Beständig über Jahrzehnte

27.10.2017 04:00

Zum Abschluss der Serie „40 Jahre Ausbildung im Garten- und Friedhofsamt“ stellt sich eine junge Auszubildende vor. Gemeinsam im Gespräch mit der Ausbildungsleiterin Birgit Kurowsky werden unterschiedliche Themengebiete der Ausbildung beleuchtet. Außerdem wird erzählt, wie sich sowohl Auszubildende als auch Ausbilderin dem Beruf entgegenstellen und von ihren Erfahrungen und Zukunftswünschen berichten. Das Ziel der jungen Dame ist es Frauen Mut zu machen, sich trotz körperlich schwerer Arbeit für diesen Beruf zu bewerben und ihr Glück zu versuchen, denn auch bei ihr ging es nicht gleich nach der Schule zur Ausbildung.

Eine Auszubildende und ihre Ausbilderin erzählen

Eine junge Frau in Arbeitsklamotten sitzt neben einer rothaarigen älteren Dame im Grünen auf einer Bank.
Foto: Auszubildende und Ausbilderin Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

„Ich heiße Olivia Ernst, bin 22 Jahre alt und wohne seit August letzten Jahres in Erfurt. Ich bin zu dem Beruf gekommen, weil es mit dem Studium nicht ganz so geklappt hat. Es war einfach nicht das, was ich mir vorgestellt habe. Ich habe dann überlegt was mir sonst noch Spaß macht und habe entschieden, dass das Gärtnerische doch etwas für mich ist. Ich habe schon im eigenen Garten sehr viel gemacht, eine komplette Neugestaltung mit allem was dazugehört. Dann habe ich mich im Internet zu dem Beruf belesen und für mich festgelegt: Ich probiere das jetzt einfach mal. Auf der Seite der Stadt Erfurt habe ich gelesen, dass man für das Auswahlverfahren eine Probewoche machen muss. Also bin ich für eine Woche nach Erfurt gekommen und habe dort gesehen, dass dieser Beruf wirklich etwas für mich ist. Ich habe mein Bestes gegeben, auch im schriftlichen Teil, am Ende kam es dann zum Vorstellungsgespräch und es hat irgendwie alles geklappt.“

„Zum Auswahlverfahren: Fanden Sie es schwer oder leicht? Es ging in dieser Woche ja vor allem darum all das kennenzulernen was zum Beruf gehört: Die Praxis, das was zum Bauen gehört oder auch die Pflege der Pflanze. Und wie fanden Sie die Aufgabe, verschiedene Pflanzenkenntnisse zu erlernen und am Freitag wiedergeben zu müssen?“

„Naja, am Anfang dachte ich mir ‚Oh Gott, 20 Pflanzen mit ihren botanischen Namen lernen, ob ich das hinbekomme in den paar Tagen?‘, aber ich muss sagen, wenn man sich damit beschäftigt und sich das Lernen einteilt kriegt man das eigentlich gut hin. Auch das Praktische war gut, allein das Pflastern; Ich habe zum ersten Mal überhaupt gepflastert.“

„Und es hat gleich gut geklappt.“

„Ja, es wurde alles ordentlich erklärt, es hat funktioniert und wenn etwas nicht gestimmt hat, dann hat man es eben noch mal neu gemacht bis es dann irgendwann hingehauen hat. Der Test an sich war auch nicht sehr schwer, es hat einiges mit Allgemeinwissen und auch Mathe zu tun, was eben dazugehört.“

„Ein bisschen gärtnerisches Wissen, was man schon mal gehört hat, Pflanzen die man kennt oder auch allgemeine Sachen.“

