BauhausFrauen – Lehrerinnen und Absolventinnen der Bauhaus Universität Weimar

18.04.2019 18:00 – 14.07.2019 18:00

Im Kontrast zum historischen „Bauhaus“ ist heute die Emanzipation der Frauen in der Kunst selbstverständlich. Exemplarisch werden dazu die Werke von 31 Lehrerinnen und Absolventinnen der Fakultäten Kunst und Gestaltung (Freie Kunst, Medienkunst/Mediengestaltung, Produkt-Design und Visuelle Kommunikation) sowie Architektur der Bauhaus-Universität Weimar gezeigt.

Ein großes Nest aus Zweigen in dem zwei Personen sitzen
Liz Bachhuber: Nesting Places IV, 1999, Theaterplatz Weimar Foto: © Liz Bachhuber
14.07.2019 18:00

BauhausFrauen – Lehrerinnen und Absolventinnen der Bauhaus Universität Weimar

Genre Ausstellung
Veranstalter Stadtverwaltung Erfurt, Kunsthalle Erfurt
Veranstaltungsort Kunsthalle Erfurt, Fischmarkt 7, 99084 Erfurt
workTel. +49 361 655-5660+49 361 655-5660

Über die Ausstellung

Eine kunstvolle Papierblume
Foto: Christiane Haase: Diva, 2011 Foto: © Christiane Haase, VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Was für begabte Frauen am Bauhaus der Weimarer Republik oft nur gegen Widerstände möglich schien, ihre Formierung als selbstbestimmte, ästhetisch und ökonomisch eigenständige weibliche Persönlichkeiten, als Formgestalterinnen und freie Künstlerinnen, das ist heute Programm der modernen, geschlechtergerechten Ausbildung an der Bauhaus-Universität Weimar, der Kunsthochschule des Freistaats Thüringen. Auch den Absolventinnen sollte es unter den sozioökonomischen Rahmenbedingungen in Deutschland leichter fallen als den historischen Bauhäuslerinnen, ihre eigenen Visionen von der Selbstverwirklichung durch künstlerische und gestalterische Betätigung in eine nachhaltige Praxis zu überführen, oder?

Um dieser Frage nachzugehen, wurden dreißig künstlerische Positionen ausgewählt, schwerpunktmäßig aus dem Studiengang Freie Kunst der Fakultät Gestaltung, die heute als Fakultät Kunst und Gestaltung auch den Studiengang Medienkunst/Mediengestaltung umfasst, geschaffen von Professorinnen, Dozentinnen, wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Absolventinnen der Bauhaus-Universität Weimar, um sie in einer Ausstellung zu präsentieren. Hier steht ihr Werk pars pro toto für eine Situation, welche die künstlerische Selbstentfaltung von Frauen als eine Selbstverständlichkeit ansieht, in der gerechte Strukturen für die Entwicklung von Menschen jedweden Geschlechts zu den gesetzlich verankerten Zielen staatlichen Handelns gehören, auch wenn die Praxis noch manches zu wünschen übrig lässt.

Eine Frau mit weißen Augen hält eine Marionette in der Hand
Foto: Carina Linge: aus der Serie Närrinnen: Blinder Dottore, 2018 Foto: © Carina Linge

Die vielfältigen, qualitativ bemerkenswerten, oft genug auch staunenswerten Zeugnisse ästhetischer Kreativität in dieser Ausstellung sollen nicht deshalb herausgestellt werden, weil die Veranstalter glauben, dass ihre Besonderheit in ihrer weiblichen Konnotation liege. Nein, sie sind besonders, weil sie formale und inhaltliche Konsequenz auszeichnet, weil sie Innovatives, Einmaliges, Überraschendes, Irritierendes, Erzählerisches, Nachdenkliches, Spielerisches, Ironisches, handwerklich Brillantes oder ausgesprochen Praktisches bieten in ihren Perspektiven auf unsere Welt, weil sie als gestaltete Form und geformte Idee beziehungsweise Vorstellung überzeugen, in ihrer Ambivalenz ebenso wie in ihrer Stringenz – und dabei vielleicht nur selten etwas aufweisen, das man als genuin weiblich (gedacht, gefühlt, geformt) bezeichnen könnte. Sie sind also im besten Sinne gute Form und gute Kunst, ohne besondere Geschlechterzuordnung, wenn auch mitunter Genderthemen aufgreifend.

Wir halten das heute für selbstverständlich, und das ist ein gutes Zeichen. Denn vor rund einhundert Jahren war es das nicht. So fungiert die Auswahl der Ausstellung gleichsam als Spiegel, eine Art Rückspiegel, der uns zeigt, wie verschieden die Situation heute von derjenigen ist, die nun einhundert Jahre (und irgendwie sogar Welten) zurückliegt. Wie viel gewonnen wurde seitdem. Auch wenn noch lange nicht alles zufriedenstellend wäre für begabte Frauen im aktuellen Kunstbetrieb.

Gezeigt werden Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Zeichnung, Fotografie, Video, Installation, Objekt, Dokumentation, Produktdesign und Architektur, beispielsweise von Liz Bachhuber (als Mitbegründerin der Fakultät Kunst und Gestaltung), Heike Büttner, Danica Dakić (Teilnehmerin der documenta 12), Jana Gunstheimer, Heike Hanada (Architektin des neuen Bauhausmuseums), Christine Hill (Teilnehmerin der documenta 10), Carina Linge, Nina Röder und Isabell Weber.

Eine Ausstellung in Kooperation mit dem Erfurter Kunstverein e. V.

