Ortsteil: Urbich

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Peter Fitzenreiter
Ortsteilbürgermeister
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Urbicher Anger 4
99098 Erfurt

Urbicher Anger 4, 99098 Erfurt

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Ortsteilbetreuerin
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Sprechzeiten der Ortsteilbetreuung

jeden 2. und 4. Dienstag im Monat von 15:00 bis 17:00 Uhr

Geschichte

"Ein Filial von Büßleben, begrenzt von Linderbach, Büßleben, Niedernissa, Windischholzhausen, Melchendorf, Dittelstedt und Schmidtstedt, umgeben mit Hecken und Wänden, mit Brunnen hinlänglich versehen, von dem Urbicher Bach, der am Dorfe vorbei abwärts läuft, durchströmt, hat nebst 2 Gemeinde-Gebäuden, …, beinahe gar nichts…" Als so spärlich wird Urbich am Ende des 18. Jahrhunderts beschrieben. Erstmals urkundlich in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, wahrscheinlich 1232, erwähnt, konnte das Dorf auch fast 600 Jahre später kein Darr- (Früchte oder Fleisch dorren) oder Braurecht, weder eigene Feuerkunst oder ein Backhaus, noch einen Gasthof oder eine Schenke aufweisen. Ja, sogar das Beizapfen war nicht erlaubt, weshalb Bier in Privathäusern ausgeschenkt wurde.

Der Name Urbich leitet sich von einem Gewässernamen (Urbach) ab und nahm später, wahrscheinlich durch verschiedene Aussprachen, die heutige Form an. In den ältesten Urkunden ist das Dorf noch als Urbech, Uribechi, Urbeche und Urbig zu finden. 1303 wurde das Filial Büßlebens mit dem Dorf Neuses von Heinrich, Graf von Gleichen, an Theoderich von Sachsen und an die Kinder seiner Schwester, Theoderich und Albert von Nuwesessen (vermutlich Neuses) für 25 Mark wiederkauflich verschrieben. 1339 konnte der Erfurter Stadtrat das Dorf Urbich von der Grafschaft Vieselbach erwerben und wurde 1343 endgültig Eigentümer des gesamten Dorfes mit allen Rechten.

Zu diesem Zeitpunkt lebten die meisten Bewohner vom Ackerbau, nur wenige konnten mit dem Handwerk ihr täglich Brot verdienen. Die Äcker trugen Anis, Erbsen, Linsen und Bohnen, aber auch Hopfen und Flachs. Die unter den Einwohnern bestehenden soziale Unterschiede an den Berufsbezeichnungen /Eigentümerrechten, die in den alten Zinsregistern verzeichnet sind. So gab es Ausspänner, Anspänner und Tagelöhner, die, modern gesprochen, mit Groß- und Mittelbauern, Kleinbauern und Landarbeitern vergleichbar sind.

War im 16. Jahrhunderts ein stetiges Bevölkerungswachstum zu verzeichnen (1534 waren 21 Urbicher steuerpflichtig, 1563 waren es 24 und 1578 bereits 38), raffte noch vor dem 30jährigen Krieg in der Zeit von 1597 bis 1611 eine Seuche, wahrscheinlich die Pest, ungefähr die Hälfte der Bevölkerung dahin. Doch schon 1619 war die Anzahl der Steuerpflichtigen wieder auf 40 gestiegen.

Der nächste Schicksalsschlag ereilte Urbich mit dem 30jährigen Krieg, der die Reihe der einfallenden Truppen nicht abreißen ließ. 1622/23 verwüsteten die Heerscharen des Altenburger Herzogs Friedrich das Land, 1635 waren es weimarsche Truppen, 1639 schwedische und 1642 schließlich kaiserliche Scharen. Wie stark die umliegenden Dörfer von den Schrecken des Krieges betroffen waren, drückt ein furchtbarer Reim aus, der besagt, dass ein Soldat im 30jährigen Krieg mindestens drei Bauern zu seinem Verschleiß brauchte: "… einen, der ihn ernährt, einen, der ihm sein Weib beschert, und einen, der für ihn in die Hölle fährt…"

Nach dem Ende des 30jährigen Krieges und der letztmaligen Pest 1683 blieb die Einwohnerzahl Urbichs lange Zeit sehr gering. Es ist bekannt, dass 1701 gerade noch 42 Einwohner (Männer, Frauen, Kinder) in Urbichlebten. Der hohe Menschenverlust und große wirtschaftliche Schäden stürzten das Dorf beinahe ins Verderben.

