Alle Notunterkünfte in Erfurt sind freigezogen

15.08.2023 11:55

Die Schulsporthallen in Gispersleben und an der Berliner Straße, die fast ein Jahr lang zur Unterbringung von Flüchtlingen aus der Ukraine als Notunterkunft genutzt wurden, sind in den vergangenen Wochen freigezogen worden. Die beiden Hallen stehen damit dem Schul- und Vereinssport wieder zur Verfügung. Die Stadtverwaltung zieht Bilanz.

Turnhallen sollen nach den Ferien wieder komplett für den Sport offenstehen

Foto: Oberbürgermeister Andreas Bausewein, Sozialdezernentin Anke Hofmann-Domke und Förderzentrum-Schulleiterin Susanne Schacht (von rechts) stellten sich den Fragen der Medien. Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Die Stadtverwaltung hat die Verträge mit dem Ibis-Budget Hotel am Urbicher Kreuz und dem Airport-Hotel unterzeichnet. Im Ibis-Hotel sind am 7. August 2023 die ersten Menschen eingezogen. Das Airport-Hotel soll ab Anfang Oktober 2023 bezogen werden. Gleichzeitig wurden die beiden letzten Schulsporthallen wieder für ihren eigentlichen Zweck ertüchtigt.

Die Sportvereine fieberten dem Termin entgegen, ab dem die Turnhallen wieder für sie nutzbar sind. Lange mussten Ersatzlösungen, meist im Freien, gefunden werden oder Trainingszeiten ausfallen. Ebenso freuen sich aber auch die betroffenen Schulen über die Rückgabe der Hallen. „Die Zahl der Ausfallstunden im Sport ist enorm hoch gewesen. Viele der Schulsporthallen sind Zweifeld- oder gar Dreifeld-Hallen und werden daher in der Regel immer von zwei oder drei Klassen parallel genutzt. Dazu kommt auch, dass wir die bestehenden Sporthallen und Sportplätze so sehr ausgebucht und genutzt haben, dass wir damit die Vereine und ihre Angebote eingeschränkt haben“, erklärt Bildungsdezernentin Anke Hofmann-Domke.

Insgesamt fielen in der Zeit, als fünf Schulsporthallen als Notunterkünfte genutzt wurden, 4.970 Wochenstunden Schulsport aus. Davon entfielen 1.065 Stunden auf die Turnhalle an der Berliner Straße, die vom 25. März 2022 bis dato als Notunterkunft genutzt wurde. Davon betroffen waren das Förderzentrum Nord „Emil Kannegießer“, die Gemeinschaftsschule 10 (ehem. GS 27 Berliner Platz und RS 5 „Otto Lilienthal“ und die Regenbogenschule. Kompensieren konnten die drei Schulen durch Ausweichangebote zusammen lediglich 370 Wochenstunden.

Dies sei natürlich keine schöne Situation gewesen. „Das Sachgebiet Schulorganisation hat eine tolle Arbeit geleistet und hatte aber zur Lösung von Problemen sehr verlässliche Partner, die im Rahmen der Möglichkeiten geholfen haben. Dazu gehören Sportvereine, aber auch der Egapark und die Sportfreizeitpädagogen, die im Amt für Bildung ihre gesamte Arbeitsstruktur angepasst haben“, lobt Hofmann-Domke. Mit deren Hilfe konnten mehrere hundert Wochenstunden Schulsport kompensiert werden, die sonst ausgefallen wären. Die größte Veranstaltung waren die Bewegungstage im Egapark, bei der mehrere tausend Erfurter Schüler mit kreativen Angeboten zu Sport und Bewegung motiviert wurden.

Zum Schuljahresbeginn stehen auch die letzten beiden Hallen wieder den jeweiligen Schulen zur Verfügung, wie das Amt für Gebäudemanagement bestätigt. „Wir sind froh, dass nach so langer Zeit die Sporthallen wieder ihrer eigentlichen Bestimmung, dem Schulunterricht und dem Vereinssport zur Verfügung gestellt werden können. Wir hoffen nun, dass eine Nutzung einer solchen Notunterkunft in Zukunft nicht mehr erforderlich sein wird, aber sollte es dennoch der Fall sein, so sind wir dafür gewappnet und könnten wieder kurzfristig reagieren“, sagt Amtsleiter Arne Ott.

„Die Stadt Erfurt hat seit Beginn des russischen Angriffskrieges mehr als 3.500 Flüchtlinge aufgenommen. Die Unterbringung von Menschen im Kontext von Flucht und Asyl gehört zu den gesetzlichen Pflichtaufgaben der Landeshauptstadt. Dieser sind wir nachgekommen und mussten dafür die Turnhallen als Unterkünfte bereitstellen“, sagt Oberbürgermeister Andreas Bausewein. Seit 2021 kommen wieder deutlich mehr Geflüchtete nach Deutschland. Sie werden nach dem Königsteiner Schlüssel gleichmäßig auf die Bundesländer verteilt. Der Anteil, den ein Bundesland nach diesem Schlüssel tragen muss, richtet sich zu zwei Dritteln nach dem Steueraufkommen und zu einem Drittel nach der Bevölkerungszahl.

Von diesen weist der Freistaat Thüringen einen Anteil von zehn Prozent der Landeshauptstadt Erfurt zur Unterbringung zu. Dies entspricht dem Bevölkerungsanteil Erfurts an der thüringischen Gesamtbevölkerung. Der Freistaat zahlt wiederum der Stadt Erfurt eine Pauschale nach der Thüringer Verordnung über die Kostenerstattung nach dem Thüringer Flüchtlingsaufnahmegesetz (ThürFlüKEVO), um die anfallenden Kosten decken zu können.

„Ich bedanke mich bei allen Beteiligten – bei den Kindern, Eltern, Lehrkräften, Freizeitsportlerinnen und Freizeitsportlern, sozialen Trägern, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung und freiwilligen Helfern – für ihren Einsatz und ihr Durchhaltevermögen. Mit den neuen Gemeinschaftsunterkünften haben wir nun hoffentlich eine zukunftsfähige Lösung gefunden“, betont der Oberbürgermeister.

Eine Sozialbetreuung vor Ort im früheren Ibis-Budget Hotel begleitet unterdessen die Ankunft der Geflüchteten und unterstützt deren Integration in den neuen Unterkünften. Auch für das Airport-Hotel wird es ein solches Angebot im Herbst geben. Freiwillige können den künftigen Bewohnerinnen und Bewohnern auch ehrenamtlich zur Seite stehen. Der Ehrenamtsbeauftragte der Stadt Erfurt nimmt per E-Mail Angebote und Anfragen entgegen. Auch das Amt für Soziales nimmt Anliegen per E-Mail an soziales@erfurt.de oder telefonisch unter 0361 655-6202 entgegen.

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