Marlene Dietrich. Die Diva. Ihre Haltung. Und die Nazis.

09.11.2019 10:00 – 12.01.2020 18:00

Die Ausstellung rekonstruiert die ablehnende Haltung des Weltstars Marlene Dietrich zum Nazi-Regime und ihr Verhältnis zu Deutschland über einen Zeitraum von mehr als 60 Jahren anhand zahlreicher Dokumente, Fotos, Presseartikel und Filmmaterialien.

Eine Frau betrachtet eine Ausstellungstafel. Im Hintergrund sind weitere Ausstellungstafeln zu erkennen.
Blick in die Ausstellung "Marlene Dietrich. Die Diva. Ihre Haltung. Und die Nazis." Foto: © Gedenkhalle Oberhausen
12.01.2020 18:00

Marlene Dietrich. Die Diva. Ihre Haltung. Und die Nazis.

Genre Ausstellung
Veranstalter Stadtverwaltung Erfurt, Erinnerungsort Topf & Söhne
Veranstaltungsort Erinnerungsort Topf & Söhne, Sorbenweg 7, 99099 Erfurt

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Marlene Dietrich. Die Diva. Ihre Haltung. Und die Nazis.

Eine Frau betrachtet eine Ausstellungstafel. Im Hintergrund sind weitere Ausstellungstafeln zu erkennen.
Foto: Blick in die Ausstellung "Marlene Dietrich. Die Diva. Ihre Haltung. Und die Nazis." Foto: © Gedenkhalle Oberhausen

Auch bald 30 Jahre nach ihrem Tod ist der Weltstar Marlene Dietrich immer noch eine populäre Figur. Wer kennt sie nicht als Lola Lola aus dem Filmklassiker "Der blaue Engel" oder hat nicht schon einmal "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" gehört? Bis heute verbinden sich mit ihr viele schillernde Bilder: Sexsymbol und Mutter, Schauspielerin und Sängerin, Ehefrau und Geliebte, Kunstfigur und Stilikone, Weltstar und Diva. Mythen trugen zu ihrem Ruhm bei und überdeckten bisweilen die Wirklichkeit.

Unzählige Ausstellungen und Publikationen rund um den Globus beleuchteten mit höchst unterschiedlichen Perspektiven das Phänomen Marlene Dietrich. Sie machten eine Frau sichtbar, die ihre Zeit verändert hat und nicht nur mit langen Beinen, rauchiger Stimme und laszivem Blick Männern wie Frauen den Kopf verdrehte.

Mit der Ausstellung "Marlene Dietrich. Die Diva. Ihre Haltung. Und die Nazis." hat die Gedenkhalle Oberhausen Marlene Dietrichs Verhältnis zu Deutschland und den Deutschen erstmals über einen Zeitraum von mehr als 60 Jahren anhand zahlreicher Dokumente, Fotos, Presseartikel und Filmmaterialien umfassend rekonstruiert. Wie konnte es dazu kommen, dass die gebürtige Berlinerin zur amerikanischen Staatsbürgerin mit französischem Wohnsitz wurde, die erst ihre letzte Ruhestätte in Berlin fand?

Die Ausstellung skizziert die historische Folie, vor der aus dem zunächst nicht weiter auffälligen Verhältnis von Marlene Dietrich zu ihrer deutschen Heimat ein brisantes Dauerthema wurde. Von entscheidender Bedeutung dafür ist das Jahr 1933. Der Umzug Marlene Dietrichs in die USA 1930 war noch alleine der Arbeit geschuldet. Nach ihrem Durchbruch mit "Der blaue Engel" war sie Regisseur Josef von Sternberg nach Amerika gefolgt und wurde dort von dem Studio Paramount unter Vertrag genommen.

In Hollywood hatte sie eine glänzende Karriere vor sich. Sie lebte ein so exklusives wie emanzipiertes Leben, stand im Mittelpunkt des Interesses der Öffentlichkeit und reiste immer wieder nach Europa, um sich dort von den Dreharbeiten zu erholen. Doch dies änderte sich mit dem Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft.

