Blick in die Tiefen des Thüringer Beckens: Universität Jena beginnt Forschungsbohrung im Erfurter Norden

24.06.2013 14:30

Geowissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena haben heute auf einem Industriegrundstück im Norden Erfurts mit einer Forschungsbohrung begonnen, die bis in rund 1.200 Meter Tiefe führen soll.

Bohrturm und Arbeiter mit Schutzhelmen.
Foto: Etwa drei Monate wird die 31 Meter hohe Bohranlage im Einsatz sein. Nach dem Rückbau wird auf dem Gelände nur ein Messcontainer über dem Bohrloch verbleiben. Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Die Bohrung ist Herzstück des Verbundprojekts "Integrierte Fluiddynamik in Sedimentbecken - INFLUINS", das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Freistaat Thüringen gefördert wird. Dabei untersuchen Jenaer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einem strategischen Bündnis aus Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Landes- und Bundesbehörden sowie regionalen Unternehmen die oberflächennahen und tiefen Flüssigkeitsströme im Thüringer Becken.

Dass sich die Forscher dafür ausgerechnet einen Platz in Erfurt ausgesucht haben, ist kein Zufall: Erfurt liegt im Zentrum des Thüringer Beckens, wo die vollständige Sedimentabfolge durchbohrt werden kann. "Außerdem treffen wir hier genau auf die regionale Grundwasserfließrichtung", so Projektsprecher Prof. Dr. Kai Uwe Totsche.

In mehreren Etappen wird der Bohrer die Sedimentschichten des Thüringer Beckens durchbohren. In 310, 520 und in mehr als 800 Metern Tiefe wird er einen Zwischenstopp einlegen: "Dort befinden sich die wesentlichen wasserführenden Schichten, die Aquifere", erklärt Totsche. Hier werden die Wissenschaftler Grundwasserproben entnehmen und abschnittsweise geophysikalische Messungen im Bohrloch durchführen.

"Davon erhoffen wir uns neue Erkenntnisse zu Grundwasserströmen, zum Temperaturverlauf in der Tiefe und zu mikrobiellen Bestandteilen - dem Leben im Untergrund", erläutert Projektleiterin Prof. Dr. Nina Kukowski. Darüber hinaus werden die Forscher aus verschiedenen Tiefen Bohrkerne gewinnen, um Einblick in die geologische Entwicklung des Thüringer Beckens zu erhalten.

Bei der Planung der Bohrarbeiten wurde auf die Einhaltung umfangreicher rechtlicher Rahmenbedingungen geachtet. Die Bohrung wurde vom Thüringer Landesbergamt, weiteren Fachbehörden und der Stadt Erfurt geprüft und genehmigt. Wichtig waren hierbei die geologischen Gegebenheiten, die technische Durchführung der Bohrung, Natur- und Lärmschutz sowie Trinkwassersicherheit.

Am 13.07.2013 lädt das INFLUINS-Team von 11-16 Uhr zu einem "Tag der offenen Bohrung" ein: Dann haben alle geologisch Interessierten die Gelegenheit, sich selbst einen Eindruck über die Forschungsarbeiten vor Ort zu verschaffen. Nach vorheriger Anmeldung können sich die Besucher in einer Führung über die Geschehnisse am Bohrplatz informieren.