Erfurt auf dem Mehrweg

In Erfurt landen pro Jahr 7 Mio. Coffee-to-go-Becher im Abfall. Dem will sich Erfurt mit der Kampagne "Nicht von Pappe – Erfurt auf dem Mehrweg!" stellen.

Kampagne "Erfurt auf dem Mehrweg"

Gemeinsam wollen die SWE Stadtwerke Erfurt GmbH und die Stadtverwaltung Erfurt mit der Kampagne "Erfurt auf dem Mehrweg" Lösungen anbieten, den Ver- und Gebrauch der Einweg-Pappbecher beim "Cafe-to-go" zu verringern, die leer und weggeworfen die Papierkörbe überquellen lassen, die als Müll in der Stadt liegend das Image von Erfurt verschlechtern und mehr noch eine Verschwendung von Ressourcen sind.

Sicherlich ist der Müll aus Einwegbechern nur ein Teil der Müllmenge insgesamt, aber in Deutschland werden einer DUH-Studie zufolge 320.000 Becher nach einmaligem Gebrauch weggeworfen - stündlich. Das sind pro Jahr rund 2,8 Milliarden Stück, das entspricht einer Müllmenge von ungefähr 40.000 Tonnen Einwegbechermüll.

Dafür müssen 43.000 Bäume sterben, werden 1,5 Milliarden Liter Wasser und 320 Millionen Kilowattstunden Strom aufgewendet sowie 3.000 Tonnen Rohöl verbraucht.

Der Anteil, den Erfurt hat, klingt mit "unter einem halben Prozentpunkt" recht wenig, dennoch würden die in Erfurt jährlich verbrauchten 7 Mio. Einwegbecher aufeinandergestapelt einen Turm von 700 km Höhe ergeben – und das für ein Produkt, dessen Nutzungszeit bei unter 15 Minuten liegt.
Um dies zu verändern, hat der Erfurter Stadtrat mit der DS 1699/17 "Coffee to go - Mehrwegsystem" für Erfurt vom 06.09.2017 beschlossen, auf Mehrwegsysteme zu setzen. Offizieller Start war am 08.12.2017 mit einem Pressegespräch des Oberbürgermeisters.

Die Kampagne "Erfurt auf dem Mehrweg" wurde im Frühjahr 2019 wieder aufgefrischt. Erstes Ziel ist dabei, dass Kaffee-Anbieter wie Cafés, Bäckereien und Fleischereien mit "To-Go"-Angeboten dazu motiviert werden, den Kaffee in mitgebrachte Mehrwegbecher zu füllen. Dazu wurden nahezu 500 Anbieter angeschrieben bzw. auch persönlich aufgesucht.

Mehrwegbecher oder Pfandsystem?

Coffe-to-go? Natürlich mit Mehrwegbecher!

Dem Zeitgeist folgend gibt es zahllose Arten und Designs von Mehrwegbechern, das Material reicht von abbau- und recycelbaren Bechern aus Kaffeesatz, Bambus oder Mais bis hin zu Porzellan oder Edelstahl.
Voraussetzung für die Nutzbarkeit von Mehrwegbechern ist natürlich, dass die Kaffeeverkäufer die privaten Becher auch befüllen.

Hier wird in Erfurt im Rahmen der Kampagne "Erfurt auf dem Mehrweg" einiges unternommen, die Cafe-Betreiber anzuregen, mitgebrachte eigene Becher zu befüllen. Eigens dazu wurden Aufkleber und Tischaufsteller hergestellt, die darauf hinweisen, dass in dem Geschäft sehr gern mitgebrachte Becher befüllt werden.

Für das Kaffeetrinken aus einem Mehrwegbecher gibt es darüber hinaus die Möglichkeit, einen Becher eines Pfand- bzw. Leihsystem zu nutzen.

Das bundesweit aufgestellte System "recup" ist neben anderen Gründen nach Meinung der Organisatoren gut auf Erfurt anwendbar, da für den Mehrwegbecher zwar ein Pfand von 1 Euro zu leisten ist, der Becher aber mit auf den Weg  und sogar mit auf die Reise in andere Städte genommen werden kann und irgendwo in Deutschland an einer "recup-Station" nach Benutzung zurückgegeben und/oder durch eine neu gefüllten getauscht werden kann. Deren Suche oder besser Finden ist durch eine App, die den am nächsten gelegenen Standort verrät, äußerst leicht. Auch die Erfurter Mehrwegkaffees, die sich bei "recup" beteiligen, sind bereits auf einer interaktiven Karte gelistet:

Empfehlungen und Voraussetzungen für die Nutzung von privaten Mehrwegbechern

Eine gute Antwort auf die Frage "Einwegbechermüll" ist die Kombination von beiden Lösungen, private Mehrwegbechernutzung und Pfandsystem.

Das Erfurter Lebensmittelüberwachungsamt hat Empfehlungen herausgegeben, welches den Betreibern beim praktischen Handling mit Mehrwegbechern behilflich sein soll. Diese sind im Faltblatt der Kampagne "Erfurt auf dem Mehrweg" und hier aufgezeigt:

Welche Voraussetzungen sind nötigt, um mitgebrachte private Mehrwegbecher zu füllen zu dürfen:

  • Befüllen von mitgebrachten Bechern nur durch geschultes Personal
  • Sichtkontrolle der Becher auf Sauberkeit
  • gegebenenfalls Ausspülen mit heißem Wasser
  • Becher aus Edelstahl, Porzellan, Glas, Emaille oder Naturstoff
  • kein direkter Kontakt zwischen Befüllstutzen und Mehrwegbecher
  • gegebenfalls Umfüllen in ein Zwischengefäß
  • regelmäßige Reinigung und Desinfektion der Abstellflächen
  • regelmäßige Händereinigung und -desinfektion

Zuständige Behörde bei Fragen zur Lebensmittelhygiene