Ein Star wie sie hätte sicher auch im nationalsozialistischen Deutschland seine Karriere fortsetzen können. Und ebenso gewiss hätte sie bedeutend weniger Restriktionen als andere Menschen zu erleiden gehabt. Doch viele der Menschen, die für sie kulturell oder persönlich bedeutsam waren, lebten nicht mehr in diesem Deutschland, konnten dort nicht mehr leben. Und vor allem: Marlene Dietrich stimmte persönlich nicht mit den Nationalsozialisten überein. Sie lehnte die rassistische und völkische, das Individuum nivellierende Ideologie des NS-Regimes ab. Sie kam zu dieser Haltung zu einer Zeit, als sich große Teile der deutschen Bevölkerung zum Träger des totalitären Regimes in Deutschland machten.

Eine Frau lehnt sich aus einem geöffneten Zugfenster.
Foto: Marlene Dietrich auf dem Gare St. Lazare in Paris bei ihrer Abreise in die USA, September 1933, Aufnahme: Studio INTRAN, Paris Foto: © Deutsche Kinemathek - Marlene Dietrich Collection Berlin

Deshalb traf sie im Frühjahr 1933 eine Entscheidung, die sich fortan wie ein roter Faden durch ihr Leben ziehen sollte: Sie ließ sich auf keine Zusammenarbeit mit den Nazis ein und mied in der Folge ihre alte Heimat. Stattdessen unterstützte sie deutsche Emigranten und wurde 1939 aus Überzeugung US-amerikanische Staatsbürgerin. Ab 1942 warb sie Kriegsanleihen für die USA ein. Auch wenn die Gefährdungen für sie geringer waren als für andere, die in Deutschland Widerstand leisteten: Als sie in Europa 1944 als Truppenbetreuerin direkt hinter der Front vor amerikanischen Soldaten auftrat, hätte eine Gefangennahme durch die Deutschen für sie schlimme Folgen haben können.

Nur wenige Deutsche haben bis 1945 den eigenen Anteil am nationalsozialistischen Zivilisationsbruch sehen und nach Kriegsende die Verantwortung für ihre Haltung übernehmen wollen. Diesen Vorwurf brauchte sich Marlene Dietrich nicht zu machen. Indem sie in Israel und andernorts privat Gedenkorte aufsuchte oder an offiziellen Gedenkfeiern teilnahm, zeigte sie, dass ihr die Würdigung der Opfer des nationalsozialistischen Terrors am Herzen lag. Sie engagierte sich gegen Neonazismus und für Frieden und Menschenrechte. Projekte zur Aufklärung und Prävention menschenverachtender Ideologien wie des Nationalsozialismus unterstützte sie persönlich, so zum Beispiel den Dokumentarfilm "Black Fox" von 1962. In den Filmen "Eine Auswärtige Affäre" und "Das Urteil von Nürnberg" spielte sie deutsche Frauen, die das nationalsozialistische System getragen hatten und an dieser Haltung festhielten. Entgegen ihrer eigenen Biografie, im Perspektivenwechsel, fordern diese Figuren filmisch zu einer Auseinandersetzung damit heraus, wie der Nationalsozialismus möglich wurde.

Ihre entschiedene Ablehnung der Nazis und Neonazis nahm man ihr noch im Deutschland der 1960er Jahre übel, insbesondere während ihrer Tournee 1960 wurde sie als "Landesverräterin" diffamiert. Bis in die 1980er Jahre wurde Marlene Dietrich von Alt- und Neonazis bedroht. An ihrer Haltung hat dies nichts geändert. Es ist kein Zufall, dass die hochbetagte Marlene Dietrich zu der fast 40 Jahre jüngeren Beate Klarsfeld und ihrem Mann Serge Mitte der 1980er Jahre Kontakt aufnahm. Dieses französisch-deutsche Ehepaar steht bis heute mit seiner Biografie und seinem Handeln für den Willen, einerseits nationalsozialistische Täter einer juristischen Ahndung ihrer Verbrechen zuzuführen und andererseits der Opfer der nationalsozialistischen Diktatur zu gedenken. Hier fanden Menschen mit einer identischen Einstellung und hohem gegenseitigen Respekt zusammen.

