Haushaltsplan 2009: Weiterentwicklung der Erfurter Grundschule zu offenen Ganztagsschulen

Seit dem 1. April 2008 nimmt die Stadt Erfurt am Modellprojekt "Weiterentwicklung der Thüringer Grundschule" teil, welches zurzeit in vier weiteren Thüringer Landkreisen durchgeführt wird. In einer vierjährigen Erprobungsphase werden im Rahmen des Projekts alle 29 Erfurter Grundschulen durch die Verknüpfung von Unterricht und Hort in offene Ganztagsgrundschulen umgewandelt.

Das Amt für Bildung als kommunaler Schulträger der Grundschulen erarbeitete in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Schulamt Erfurt im Vorfeld des Modellprojekts gemeinsame Leitlinien, die die Basis für eine entsprechende Umgestaltung der jeweiligen Schulkonzepte lieferten. Mit der angestrebten Neustrukturierung stellt sich die Stadt Erfurt ihrer gesellschaftlichen Verantwortung und unterstützt mit der Erweiterung des zeitlichen Betreuungsrahmens eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Balkendiagramm mit X-Achse: Schuljahr 2001/02 bis 2007/08 und Y-Achse: Anzahl Kinder
Grafik: © Stadtverwaltung Erfurt

Durch die Besetzung von 90 Arbeitsplätzen im Betreuungsbereich zum Beginn des Schuljahres 2008/2009 und dem Hinzuziehen von weiteren externen Fachkräften auf Honorarbasis soll jedoch nicht nur die Ganztagsbetreuung gewährleistet, sondern vor allem auch eine Sicherstellung und Steigerung der Qualität von Schule erreicht werden.

Balkendiagramm: X-Achse von 2001 bis 2008, Y-Achse: Essenportionen
Grafik: © Stadtverwaltung Erfurt

Die Veränderung der Zeitstruktur des Schultages ermöglicht es, neue Formen der Lernorganisation in die Grundschule zu integrieren und eine Balance zwischen Anspannungs-, wie Entspannungsphasen für alle Schüler herzustellen. Damit verbunden ist ein völlig neues Verständnis des außerunterrichtlichen Betreuungsbereiches, der nicht mehr nur Aufsichtszeit ist, sondern vielmehr als eine zusätzliche Bildungszeit verstanden werden soll.

Tabellarische Aufstellung der Plansumme 2009
Grafik: © Stadtverwaltung Erfurt

Eine wichtige Zielstellung des Modellprojekts in Erfurt ist es deshalb, verschiedenste Bildungsangebote im regionalen Bildungsnetzwerk zu erschließen bzw. auszubauen und diese in der Ganztagsbetreuung entsprechend zu nutzen. Es sollen sowohl individuell herausfordernde Angebote als auch entsprechende Rückzugsmöglichkeiten für alle Schülerinnen und Schüler gegeben sein. Mit einem solchen, flexibel gestaltbaren Betreuungsangebot kann und soll zukünftig eine soziale Chancengleichheit für alle Grundschüler erreicht werden.

Balkendiagramm: X-Achse Schuljahre von 2008/09 bis 2021/22, Y-Achse: Schülerzahl
Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Der gemeinsame Bildungsauftrag lässt Lehr- und Betreuungspersonal im Kontext der Ganztagsschule noch näher zusammenrücken und eröffnet neue Wege der individuellen und dennoch integrativen Förderung von Schülern. Hier kann auf positive Erfahrungen aus bereits bestehenden Projekten, wie das Durchführen von gemeinsamem Unterricht in allgemeinbildenden Schulen oder der erfolgreichen Zusammenarbeit von Kindergarten und Grundschule im Übergangsprojekt TransKiGS, zurückgegriffen werden. Um ein langfristig funktionales Frühfördersystem in allen Erfurter Grundschulen aufzubauen, wird auch die Begabtenförderung ein weiterhin wichtiger Baustein sein.

Im Rahmen des Modellprojekts ist es der Stadt Erfurt ein großes Anliegen, das Thema Berufsorientierung zukünftig bereits in der Grundschule zu thematisieren. Die oftmals scharfen Abgrenzungen zwischen Schule und Berufsbildung sollen aufgebrochen werden. Grundschulkinder sollen dadurch schon frühzeitig darin unterstützt werden, ihre Fähigkeiten und Interessen zu entdecken, wenn sie mit den verschiedenen Themenfeldern der Berufswelt in Kontakt kommen. "Durch ein frühes Kennerlernen von verschiedenen Berufsfeldern möchten wir Kindern schon in der Grundschule berufsnahe Erfahrungen ermöglichen und damit der zunehmenden Tendenz entgegen wirken, nach der Jugendliche bei ihrer Berufswahl kaum eine Vorstellung besitzen, was sie in den verschiedenen Berufen erwartet", formuliert Amtsleiter Dr. Werner Ungewiß das Vorhaben. Deshalb werden zukünftig gezielt Berührungspunkte zwischen Schule und Beruf geschaffen, die die verschiedensten Arbeitsfelder für Kinder aktiv erlebbar machen.

 

Exemplarisch für dieses Vorhaben ist die Kooperation des Amts für Bildung mit der Erfurter Feuerwehr. Altersgerecht aufgearbeitet erfahren Kinder, welche Aufgaben ein Mitarbeiter der Feuerwehr zu erfüllen hat. Sie können eine Feuerwache besuchen und dürfen während des Brandschutztrainings auch selbst Hand anlegen und sich als kleine Feuerwehrmänner und -frauen versuchen. Auch der Thüringer Zoopark Erfurt unterstützt mit Bildungsangeboten, die das Kennenlernen und den Kontakt zu verschiedenen Tieren ermöglichen und weitere Einblicke in das Berufsfeld Tierpflege bieten. Verlässliche Partner in der Region sind auch die Erfurter Malschule, die Schülerakademie, die Musikschule und das Theater Erfurt sowie die Stadt- und Regionalbibliothek und die Erfurter Polizei.

Ein wichtiger Schwerpunkt im Umgestaltungsprozess zur Ganztagsgrundschule ist die Förderung von Generationen übergreifendem Lernen. Alter und älter werden ist ein Thema, das alle etwas angeht und mit dem man sich im Laufe seines Lebens früher oder später auseinander setzen muss. Dabei geht es nicht ausschließlich darum, den Kontakt zwischen den Generationen herzustellen, sondern auch um die gemeinsame Gestaltung des Bildungsprozesses durch und mit Jung und Alt, bei der alle Beteiligten voneinander lernen können. Neben bereits bestehenden Patenschaften von Senioren und Erfurter Grundschulklassen im Rahmen des Projekts "Lesepatenschaften" zielt die intergenerative Förderung vor allem auf den Ausbau diverser Kooperationen des Seniorenkompetenzzentrums Erfurt mit den Erfurter Ganztagsgrundschulen.