Elena Kaufmann: Ein Jahr mit dem Stern

20.07.2018 11:00 – 30.09.2018 18:00

Im Rahmen der Achava-Festspiele Thüringen zeigt die Ausstellung Arbeiten der Fotografin Elena Kaufmann im Renaissancesaal der Kunsthalle.

Eine Frau, die sich eine Zigarette anzündet
"Pianistin. Abschluss." Foto: © Elena Kaufmann
30.09.2018 18:00

Elena Kaufmann: Ein Jahr mit dem Stern

Genre Ausstellung
Veranstalter Stadtverwaltung Erfurt, Kunsthalle
Veranstaltungsort Kunsthalle Erfurt, Fischmarkt 7, 99084 Erfurt

Die Idee

Ein Mann wirft sich ein viereckiges Tuch über die Schultern
Foto: "Tallit. Gebetsschal." Foto: © Elena Kaufmann

Seit 2012 lebt und arbeitet die in St. Petersburg aufgewachsene Fotografin Elena Kaufmann in Erfurt. Hier hat sie über einen längeren Zeitraum Menschen der jüdischen Gemeinde mit der Kamera begleitet, um sie zu porträtieren und Momente zwischen Heiligkeit und Alltäglichem einzufangen. Neben stimmungsvollen Situationsaufnahmen, deren menschliche Wärme und Nähe oftmals zeitlos wirkt, wandte sie sich den Menschen auch im Porträt zu und überzeugt auch hier mit ihrer feinsinnigen Beobachtungsgabe.

Entstanden aus einer gemeinsamen Idee, fördern die Achava-Festspiele Thüringen eine Ausstellung und ein Buch, um das Projekt der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Die Ausstellung

Jugendliche in Kostümen, die man von hinten sieht, in einem schmalen Gang
Foto: "Die Götter der Griechen." Foto: © Elena Kaufmann

Fragt man, was den besonderen Wert dieser über Wochen und Monate kontinuierlich anwachsenden Serie ausmacht, dann findet man Antworten in der Geschichte der Fotografie und in der Intention der Fotografin, stets das Konkret-Menschliche im Fokus ihrer Arbeit zu halten, den persönlichen Ausdruck, die individuelle Erscheinung. Es geht ihr nicht vordergründig um visuelle Reize und gelungene Kompositionen. Sie spielen natürlich eine Rolle als Mittel zur Erreichung ihres zentralen Anliegens: das Menschliche und damit Verbindende in all den Szenen zu zeigen, die jüdisches Leben heute in einer kleinen Gemeinde und einer Stadt wie Erfurt charakterisieren. Hier wird jüdisches Leben nicht einfach illustriert und dabei auf Allgemeinverständlichkeit des Gezeigten abgezielt, wie man es von einer üblichen fotografischen Reportage erwarten könnte. Nein, weit darüber hinaus gelingt hier das Sichtbarmachen fragiler zwischenmenschlicher Geflechte, subjektiver Gesten und Befindlichkeiten. Im Zentrum immer wieder der menschlich berührende Moment, der dem einen oder anderen Augenzeugen vielleicht entgangen ist, nicht jedoch der feinen Wahrnehmung der Fotografin, die sich dabei als eine Künstlerin ihres Fachs erweist. Zur Kunst wird beobachtendes Fotografieren, wenn das in der Wirklichkeit häufig nur vorübergehend und kontingent Erscheinende im Bild die Form eines Besonderen gewinnt, das unsere Aufmerksamkeit nachhaltig auf sich zieht und zugleich als etwas Charakteristisches, allgemein Gültiges begriffen werden kann. So bleibt es über die Erinnerung an das konkrete Ereignis hinaus für uns attraktiv und bedeutsam. Bei Elena Kaufmann mündet das beobachtende Fotografieren immer wieder in eine Emphase des Menschlichen und Verbindenden, das zu erkennen sie in besonderer Weise begabt ist.
Mit ihrer Arbeit zur Erfurter jüdischen Gemeinde reiht sie sich in eine Traditionslinie der Life-Fotografie ein, der
verschiedene international agierende Fotografen vor über siebzig Jahren mit der Gründung von „Magnum Photos“ ein Credo verliehen.

Schwarz-weiß Foto eines Chanukka-Leuchters, auf dem alle acht Kerzen brennen
Foto: Elena Kaufmann: "Acht Kerzen" Foto: © Elena Kaufmann

Kunstbuch zur Ausstellung

Porträtbild einer Frau
Foto: Portrait. Elena Kaufmann. Foto: © Martin Kaufmann

Im Verlauf der Arbeit an ihrem Projekt wuchs in Elena Kaufmann der Wunsch, die Mitglieder der Gemeinde nicht
nur fotografisch zu begleiten, sondern auch direkt zu porträtieren. Dabei vertraute sie ihrer Intuition, dass vor
allem Sprache und Sprechen während der Porträtsitzung zu einer Situation führt, in der Anspannungen und
Projektionen gelöst werden, die Porträtierten ihre Posen verlieren und gleichsam ‚vergessen‘, dass sie fotografiert
werden.

In der Erfurter Journalistin Antje-Maria Lochthofen fand Elena Kaufmann schließlich eine Autorin, die Ihre fotografischen Eindrücke in Worte fassen konnte. Sie traf die Porträtierten entweder im Studio der Fotografin oder in deren Wohnungen, sprach stundenlang mit ihnen und formte aus ihren Gesprächsaufzeichnungen jene Texte, die nun im Buch und in der Ausstellung die Bildnisse begleiten – als Einladung und Schlüssel zum tieferen Verständnis der Persönlichkeiten.

Begleitprogramm

9. August, 18 Uhr

Künstlergespräch

Lange und kurze Fäden zwischen den Menschen

Führung und Gespräch mit der Fotografin Elena Kaufmann

Moderation: Martin Kranz, Intendant Achava Festspiele Thüringen

21. September, 21 Uhr

Kiddusch

Gemeinsames Abendbrot nach dem Shabbat-G’ttesdienst

in der Kunsthalle Erfurt

Veranstaltung im Rahmen der Achava Festspiele 2018