Ortsteil: Gispersleben

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Geschichte

Gispersleben-Kiliani

Der am 1. Juli 1950 nach Erfurt eingemeindete Ort Gispersleben-Kiliani liegt nordwestlich der Stadt auf dem Westufer der Gera.

Als Gisbotisleyben erscheint er im Jahre 1143, als Gispersleubin in einer Papsturkunde von 1223, als Gispersloubin in der Verbindung zu dem Schultheißen Heinrico Ritter (1290) und in der Folge als Gizpotesleyben, Gisperszlouben, Gysbotisleybin, Gysperschleybin, Grisspoldesleiben. Obwohl Gispersleben-Kiliani und Gispersleben-Viti schon im 12. und 13. Jahrhundert zwei getrennte Ortschaften waren, unterscheiden die schriftlichen Überlieferungen erst seit dem Ende des 13. Jahrhunderts die beiden Gemeinden.

Die Eigentumsverhältnisse sind nicht klar erkennbar. Teile des Ortes gehörten den Erzbischöfen von Mainz, andere vermutlich den Landgrafen von Thüringen, später ihren Rechtsnachfolgern, den Wettinern.

Den größten Teil des Ortes hatten die Grafen von Gleichen als Lehn inne; die Lehnsträger wechselten oft. So verkauften die Grafen die Hälfte des Ortes 1290 an die Erfurter Bürger Gotschalk Marktmeister von Hugo Lange. Ihre Anteile kamen an die Familien von Milwitz, von der Sachsen und Reinboth. 1543, 1571 und 1586 den Utzerbergischen Ortsteil.

Den nicht zum gleichenschen Lehn gehörigen Teil des Ortes besaß das Stephansstift zu Mainz. Im Jahre 1466 überließ es ihn wiederkäuflich dem Domstift in Erfurt, 1519 dem Severistift und 1593 dem Rat der Stadt Erfurt, der damit über den ganzen Ort verfügte.

Bei der Beilegung eines Streites zwischen dem Stephansstift und den Milwirt-Utzberg wurde 1516 – 1519 festgelegt, dass dem Stephansstift die Hälfte der örtlichen Rechte zustehe. Die Milwitze sollten den Vogt, das Stephansstift den Schultheiß einsetzen. Alle Gerichte waren geteilt. Als 1532 der Rat den utzbergschen Anteil für 3500 rheinische Gulden erworben hatte, kam es erneut zu Differenzen. Im Jahre 1532 vereinbarten die drei Beteiligten, der Rat, die Milwitze und das Severistift unter anderem, alle Gerichte gemeinsam zu hegen (gespeltes Gericht).

1733 brannte ein großer Teil von Gispersleben-Kiliani ab.

Die Gemeindeverwaltung entwickelte, im Gegensatz zu den anderen Landgemeinden, einen beachtlichen Unternehmungsgeist. 1738 erwarb sie die Obermühle, richtete sie als Papierfabrik ein und betrieb sie auf eigene Rechnung. Der sehr rührige Oberheimbürge Amtmann Kästner ließ von 1792 bis 1800 54 Acker fast ertragsloses und zum Teil versumpftes Gemeindeland urbar machen und dort Obstpflanzungen anlegen. Außerdem veranlasste er die Anpflanzung des sich an der Gera entlangziehenden Parkes.

Infolge der Ausdehnung der Stadt Erfurt nach Norden nahm Gispersleben-Kiliani seit 1900 mehr und mehr den Charakter einer Vorortgemeinde an. Auch verschiedene kleine Industrien waren bodenständig geworden (Senffabrik, Konservenfabrik) Um 1901 entstand ein Kraftwerk, das spätere Großkraftwerk Thüringen.

Der Ort zählte 1793 = 338, 1815 = ca. 250 (1813/14 waren 80 Einwohner an Ruhr gestorben) 1841 = 529, 1895 = 920, 1949 = 2261 Einwohner.

