Ortsteil: Azmannsdorf

Inhaltsverzeichnis

Kontakt

Frank Wenzel
Ortsteilbürgermeister
work
Kirchstraße 6
99098 Erfurt

Kirchstraße 6, 99098 Erfurt

Sprechzeiten der Ortsteilverwaltung

jeden 1. und 3. Montag im Monat von 16:00 bis 17:00 Uhr

Heeger
Ortsteilbetreuerin
work
Rumpelgasse 1
99084 Erfurt

Sprechzeiten der Ortsteilbetreuung

jeden 1. Montag im Monat von 16:00 bis 17:00 Uhr

Geschichte

Erstmals wurde das Dorf am 18. Mai 876 als "Atamannestorp" urkundlich erwähnt. Die wenigen archäologischen Funde und schriftlichen Aufzeichnungen lassen jedoch eine frühere Besiedlung des Gebietes vermuten, geben aber keine genaue Auskunft darüber. Bei Brunnenausgrabungen in Azmannsdorf, Anfang der 30er Jahre fand man ein Bronzebeil und Scherben. Dies lässt auf eine Besiedlung des Landes seit der Bronzezeit (800-1200) schließen.

Eine dichtere schriftliche Überlieferung gibt es für Azmannsdorf erst ab dem 14. Jahrhundert, rund 5 Jahrhunderte nach der urkundlichen Ersterwähnung im 9. Jahrhundert. Azmannsdorf gilt bis dahin als mainzisch-erzbischöfliches Lehen der Grafen von Kirchberg. Als diese ohne Erben 1320 verstarben, fiel das kleine Dorf in den Besitz des Erzbischofs von Mainz zurück. Dieser belehnte 1356 die Stadt Erfurt mit Azmannsdorf, die es ihrem umfangreichen Landgebiet zuschlug. 1664 kam die Stadt Erfurt und somit auch Azmannsdorf, unter die rigide Herrschaft von Kurfürst Johann Phillip von Mainz und wurde kurmainzisch. 1706 führte eine Verwaltungsreform der kurmainzischen Regierung, durch Phillip Wilhelm Reichsgraf von Boineburg, in Erfurt zur Gliederung des Landgebietes in neun Ämter. Azmannsdorf wurde daraufhin 1792 Sitz der Amtsverwaltung des Amtes Azmannsdorf. Dazu gehörten folgende Dörfer: Azmannsdorf, Hochstedt, Hopfgarten, Kerspleben, Kleinmölsen, Linderbach, Mönchenholzhausen, Ollendorf, Ottstedt, Töttleben, Udestedt, Ulla, Utzberg, Vieselbach und Niederzimmern. 1802 fielen Erfurt und dessen Landgebiet für vier Jahre der preußischen Krone zu. Nach der verlorenen Schlacht von Jena und Auerstedt begann 1806 die Napoleonische Fremdherrschaft. In der Folge der Neuaufteilung Europas durch den Wiener Kongress kam das Amt Azmannsdorf 1815 zum Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. Das bisherige Amt Azmannsdorf ging 1818 im neugebildeten Amt Vieselbach auf. Azmannsdorf war nun sachsen-weimarisch und blieb es bis zum Ende des Landesfürstentums im Jahre 1918. Nach der Gründung des Landes Thüringen 1922 wurde Azmannsdorf dem neugegründeten Landkreis Weimar zugeordnet. Erst nach 134-jähriger Zugehörigkeit zu Weimar kam es durch die Gebietsreform der DDR zum Kreis Erfurt-Land im Bezirk Erfurt. 1974 erfolgte der Zusammenschluss von Azmannsdorf und Linderbach. Am 1. Juli 1994 wurde Azmannsdorf nach Erfurt eingemeindet. Laut Entscheid des Landesverwaltungsgerichtes erfolgte im Dezember 1999 die Trennung der Ortschaft Linderbach-Azmannsdorf wieder in selbstständige Ortsteile.

Die Landwirtschaft prägte Azmannsdorf und dessen Entwicklung. Die fruchtbaren Böden des Gebietes und der ständig wasserführende Linderbach boten die Grundlage für den Anbau von Feld- und Hülsenfrüchten, Obst und Wein. Der Waidanbau und -handel im 14. Jahrhundert brachte Wohlstand in die Thüringer Dörfer, so auch nach Azmannsdorf. Von den 460 ha Land in Azmannsdorf wurden 160 ha für Waid genutzt. Der Anbau war im Wechsel mit Getreide möglich. Selbst als Kuh- und Schafweide konnte der mit Waid bestellte Acker genutzt werden, da die Blätter des Waids ungenießbar waren und nur das Unkraut gefressen wurde. In Azmannsdorf konzentrierten sich die Waidbauern ausschließlich auf die Herstellung eines Halbfabrikates. Die faustgroßen, aus halb zerquetschten Blättern zusammengepressten Waidbällchen wurden dann auf dem Waidmarkt in Erfurt zum Verkauf angeboten. Das Waidstroh der gelb blühenden Pflanze wurde zusammengebunden und als Brennstoff benutzt.

Durch die Einfuhr des Indigo ab 1620 ging die Nachfrage nach Waid stark zurück. Nun wurden wieder vermehrt Gemüse und Kräuter angebaut. Der letzte Zeuge dieser Epoche in Azmannsdorf ist der Waidstein vor der Kirche, der heute als Kriegerdenkmal für die im 1. Weltkrieg gefallenen Soldaten dient.