„Genau.“

„Und wie ist das mit dem Beruf insgesamt? Man hat sich zwar vorher damit beschäftigt was alles dazugehört und es ist ja auch erstaunlich, wie vielfältig das ist. Es war ja damals auch meine Entscheidung für den Beruf, ich habe selbst hier gelernt im ehemals VEB Grünanlagen. Damals waren wir noch Magistrat der Stadt und es war ja damals auch schon erstaunlich, dass sich sowohl alles um die Pflanze, als auch um das Bauen dreht. Das Wissen konnte ich auch bisher gut ausnutzen für mich und mein Leben. Ich habe jede Menge privat gebaut, gepflastert, gemacht was ich alles nicht hätte machen können, wenn ich den Beruf hier nicht gelernt hätte.“

„Das sehe ich eben auch so, dass man nicht nur die grüne Seite hat mit den Pflanzen, sondern auch die „graue Seite“, also das Bauliche, dass man eben auch Wege pflastert.“

„Also eine komplette Grünanlage von A-Z, von Anfang bis Ende, von der Planung und Vermessung und dem Wegebau, ob es dann ein Spielplatz wird oder Mauern oder Hochbeete oder Treppenanlagen, also alles was dazugehört. Eben diese Vielfältigkeit ist ja das Interessante. Und dann eben die Pflanze, am Ende zu wissen was pflanze ich in den Schatten, was pflanze ich in die Sonne, wie hoch werden die Pflanzen, was passt gut zusammen, auch witterungstechnisch, welche Pflanzen unterdrücken oder fördern sich gegenseitig und so weiter. Also das ist schon alles sehr interessant wenn man das weiß und auch in der Praxis einsetzen kann. Und man muss ehrlich sein: Hat man das einmal gelernt wird man sein ganzes Leben lang darauf angesprochen, von Bekannten und Verwandten: „Na du hast das doch gelernt, du weißt das doch, erzähl doch mal“ und dann muss man hoffen, dass es einem auch in dem Moment wirklich einfällt oder man sagt einfach: „Ach, ich lese mir das noch mal in einem Fachbuch durch und melde mich dann noch mal und sag‘ Bescheid.“

Ach, ich habe ich ja selbst gar nicht vorgestellt! Mein Name ist Birgit Kurowsky, ich bin hier im Garten- und Friedhofsamt die Ausbildungsleiterin, mache das seit zehn Jahren, habe wie  schon gesagt selbst hier gelernt. Das ist schon etwas länger her, ungefähr 35 Jahre. Ich habe dann meinen Gartenbauingenieur gemacht, bin auch gleich als Lehrmeister tätig gewesen. Zwischendurch gab es dann kleine Unterbrechungen, habe Kinder bekommen - zwei Mädels - und habe jetzt seit zehn Jahren die Ausbildungsleitung unternommen, weil ja die Frau Schüssling, die das vorher gemacht hat, in Rente gegangen ist. Seitdem versuchen wir weiterhin jedes Jahr gemeinsam gute Abschlüsse zu erzielen, versuchen auch möglichst viel Hilfe anzubieten. Natürlich gibt es ein oder zwei schwarze Schafe, bei denen das leider nicht klappt, aber auch wir versuchen das Beste zu geben.

Wie sieht es denn mit Ihren Zukunftsplänen aus Frau Ernst? Was möchten Sie machen, wenn Sie fertig sind bei uns?“

„Auf jeden Fall ist mein erstes Ziel hier einen guten Abschluss zu machen und dann hoffentlich auch übernommen zu werden. Danach mal schauen, erstmal definitiv ein paar Jahre arbeiten aber was dann kommt.... Ob ich noch mal studiere oder ob ich meinen Meister mache, oder oder oder. Das kann alles noch kommen, aber jetzt will ich erstmal hier aufpassen und alles gut machen.“

„Genau, man weiß eh noch nicht wie sich das alles entwickelt, aber das klingt doch sehr vielversprechend! Jetzt bedanke ich mich erstmal rechtherzlich bei Ihnen für das nette Gespräch und wünsche Ihnen noch weiterhin eine erfolgreiche Ausbildung.“