5. Etappe Tour de Bildung: Die Stadt- und Regionalbibliothek

04.05.2011 08:00

An die Stadt- und Regionalbibliothek am Domplatz kann ich mich nur noch ganz dunkel erinnern. Ich weiß noch, dass ich einmal über siebzig D-Mark bezahlen musste, weil ich einen Stapel CDs nicht rechtzeitig zurückgegeben hatte. Seit fast zehn Jahren war ich nicht mehr dort gewesen. "Das ist eine ganz normale Entwicklung", meint Bibliotheksdirektor Dr. Eberhard Kusber im Gespräch.

Textreportage

An die Stadt- und Regionalbibliothek am Domplatz kann ich mich nur noch ganz dunkel erinnern. Ich weiß noch, dass ich einmal über siebzig D-Mark bezahlen musste, weil ich einen Stapel CDs nicht rechtzeitig zurückgegeben hatte. Seit fast zehn Jahren war ich nicht mehr dort gewesen. "Das ist eine ganz normale Entwicklung", meint Bibliotheksdirektor Dr. Eberhard Kusber im Gespräch. "In den verschiedenen Lebensphasen richten sich die Interessen neu aus. Während des Studiums ist natürlich die Universitätsbibliothek viel wichtiger. Die Stadtbibliothek kommt häufig dann wieder ins Spiel, wenn es um Familiengründung geht und Informationen zu Kinderpflege oder Erziehungsfragen benötigt werden." Eberhard Kusber studierte Ägyptologie, Religionswissenschaft und Philosophie in Heidelberg und Tübingen, arbeitete dann in der süddeutschen Kleinstadt Oberkirch als Kulturreferent und kam schließlich 2009 nach Erfurt, wie er erzählt. "Das Reizvolle an der Erfurter Stadtbibliothek ist zum einen ihre Geschichte und zum anderen die Vielfalt des Angebotes. Von mittelalterlichen Handschriften über eine reiche DDR-Literatur bis hin zu CDs und DVDs oder aktuellen Bestsellern ist hier alles zu finden. Wir haben insgesamt circa 500.000 Medieneinheiten in unserem Katalog, nur die Hälfte davon ist als Freihandbestand sichtbar." Nicht ohne Stolz verweist er auf die Kinder- und Jugendbibliothek in der Marktstraße, die 2010 nach einer aufwendigen Renovierung wiedereröffnet wurde.

Dort angekommen führt uns Bibliothekarin Sabine Arndt durch das historische Haus. Farbenfrohe Designermöbel, viel Licht und Raum prägen die neue Innenarchitektur. Sogar einen Kickertisch und Sessel mit integrierten Lautsprechern, in denen man Hörbücher oder Musik hören kann gibt es. "Wir legen Wert darauf, dass die Kinder nicht nur zum Ausleihen kommen, sondern sich hier im Haus auch gerne aufhalten", sagt Sabine Arndt. "Wir haben viele Veranstaltungen im Programm. Vormittags kommen Kindergartengruppen oder Schulklassen zu Bibliotheksführungen, Quiz oder Lesungen. Einmal im Jahr veranstalten wir gemeinsam mit der Buchhandlung Peterknecht die Kinderbuchtage. Diesmal hatten wir zehn Autorenlesungen im Programm - vom Fantasy- und Liebesroman bis hin zum Krimi. Die Kinder waren begeistert."

Aber nicht nur Kinder und Jugendliche will die Stadt- und Regionalbibliothek ansprechen. Ein Ort für alle soll es sein, so Dr. Eberhard Kusber. Ob die Bibliothek nicht zunehmend durch das Internet ins Abseits gedrängt wird, frage ich ihn. "Viele Informationen muss man sich im Netz mühsam zusammensuchen und hat dann meist trotzdem noch ein unvollständiges Bild. In der Bibliothek kann man nachfragen und wird bei der Recherche von Fachleuten unterstützt. Das kann das Internet nicht leisten. Deshalb ist gerade die soziale Funktion der Bibliothek ist nicht zu unterschätzen. Meine Vision ist, die Bibliothek als Wohlfühlort und Erlebnisraum zu etablieren. Am Domplatz planen wir im Herbst ein Bibliothekscafé einzurichten, das mit einer ganz eigenen Atmosphäre dazu beitragen soll."