Tagung – Friedrich Nerly und die Landschaftsmalerei seiner Zeit. Entstehungsbedingungen – Arbeitsweisen – Transformationen

29.10.2021 13:00 – 30.10.2021 16:00

Anlässlich der wissenschaftlichen Bearbeitung des Erfurter Nerly-Nachlasses, bei dem es sich um den weltweit größten Bestand an Ölskizzen bzw. -studien, Papierarbeiten und Atelierbildern des Landschaftsmalers Friedrich Nerly d. Ä. (Erfurt 1807-1878 Venedig) handelt, werden im Rahmen der Tagung die Entstehungsbedingungen und Transformationen des Landschaftsbildes in der Mitte des 19. Jahrhunderts untersucht. Eine Anmeldung ist erforderlich.

auf einem großen Platz in Venedig, ein Ausschnitt einer Häuserwand, Mondschein und eine Lagune in der viele mittelalterlich anmutende Schiffe liegen
Friedrich Nerly d. Ä., Die Piazzetta in Venedig bei Mondschein, 1838 Öl auf Leinwand, 74,8 x 101,8 cm Bild: © Angermuseum Erfurt
30.10.2021 16:00

Tagung – Friedrich Nerly und die Landschaftsmalerei seiner Zeit. Entstehungsbedingungen – Arbeitsweisen – Transformationen

Genre Veranstaltung
Veranstalter Angermuseum Erfurt
Veranstaltungsort Collegium Maius, Michaelisstraße 39, 99084 Erfurt
workTel. +49 361 655-1651+49 361 655-1651

Zur Tagung

Gemalter Felsen mit Bäumen in Braun- und Grautönen
Foto: Friedrich Nerly, Felsen bei Olevano, um 1829 Foto: © Angermuseum Erfurt

Im 19. Jahrhundert sind die Arbeitsprozesse der Landschaftsmaler von einer paradoxen Situation geprägt: Infolge der neuen, das ganze Jahrhundert prägenden Reisekultur konnten die Landschaftsmaler eine unmittelbare, alle Sinne umfassende Naturnähe gewinnen, zugleich wurde in der Atelierarbeit die Erinnerung zu einem wichtigen Schaffensprinzip.

Diesem Wechselverhältnis wird sich die Tagung nähern, indem sie u. a. auf die unterschiedlichen Arbeitssphären und Funktionen der Landschaftsbilder fokussiert und die sich aus der neuen Mobilität ergebenden Transferprozesse berücksichtigt. Als Ausgangspunkt eignet sich besonders der weitgereiste, viele Jahre in Venedig und damit in einem der europäischen Epizentren der Grand Tour-Reise und des aufkommenden Tourismus wirkende Nerly und sein dicht überkommenes Œuvre. Mit seinen nächtlichen Ansichten der Lagunenstadt novellierte er nicht nur die venezianische Vedutenmalerei, sondern er gewann vor dem Hintergrund eines sich globalisierenden Kunstmarktes für seine Motive eine internationale Käuferschaft.

Wie kaum ein anderer repräsentiert Friedrich Nerly d. Ä. ein neues, zwischen Reisen und Sesshaftigkeit wechselndes Künstlertum. Ihm eignete eine fluktuierende Identität zwischen deutscher Herkunft und italienischer Wahlheimat, zwischen der Zugehörigkeit zu den frühen Pleinairisten in Rom und einer Entwicklung zum arrivierten Landschafts- und Vedutenmaler, der als deutscher Künstler in Venedig Aufträge bis nach Russland, Indien und Amerika erhielt.

Der umfangreiche Nachlass des gebürtigen Erfurters ist für das Angermuseum in hohem Maße identitätsstiftend, auch da die Museumsgründung im Jahr 1886 unmittelbar mit der Nerly-Schenkung verbunden ist. Schon seit Langem stellt die kunsthistorische Bearbeitung, die von umfangreichen konservatorisch-restauratorischen Maßnahmen begleitet wird, ein wichtiges Desiderat dar. Die Tagung möchte diesen bislang nicht hinlänglich gewürdigten Landschaftsmaler in den Fokus rücken und sein ungewöhnliches Künstlerleben aus interdisziplinärer Perspektive neu erschließen.

Konzeption und Organisation: Claudia Denk, München, Erfurt, Kai Uwe Schierz, Erfurt und Thomas von Taschitzki, Erfurt

Die Tagung wird unterstützt durch den Förderverein Freunde des Angermuseums e.V., die Sparkassenstiftung Erfurt und das Hotel Zumnorde Erfurt.