Gispersleben–Viti

Der am 1. Juli 1950 ebenfalls nach Erfurt eingemeindete Ort liegt nordwestlich der Stadt auf dem Ostufer der Gera. Er ist auf prähistorischem Siedlungsboden entstanden. Zahlreiche Funde sind aus der unmittelbaren Nähe des Dorfes und von dem benachbarten Roten Berg bekannt.

Auf Gispersleben-Viti treffen die Ausführungen im ersten Abschnitt des Überblickes zu Gispersleben-Kiliani zu. Viti wird erstmalig als solches 1319 bezeichnet, que vocatur ad sanctum Vitum.

Die Träger der Lehnsherrschaft sind für die frühe Zeit nicht klar erkennbar. Mit einiger Sicherheit darf angenommen werden, dass der Ort ursprünglich den landgrafen von Thüringen gehörte, dann aber unzweifelhaft den Wettinern. Die Lehnverhältnisse sind verwickelt, Urkunden und Akten ergeben nur ein lückenhaftes Bild. Für drei Achtel des Dorfes und der Flur waren die Grafen von Gleichen Lehnsträger. Im Jahre 1344 kaufte der Rat zu Erfurt von Rudolf von Lublin einen Teil des Ortes. Busso von Schlotheim belehnte den Erfurter Rat 1355 mit der Vogtei und einem Teil des Gerichts. 1495 verkaufte Heinrich Kellner ein Achtel des Gerichts über Hals und Hand an die Stadt Erfurt. Die Hälfte des Gerichts und einen Teil des Ortes besaßen seit 1484 Dietrich von Harras und Hartung Gernordt, später die Harras allein. Dieser Besitz ging im Jahre 1500 an den Rat zu Erfurt über. Einen weiteren Teil des Ortes erwarb er vor 1516 von Dietrich Ameling und Gerlach von der Marthen. Rechte an Gispersleben-Viti hatten auch das Severikapitel zu Erfurt und das Viktorstift zu Mainz; Näheres ist darüber nicht bekannt. Um 1516 muss dem Rat zu Erfurt der gesamte Ort gehört haben.

Die Kirche ist nach 1726 erbaut, der gotische Turm gehört aber einer wesentlich früheren Bauperiode an. Infolge der Ausweitung der Stadt Erfurt nach Norden nahm Gispersleben-Viti dann aber mehr und mehr Charakter einer Vorortgemeinde an. Aber auch eine Reihe von Industrieunternehmen wurden neben einer schon bestehenden Ziegelei nach 1901 ansässig; ein Eisenwerk ( 1907), eine chemische Fabrik, zwei Stuhlfabriken, eine Konservenfabrik (1926).

Der Ort zählte 1793 = 338, 1815 = ca. 295 (1813/14 waren 76 Einwohner an Ruhr gestorben) 1841 = 460, 1895 = 806, 1949 = 2608 Einwohner.

Wie bereits erwähnt ist Gispersleben seit 1950 ein Teil der heutigen Landeshauptstadt Erfurt. Über 4 000 Einwohner leben hier auf einer Fläche von 1 012 Hektar. Durch Gispersleben schlängelt sich von Süden nach Norden die Gera, die aus dem Thüringer Wald kommt und hinter Gebesee in die Unstrut mündet. Der schöne Park, aber auch die Straßen und Gassen Gisperslebens werden gern von Spaziergängern und Radfahrern genutzt. Die Gastfreundschaft Gisperslebens kommt nicht zuletzt im Vorhandensein vieler Restaurants und Eisdielen zum Ausdruck.

Gispersleben ist mit dem Auto über die B 4 (Richtung Nordhausen) und über die neue A 71 (Gisperslebener Kreuz) zu erreichen. Außerdem verkehrt die Bahn und die Stadtbuslinien 10 und 15 durch den Ort und es besteht eine Anbindung an die Straßenbahnlinie 3.