Christian Reichart (1685 – 1775)

Begründer des neuzeitlichen Erfurter Erwerbsgartenbaus

Christian Reichart wurde 1685 in Erfurt geboren. Nach dem Studium der Rechte in Erfurt trat er in den Dienst seiner Vaterstadt und gelangte hier aufgrund seiner Fähigkeiten und seines Fleißes in hohe Stellungen. 1737 wurde er zum Jüngeren Bürgermeister und 1752 zum Anderen Ratsmeister ernannt. Ab 1720 hatte er sich mit dem Land- und Gartenbau beschäftigt. 1733 und 1734 war Reichart als Mitautor an Johann Kniphofs „Lebendigem Kräuter-Buch“ beteiligt.

1753 bis 1774 erschien in sechs Teilen die erste Auflage seines "Land- und Gartenschatzes". 1758/1759 veröffentlichte er seine „Einleitung in den Garten- und Acker-Bau“ und 1762 seine „Gemischten Schriften“. Da er umfangreiche Ländereien besaß und in vorteilhaften Vermögensverhältnissen lebte, hatte er die Möglichkeit, zahlreiche und aufwendige Versuche durchzuführen; sie zielten auf eine rationelle Ausnützung des Bodens und die Steigerung der Erträge.

Dass im 18. Jahrhundert der Gemüsebau in den Erfurter Gartenbau Einzug hielt, war Reicharts Verdienst. Er machte den Blumenkohl in Deutschland heimisch, veredelte hiesige Gemüseformen und verschaffte ihnen durch die Entwicklung der Samenzucht über Erfurt hinaus Anerkennung. Er entwickelte zudem neue Gerätschaften für den Gartenbau, z. B. eine Stachelwalze, einen Wurzelspieß und einen Pflanzstock und verbesserte andere Geräte. Reichart erfuhr schon zu Lebzeiten zahlreiche Ehrungen. Unter anderem war er eines der ersten Mitglieder der 1754 gegründeten Kurfürstlichen Akademie nützlicher (heute: gemeinnütziger) Wissenschaften zu Erfurt.