Die Ausstellung entstand mit freundlicher Unterstützung von:

Thüringer Staatskanzlei                                                                      
Kulturstiftung des Freistaates Thüringen                                
Sparkassenstiftung Erfurt

Video: Starke „BauhausFrauen“ sprechen über ihre Werke in der Kunsthalle © Stadtverwaltung Erfurt

Liz Bachhuber über ihre Idee des Bauhauses

Video: Liz Bachhuber über ihre Idee des Bauhauses © Stadtverwaltung Erfurt

Die Bauhaus-Universität

Schwarzer Karton mit drei Porzellan-Stücken
Foto: Laura Straßer: GropiGroupy, Fanset für Liebhaber, 2009, Porzellan Foto: © Laura Straßer

Architektur und Urbanistik, Bauingenieurwesen, Kunst und Gestaltung und Medien – mit ihren Fakultäten und Arbeitsgebieten verfügt die Bauhaus-Universität Weimar über ein einzigartiges Profil. Das Spektrum der Universität umfasst gegenwärtig ca. 40 Studiengänge bzw. -programme und reicht von der Freien Kunst über Design, Visuelle Kommunikation, Mediengestaltung, -wissenschaft und -informatik bis zu Architektur, Bauingenieurwesen, Baustoffkunde und Umwelt sowie Management. Der Begriff „Bauhaus“, der seit 1996 im Namen der Universität steht, weist die historische Verbindung als Anspruch im Jetzt aus. In der Selbstcharakterisierung werden als Brückenbegriffe zwischen dem historischen Bauhaus und der aktuellen Universität Experimentierfreudigkeit, Offenheit, Kreativität und Internationalität genannt. Dazu gehört aber auch die Verbindung zwischen freier Kunstausübung und den angewandten gestalterischen Disziplinen. Als 1993 die Fakultät Gestaltung (heute: Kunst und Gestaltung) gegründet wurde, kehrten nach langer Zeit die freien künstlerischen Disziplinen in den Verband der Hochschule zurück. Die Fakultät, die Aufgaben einer Kunsthochschule des Freistaats Thüringen in der Bauhaus-Universität Weimar übernimmt, bietet ein integriertes künstlerisches und gestalterisches Projektstudium. Die 1996 gegründete Fakultät Medien unterstreicht die technische Progressivität der Hochschule, denn hier stehen Neue Medien, computergestützte Formprozesse und Inhalte der Informatik im Zentrum der Ausbildung.

Begleitprogramm

Eine Hand hält einen Zweig
Foto: © Nina Röder

Veranstaltungen

Sonntag, 5. Mai, 15 Uhr
Zaunhüter und Grenzgänger
Häkeltreff mit Granny Squares, Nina Lundström

Mittwoch, 8. Mai, 19 Uhr
Chancengleich? Künstlerinnen heute
Podiumsdiskussion mit Liz Bachhuber, Verena Krieger, Carina Linge, Larissa Kikol, Kristian Jarmuschek
Moderation: Susanne Knorr und Kai Uwe Schierz

Freitag, 17. Mai, Lange Nacht der Museen
18:30 und 19 Uhr
Kurzführungen durch die Kuratoren
Scouts der Bauhaus-Universität Weimar stehen als Ansprechpartner für den Abend zur Verfügung.

Mittwoch, 29. Mai, 19 Uhr
Screening 1
Verena Kyselka (Videokünstlerin & Performerin, Berlin)

Mittwoch, 5. Juni, 19 Uhr
Screening 2
Nina Lundström (Videokünstlerin, Weimar)

Führungen

Donnerstag, 19 Uhr

  • 25. April,
  • 9. Mai,
  • 23. Mai,
  • 6. Juni,
  • 20. Juni,
  • 4. Juli

Sonntag, 11:15 Uhr

  • 5. Mai,
  • 19. Mai,
  • 2. Juni,
  • 16. Juni,
  • 30. Juni,
  • 14. Juli

Künstlerinnen der Ausstellung

Warum nur Frauen in der Auswahl?

Die Konzentration auf Frauen sucht bewusst einen Vergleich zu der etwa zeitgleich im Angermuseum Erfurt präsentierten, historisch orientierten Ausstellung „Vier Bauhausmädels“. Dort geht es um die Frage, wie junge Frauen, die am Bauhaus ausgebildet wurden, sich in den 1920er und 1930er Jahren als selbstständige Gestalterinnen etablierten (oder nicht). Auf diese kulturhistorische Fragestellung will die Ausstellung „BauhausFrauen“ für die Gegenwart Antworten bereitstellen. Dabei wirkt die Ausstellung komplementär zur historischen Analyse, denn in der Gegenwart ist weitgehend Wirklichkeit geworden, was sich die weiblichen Avantgarden vom Beginn des 20. Jahrhunderts wünschten.

Schwarzes Plakat mit weißer Schrift
Foto: © Stadtverwaltung Erfurt/Kunstmuseen

Die Künstlerinnen

  • Liz Bachhuber
  • Danica Dakic
  • Nicole Degenhardt
  • Elfi E. Fröhlich
  • Nadine Göpfert
  • Jana Gunstheimer
  • Christiane Haase
  • Heike Hanada
  • Christine Hill
  • Franziska und Sophia Hoffmann
  • Katharina Hohmann
  • Indra Kupferschmid
  • Verena Kyselka
  • Meike Langer
  • Carina Linge
  • Ricarda Löser
  • Nina Lundström
  • Barbara Nemitz
  • Nina Röder
  • Naomi Tereza Salmon
  • Tonia Schmitz
  • Theresa Schubert
  • Anke Stiller
  • Laura Straßer
  • Maria Vill
  • Leonie Weber
  • Karen Weinert
  • Rosmarie Weinlich
  • Nadine Wottke
  • Lusha Ye