In Azmannsdorf gab es 6 Backhäuser, ein Brauhaus, ein Darrhaus, ein Hirten- und Gemeindehaus und eine Mühle. 1862 wurde das alte Gemeindebackhaus abgerissen und der Backofen in der Gemeindeschenke neu aufgebaut. Er wurde bis 1957 vom Bäcker Tetenborn und den Einwohnern genutzt. Im Darrhaus konnten auf einem beheizbaren Trockengerüst Kernobst und Pflaumen zu Trockenobst und Backpflaumen getrocknet werden. Im Brauhaus brauten die Azmannsdorfer mit Erfurter Malz und verpachteten den Bierausschank zu dem Haus des Pächters. Das Darrhaus ist ebenso wie die alte Schule, das Brauhaus und das alte Spritzenhaus 1862 abgerissen worden, um Raum für eine gemeindeeigene Gaststätte zu schaffen. Azmannsdorf hatte bis in das 20. Jahrhundert hinein eine Windmühle, die von allen Bauern der Umgebung zum Korn mahlen genutzt wurde. Die Mühle befand sich am höchsten Punkt des Ortes und zierte das Dorfbild bis 1969. Im Laufe der nächsten Jahre wurde sie bis auf die Reste, die heute noch zu sehen sind, abgerissen.

Der 67 Fuß hohe Kirchturm der Kirche St. Cyriakus prägt das Ortsbild von Azmannsdorf. Der Bau des 238 Jahre alten Gotteshauses dauerte 2 Jahre und wurde 1771 fertig gestellt. Bis zu diesem Zeitpunkt besuchten die Einwohner die alte Kirche, die 1969 aufgrund ihrer Baufälligkeit und des nassen Bodens abgerissen wurde. Doch viele gut erhaltene Teile, wie zum Beispiel die Eingangstür mit dem Schnitzwerk aus dem Jahr 1635 oder das Vortragekreuz von 1660, wurden mit in die neue Kirche übernommen. Mit dem Neubau der Kirche wurde ein neuer Friedhof um die Kirche angelegt und die gut erhaltenen Grabsteine erhielten dort einen neuen Platz, um an die Vergangenheit des Ortes zu erinnern.

Wie die Kirche trug auch die Schule und der Kindergarten zum gemeinschaftlichen Leben des Ortes bei. Die alte Schule wurde erstmals 1665 in der Chronik von Azmannsdorf erwähnt. Bis in das 19. Jahrhundert gibt es leider keine weiteren genauen Aufzeichnungen. 1863 wurde die alte Schule abgerissen und im Bereich der Kirchstraße eine neue Schule errichtet.

Briefe aus dem Jahr 1945 zeigen, dass sich die Situation der Schule sehr verschlechtert hatte. Aus einem Schreiben vom 25.04.1946 des damaligen Bürgermeisters an den Herrn Landrat geht hervor, dass in Azmannsdorf seit dem Kriegsende kein Unterricht mehr stattfand. Und das dies umso bedauerlicher war, weil über 100 Kinder Flüchtlingskinder waren. Der Bürgermeister bat darum, dass die Lehrerin von Linderbach abwechselnd Unterricht in Linderbach und Azmannsdorf halten sollte. Der Landrat lehnte diese Bitte ab, da Linderbach zu dieser Zeit selbst 135 schulpflichtige Kinder in der Gemeinde hatte. Kurz darauf wurden erstmals Lehrerinnen in der Azmannsdorfer Schule eingestellt. Um die Eltern zu entlasten, wurde 1961 ein Schulhort eröffnet und 1965 die Schulspeisung eingerichtet. 1987/88 erfolgte die Auflösung der Schule und das Gebäude wurde von dem 1951 gegründeten Kindergarten übernommen. Doch die Zahl der zu betreuenden Kinder nahm im Laufe der Zeit stark ab, von 23 (1956) auf nur noch 5 Kinder (1995). Somit wurde der Kindergarten 1995 geschlossen. Das Gebäude wurde saniert und wird heute als Jugendclub des Ortsteiles Azmannsdorf genutzt.

Heute hat das Dorf 360 Einwohner, 182 Männer und 178 Frauen. Doch diese Zahlen schwankten durch die politischen und gesellschaftlichen Ereignisse in den letzten Jahrhunderten stark. Die Verbesserung der Wirtschaftslage im Mittelalter durch den Waidanbau und -handel führte zu einer verstärkten Ansiedlung von Tagelöhnern. Im 17. Jahrhundert führte der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) und die Pest (1626) zu einer Halbierung der Einwohnerzahlen von 262 (1625) auf 129 (1667). Die Kriegsschäden in der Stadt und auf dem Land waren bedrückend. Viele Häuser waren zerstört und das Hab und Gut der Bewohner wurde geplündert. Vor dem Krieg gab es in Azmannsdorf 70 Häuser, 1667 waren es nur noch 30. Ab diesem Zeitpunkt ging es dann langsam aufwärts und die Zahl der Einwohner stieg bis zum Jahr 1706 auf 227. Im Frühjahr 1813 wurden Azmannsdorf und die umliegenden Dörfer vom Nervenfieber und der Pest heimgesucht. Und die Bevölkerung sank wieder. Den großen Einschnitt erfuhr das Dorf während des 1. und 2. Weltkrieges. 6 Männer mussten im 1. Weltkrieg und 16 im 2. Weltkrieg ihr Leben lassen. Einen Aufschwung erfuhr es nach dem Kriegsende. Bis zum Jahr 1960 stiegen die Einwohnerzahlen, v.a. durch Umsiedler, auf 511 an. Durch die politische Wende 1989/90 sank diese Zahl wieder auf 363 und blieb bis heute in diesem Bereich.

Das kulturelle und sportliche Leben im Ort wird besonders durch die Aktivitäten des Heimatvereins, des Sportvereins und der Ortsgruppe der Feuerwehr geprägt.