Fritz Winter. Durchbruch zur Farbe

07.11.2021 10:00 – 06.02.2022 18:00

Fritz Winter (1905-1976) gehört zu den bedeutenden deutschen Malern in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Anlässlich des 100. Gründungsjubiläums des Weimarer Bauhauses entstand in Zusammenarbeit mit dem Emil-Schumacher-Museum (Hagen), dem Fritz-Winter-Haus (Ahlen) und dem Angermuseum Erfurt eine retrospektiv angelegte Ausstellung.

Gemälde mit verschiedenen farbigen Flächen in Rot- und Blautönen
Fritz Winter, Die roten Felder, 1961, Öl auf Leinwand, 135 x 145 cm, Sammlung Ströher Bild: © VG Bild-Kunst 2021
06.02.2022 18:00

Fritz Winter. Durchbruch zur Farbe

Genre Ausstellung
Veranstalter Kunstmuseen der Stadt Erfurt
Veranstaltungsort Angermuseum Erfurt, Anger 18, 99084 Erfurt
workTel. +49 361 655-1651+49 361 655-1651 faxFax +49 361 655-1659

Zur Ausstellung

Der 1905 in Altenbögge bei Unna geborene Maler und Grafiker Fritz Winter gehört derselben Generation an wie die Erfurter Bauhäuslerin Margaretha Reichardt. Als diese in der Webereiwerkstatt des Dessauer Bauhauses mit Eisengarn und Cellophan experimentierte, schrieb sich auch Winter an dieser Reformschule ein. Von 1927 bis 1930 studierte er bei Oskar Schlemmer, Wassily Kandinsky und Paul Klee Malerei. Es war eine Phase der Umbrüche. Der neue Direktor des Bauhauses, Hannes Meyer, setzte ab dem Frühjahr 1928 seine Vision einer konsequent gebrauchsorientierten Gestaltungshochschule durch, auch gegen den Widerstand von Bauhausmeistern wie Albers, Kandinsky, Klee und Feininger, die ihren Unterricht in die privaten Ateliers der Meisterhäuser verlegten. Als im Mai 1929 der Erfurter Kunstverein im Kunstvereinsheim neben dem städtischen Museum die Ausstellung „Die jungen Bauhausmaler“ eröffnete und Werke von zwölf Studierenden aus dem Bauhaus Dessau vorstellte, darunter auch Arbeiten des jungen Fritz Winter, war es schon nicht mehr die offizielle Linie des Bauhauses, welche diese „jungen Bauhausmaler“ vertraten. Die bemerkenswerte Schau gastierte damals auch in Braunschweig, Halle (Saale) und Krefeld.

Fritz Winter blieb nach seinem Studium den Ideen der künstlerischen Avantgarde seiner Zeit treu. Ab 1930 arbeitete er im Atelier von Naum Gabo in Berlin. Seine Lehrtätigkeit an der Pädagogischen Akademie in Halle a. d. Saale dauerte von 1931 bis 1933. Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde Winter der Lehrauftrag entzogen. 1935 übersiedelte er nach Dießen an den Ammersee und begab sich in die „innere Emigration“. Im Verlauf der Aktion „Entartete Kunst“ wurden seine Werke in öffentlichen Sammlungen beschlagnahmt, er selbst mit einem Malverbot belegt. Schon 1939 verpflichtete man ihn zum Kriegsdienst. Nach dreimaliger Verwundung und Kriegsgefangenschaft kehrte Winter 1949 nach Deutschland zurück und wirkte noch im gleichen Jahr als Mitbegründer der Künstlergruppe ZEN 49 in München. 1955 war er Teilnehmer der documenta I in Kassel und erhielt eine Professur an der dortigen Staatlichen Hochschule für Bildende Künste. Er reüssierte in nationalen und internationalen Ausstellungen und erhielt zahlreiche Ehrungen. Gemeinsam mit Malern wie Ernst Wilhelm Nay und Willy Baumeister verkörperte Fritz Winter den künstlerischen Aufbruchsgeist der jungen Bundesrepublik Deutschland. Bedingt durch die politischen Umstände war sein Werk jedoch im Osten Deutschlands in den folgenden Jahrzehnten nicht mehr direkt präsent. Vielmehr galt es Künstlerinnen und Künstlern als Geheimtipp, die sich jenseits der offiziellen Kulturpolitik der DDR an den Kunstströmungen der westeuropäischen Nachkriegsmoderne orientieren.

Rund 70 Jahre nach der ersten Werkschau Fritz Winters in Hagen, die 1950 im Karl-Ernst-Osthaus-Museum eingerichtet wurde, und etwa 90 Jahre nach seinem ersten Gastspiel in Erfurt möchte die aktuelle Ausstellung eine neue Annäherung an das Werk dieses Künstlers ermöglichen.

Die retrospektiv angelegte Ausstellung entstand in enger Kooperation mit dem Emil-Schumacher-Museum in Hagen. Unser Dank gilt dem Direktor und Kurator der Ausstellung Rouven Lotz. Außerdem danken wir herzlich Helga und Michael Gausling sowie Peter Volmer vom Fritz-Winter-Haus in Ahlen für ihre großzügige Unterstützung der Ausstellungen mit Informationen, Archivalien und Leihgaben. Unser Dank gilt schließlich auch den folgenden Leihgebern für die Ausstellung: dem Fritz Winter-Atelier, Dießen, der Galerie Utermann, Dortmund, dem Gustav-Lübcke-Museum, Hamm, der Sammlung Ströher im Museum Küppersmühle für Moderne Kunst, Duisburg, dem Karl Ernst Osthaus Museum, Hagen, der WRT-Stiftung Dr. Weckerle, Herdecke und allen Leihgebern, die ungenannt bleiben möchten.

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