Armenien – zwei Jahre nach der „Samtenen Revolution“

21.09.2020 19:00 – 21.09.2020 21:00

Vortrag und Gespräch mit Hans-Jochen Schmidt, ehem. deutscher Botschafter in Armenien, über die Erinnerung an den Genozid, die Entwicklung von Demokratie und Wirtschaft sowie die Herausforderung für eine Lösung im Konflikt um Bergkarabach.

Denkmal und Museum zum Gedenken an die Opfer des Völkermords an den Armeniern 1915.
Bild: © Wieland Koch
21.09.2020 21:00

Armenien – zwei Jahre nach der „Samtenen Revolution“

Genre Veranstaltung
Veranstalter Stadtverwaltung Erfurt, Erinnerungsort Topf & Söhne
Veranstaltungsort Erinnerungsort Topf & Söhne, Sorbenweg 7, 99099 Erfurt

Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen

Am 21. September 1991 erklärte sich Armenien unabhängig von der sich in Auflösung befindlichen Sowjetunion. Seitdem hat die neu gegründete Republik Armenien (Hajastani Hanrapetutjun) in fast 30 Jahren eine wechselvolle Geschichte erlebt. Zunächst sorgte eine liberale Regierung für eine schnelle Privatisierung in der Wirtschaft und auch im Bereich des politischen Systems wurde ein demokratischer Kurs eingeschlagen, der in der Folge allerdings nicht gradlinig verlief. Auch die wirtschaftliche Entwicklung gestaltete sich schwierig. Neben wachsender Misswirtschaft, um sich greifender Korruption und Vetternwirtschaft waren dafür auch die Nachwirkungen der Zerstörungen durch das verheerende Erdbeben von 1988, der Krieg mit Aserbaidschan um Bergkarabach seit 1988, der Zusammenbruch der sowjetischen Planwirtschaft sowie die Blockade durch Aserbaidschan und die Türkei verantwortlich. Gerade der im Sommer dieses Jahres wieder aufgeflammte Konflikt mit Aserbaidschan um Bergkarabach mit mehreren Todesopfern ist eine schwere Belastung für den armenischen Staat. Aserbaidschan wird dabei diplomatisch von der Türkei unterstützt. Durch die immer noch nicht erfolgte Anerkennung des Völkermords an den Armeniern im Osmanischen Reich, dem in den Jahren von 1915-17 mehr als 1,5 Millionen Armenier zum Opfer fielen, ist das Verhältnis Armeniens zu seinem mächtigen westlichen Nachbarn schwer belastet.

Seit Frühjahr 2018 ist in Armenien eine optimistischere Stimmung festzustellen. Im Ergebnis der „Samtenen Revolution“ wurde Nikol Pachinyan, einer ihrer Protagonisten, Regierungschef in Jerewan. An ihn knüpfen sich große Erwartungen: Die Armenier hoffen nun auf entschiedene Bekämpfung der Korruption, auf wirtschaftlichen Aufschwung und auf eine nachhaltige Demokratisierung der Verhältnisse. Lösungen werden auch bei der Lösung des Konflikts mit Aserbaidschan um Bergkarabach im Osten und hinsichtlich der Entspannung des Verhältnisses mit der Türkei im Westen erwartet.

Die aktuelle Lage in Armenien bietet somit viele wichtige Diskussionsansätze. Sie reichen vom immer noch nicht vollständig aufgearbeiteten Genozid, den die Armenier im Osmanischen Reich erlitten, bis hin zum aktuell den Weltfrieden bedrohenden Konflikt um Bergkarabach oder den aktuellem Stand der Demokratisierung im Land. Gemeinsam mit den Geschichtsmuseen der Stadt Erfurt hat die Landeszentrale deshalb auf Vermittlung des Deutsch-Armenischen Forums e.V. den ehemaligen deutschen Botschafter in Eriwan, Hans-Jochen Schmidt nach Erfurt eingeladen, um am armenischen Unabhängigkeitstag den Fokus auf Geschichte und Gegenwart der Kaukasusrepublik zu richten.

Botschafter a. D. Hans-Jochen Schmidt, geboren 1947 in Bad Kösen, trat nach dem Jurastudium 1977 in das Auswärtige Amt ein. Neben Verwendungen in der Zentrale arbeitete er im Ausland an den Botschaften und Generalkonsulaten in Kairo, Kinshasa, Atlanta, St. Petersburg, Kiew, Almaty/Astana, Minsk (als Botschafter der OSZE) und von 2009-2012 bis zur Pensionierung als Botschafter in Armenien. Nach der Pensionierung war er im Experten-Einsatz im Kosovo, in Kasachstan, in Kambodscha und in Eriwan. In der armenischen Hauptstadt unterrichtete er „Internationale Beziehungen” an der Russisch-Armenischen (Slavonischen) Universität und wurde mit der Verleihung der Ehrenprofessur in III-2018 ausgezeichnet

Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung statt.

Die Zahl der Teilnehmenden ist begrenzt. Eine Anmeldung per E-Mail wird erbeten.