Die Ausstellung "Marlene Dietrich. Die Diva. Ihre Haltung. Und die Nazis." folgt den Lebensspuren einer Frau mit einer bemerkenswerten Haltung, die unter den gegebenen Verhältnissen keineswegs selbstverständlich war und eine besondere Wertschätzung verdient. Sie wurde von der Gedenkhalle Oberhausen mit Unterstützung der Marlene Dietrich Collection Berlin realisiert. Der Erinnerungsort Topf & Söhne zeigt sie in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen.

Veröffentlichungen

Die Einträge befinden sich auf der Seite im Quell-Portal.

Pressestimmen

Die Einträge befinden sich auf der Seite im Quell-Portal.

Veranstaltungen

Die Veranstaltungen und Führungen beziehen sich auf die aktuelle Sonderausstellung und die Dauerausstellungen. Darüber hinaus thematisieren sie historische und aktuelle Fragen im Kontext von Antisemitismus, Rechtsextremismus und anderen Formen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit.

Eine Frau lehnt sich aus einem geöffneten Zugfenster.
©  Deutsche Kinemathek - Marlene Dietrich Collection Berlin

Urteil von Nürnberg

06.12.2019 18:30 – 22:00

Das 1961 entstandene Werk von Regisseur Stanley Kramer beschäftigt sich mit der Aufarbeitung des Nationalsozialismus vor Gericht. Zum ersten Mal wurde hier in einem Spielfilm die Mitverantwortung der deutschen Justiz an den NS-Verbrechen thematisiert.

Ansehen

Eine Frau lehnt sich aus einem geöffneten Zugfenster.
©  Deutsche Kinemathek - Marlene Dietrich Collection Berlin

Eine Auswärtige Affäre

22.11.2019 18:30 – 21:00

Billy Wilders Satire zeigt eine Dreiecksgeschichte zwischen einer deutschen Nachtclubsängerin, einem US-Besatzungsoffizier und einer amerikanischen Kongressabgeordneten im Berlin der ersten Nachkriegsjahre.

Ansehen

Mehrere Männer sitzen an einem langen Tisch und spielen Schach.
©  Stadtverwaltung Erfurt

6. Königsgambit-Gedenkturnier

16.11.2019 09:30 – 16:00

Schachspielerinnen und Schachspieler treffen sich im Rahmen der Gedenktage an die Novemberpogrome 1938 im Erinnerungsort, um mit Spielfreude an den großen jüdischen Beitrag zur internationalen Schachkultur zu erinnern.

Ansehen

Portrait einer älteren Frau mit dunklen Haaren und roten Lippen. Im Hintegrund stehen Pflanzen auf einem Regal.
©  Privat

„Das verlorene Ich“ – Zeitzeugengespräch mit Eva Stocker

12.11.2019 19:00 – 21:00

1944 wurde sie als Kleinkind aus einem Deportationszug gereicht und von einem Bahnbeamten in ein Waisenhaus gebracht. Der Zug fuhr weiter nach Auschwitz – Eva Stocker überlebte. Als Erwachsene machte sie sich auf die Suche nach ihrer eigenen Geschichte und beschäftigte sich gleichzeitig mit der Frage: Wie leben jene Menschen weiter, die den Holocaust überlebt haben? Erstmals zeigt sie im Erinnerungsort Ausschnitte aus ihrem Dokumentarfilm „Das 2. Leben“, der sich dieser Thematik widmet.

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