1706, im Zuge einer Neugliederung des Erfurter Landgebietes, das mittlerweile den Kurfürsten von Mainz gehörte, wurde Urbich zusammen mit umliegenden Dörfern zum Stadt- und Küchenmeisteramt eingeteilt.

Im Siebenjährigen Krieg von 1756 bis 1763 musste das Dorf zwar Hand- und Spanndienste leisten, blieb aber von Brandschatzungen und Plünderungen verschont. Ende des 18. Jahrhunderts zählte das Filial 79 Einwohner, ca. 6 Pferde, 5 Ochsen, 30 Rinder und 160 Schafe.

In der Folge der Französischen Revolution ging das Kurfürstentum Mainz unter und Urbich kam 1802 unter preußische Herrschaft. 1806 allerdings wurde das Gebiet um Erfurt und damit auch Urbich nach der Schlacht von Jena-Auerstedt von Napoleon erobert. Die französische Herrschaft hingegen brachte dem Örtchen noch mehr Geldzahlungen, Abgaben von Lebensmitteln, Einquartierungen und Gespannleistungen. Die Schlachten selbst wurden aber aller Wahrscheinlichkeit nach nicht in der Nähe ausgetragen. Um 1813 wurden die Einwohner abermals von einer Krankheit heimgesucht, dem fauligen Nervenfieber, eingeschleppt durch die Franzosen. Napoleon musste das Gebiet nach der Völkerschlacht bei Leipzig und den Befreiungskriegen wieder aufgeben und das Dorf wurde 1814 erneut preußisch.

Auch als sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Erfurt zu einer Industriestadt entwickelte und viele Bewohner Arbeit in Fabriken fanden, arbeiteten die meisten Bauern Urbichs in ihrer Freizeit noch auf den Feldern, um ihre Familien ernähren zu können.

Im Ersten Weltkrieg fielen einige junge Männer Urbichs. Die harten Winter und die Schrecken des Krieges brachten Elend über die Bevölkerung. Es herrschten Hungersnöte und Knappheit an vielen Materialien. Auch die nachfolgenden Jahre brachten keine Besserung, denn auch hier waren die Inflation und eine hohe Arbeitslosigkeit bei niedrigem Arbeitslohn im Zuge der Weltwirtschaftskrise nur allzu deutlich zu spüren.

Mit den Nationalsozialisten an der Macht gelangte das Dorf zu neuem Wohlstand. Es gab keine Arbeitslosigkeit und neue Einfamilienhäuser konnten gebaut werden. Die Ernüchterung kam allerdings mit dem Zweiten Weltkrieg. Wie viele Urbicher an Hunger, Not, Elend, Verletzungen oder Krankheit gestorben sind, konnte nie festgestellt werden. Auch diesmal war die Nachkriegszeit durch Hunger, Kleidungs- und Brennstoffmangel geprägt. Die Felder hatten große Teile ihrer Fruchtbarkeit eingebüßt und das Vieh war verendet.

Als eine Folge der Bodenreform wurde 1948 eine große Maschinen-Ausleih-Station (MAS) in Urbich gegründet, die den neu entstanden kleinen landwirtschaftlichen Betrieben das Ausleihen von landwirtschaftlichen Geräten ermöglichte.

1952 schlossen sich Büßleben und Urbich zu einer Verwaltungsgemeinde zusammen. Im Folgenden verbesserte sich die Strom- und Wasserversorgung; Straßen und Plätzen wurden erneuert, Einkaufsmöglichkeiten und Arztpraxen eingerichtet. Erst durch die politischen Ereignisse der Jahre 1989/90 konnte Urbich richtig aufblühen. Haushalte wurden an die Trinkwasserversorgung angeschlossen, Gas, Fernsehkabel und Strom wurden verlegt, Straßen ausgebessert, Verbindungen gebaut, die Turnhalle in Urbich bekam eine Gasheizungsanlage und das Sportplatzgebäude eine Ölheizung. Urbich wurde als Wohngegend für Städter oder Zuwanderer interessant. Dort und in Büßleben entstanden 3 Wohngebiete: "Hinter der Alten Schule", "Über den Krautländern" und "Unterm Pfaffenberg". 1994 wurde das Dorf, entgegen dem Willen der Urbicher, nach Erfurt eingemeindet.

Zehn Jahre später trennte sich Urbich mit 1162 Einwohnern wieder von Büßleben und ist nunmehr ein eigenständiger Ortsteil von Erfurt. Währenddessen konnte das Dorf im Zuge eines Dorferneuerungsprogramms seit dem 1. Januar 2006 durch andauernde Neubauten, Sanierungen und Verbesserungen weiter verschönert und modernisiert werden.