieser Raum in dem 51 m hohen Nikolaiturm als Abstellkammer genutzt worden. Nun befindet er sich als Sakralraum in der Verantwortung des Evangelischen Augustinerklosters, das mit der Stadt einen langjährigen Nutzungsvertrag abgeschlossen hat. Bei wärmeren Außentemperaturen soll es ab dem Jahre 2007 regelmäßig Andachten geben.

4. Dezember 2006

In Mittelhausen ist mit der Übergabe der Straße die Erschließung des Gewerbegebietes „Ludwigstein“ abgeschlossen. Erfurts jüngstes Gewerbegebiet umfasst ein 44 Hektar großes Areal und liegt direkt an der neuen Bundesautobahn BAB 71 – Anschlussstelle Mittelhausen.

15. Dezember 2006

Die Bundesautobahn BAB 71 zwischen den Anschlussstellen Bindersleben und Stotternheim wird für den öffentlichen Verkehr freigegeben. Das 15,3 Kilometer lange Teilstück kostet etwa 61 Millionen Euro. 2,2 Millionen Kubikmeter Boden sind bewegt worden, um die 370 000 Quadratmeter Fahrbahn herzustellen. 20 000 Fahrzeuge täglich werden in beiden Fahrtrichtungen erwartet. Der Erfurter Ring soll den Innenstadtverkehr der sich kreuzenden Bundesstraßen B 4 und B 7 entlasten.

18. Dezember 2006

Ilse Franke, Kunstsammlerin und Mäzenin, wird in einem Festakt die Ehrenbürgerschaft der Stadt Erfurt verliehen. Ins Licht der Öffentlichkeit ist die Witwe des Künstlers, Kunstpädagogen und Kunstsammlers Rudolf Franke gerückt, als sie der Stadt am 6. September 2004 eine 14 000 Grafikblätter umfassende Sammlung schenkte.