Das Nerly-Forschungsprojekt wird großzügig gefördert durch die Ernst von Siemens Kunststiftung und die Rudolf- August Oetker-Stiftung.

Informationen zur Anmeldung

Die Tagung ist als Präsenzveranstaltung geplant. Pandemiebedingt wird der Zugang nach den aktuellen Regelungen erfolgen. Da die Platzkapazitäten beschränkt sind, bitten wir um eine Anmeldung mit geeignetem Nachweis möglichst per E-Mail an kunstmuseen@erfurt.de. Ein Nachweis ist zudem vor Ort vorzulegen.

Tagungsprogramm

Freitag, 29. Oktober 2021

  • 13:00 Uhr Begrüßungskaffee
  • 13:30 Uhr Prof. Dr. Kai Uwe Schierz, Kunstmuseen der Stadt Erfurt: Begrüßung
  • 13:50 Uhr Dr. Claudia Denk, München, Erfurt / Thomas von Taschitzki M. A., Angermuseum Erfurt: Einführung in die Tagung
  • 14:10 Uhr Thomas von Taschitzki M. A., Angermuseum; Erfurt: Die Erfurter Nerly-Schenkung. Eine Rekonstruktion der Gemäldesammlung

Deutsche Landschaftsmaler in Italien

  • 14:45 Uhr Dr. habil. Golo Maurer, Bibliotheca Hertziana, Rom: Flucht nach Arkadien. Die italienische Landschaft als deutsche Utopie (keynote lecture)
  • 15:50 Uhr Diskussion und Kaffeepause

Die »Dresdner Mondscheinromantik« als ein Phänomen künstlerischen Transfers

  • 16:15 Uhr Dr. Claudia Denk, München, Erfurt: Mondsüchtig – Nerlys lunare Venedig-Veduten
  • 16:50 Uhr Dr. Ulrich Pohlmann, Fotomuseum im Münchner Stadtmuseum: Belichtete Nacht. Mondschein und andere Lichtphänomene in der Fotografie des 19. Jahrhunderts
  • 17:25 Uhr Carl-Johan Olsson, Nationalmuseum, Stockholm: Dedication and fabrication: ways of using moonlight among Nordic Dresden travellers
  • 18:00 Uhr Diskussion und Kaffeepause

Abendvortrag

  • 19:00 Uhr Prof. Dr. Bernhard Maaz, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München: Vermauerte Blicke und gefangene Räume, oder: Pleinair ohne Himmel

Sonnabend, 30. Oktober 2021

Auf Reisen: Zeichnen und Malen unter freiem Himmel und im Atelier

  • 09:45 Uhr Prof. Dr. Werner Busch, Berlin: Wie kann die Darstellung bloßer Bäume bildwürdig werden? Von Cozens bis Nerly
  • 10:20 Uhr Dr. Dorothee Hansen, Kunsthalle Bremen: Friedrich Nerly – ein frühes Hauptwerk: Landschaft der römischen Campagna mit Aqua Claudia
  • 11:00 Uhr Diskussion und Kaffeepause
  • 11:30 Uhr Cornelia Nowak, Angermuseum Erfurt, Grafische Sammlung: Ferne Welten. Zum Erfurter Nerly Bestand – Die Arbeiten auf Papier
  • 12:05 Uhr Dr. Andreas Strobl, Staatliche Graphische Sammlung München: »Der Welt malerische Schätze zeigen«. Von Italien nach Amerika – der Landschaftsmaler Johann Moritz Rugendas als Expeditionskünstler
  • 12:40 Uhr Diskussion und Mittagspause

Bilder als materielle Zeugnisse: Kunsttechnologie, Restaurierung und Präsentation

  • 14:00 Uhr Dipl. Rest. Renate Poggendorf, Doerner Institut, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München: Restauratorische Spurensuche – über Voraussetzungen und Möglichkeiten kunsttechnologischer Untersuchungen
  • 14:35 Uhr Dipl. Rest. Karin Kosicki / Dipl. Rest. Katharina Bellinger-Soukup / Dipl. Rest. Susanne Kirchner, Zentrale Restaurierungswerkstätten Erfurt: Kunsttechnologische Untersuchungen, Konservierung und Restaurierung am Bestand der Ölstudien von Friedrich Nerly im Angermuseum Erfurt
  • 15:10 Uhr Dipl. Rest. Börries Brakebusch, Freies Restaurierungsatelier, Köln: Naturtalent oder Methodik? Ein Blick auf die Maltechnik der römischen Ölstudien Friedrich Nerlys
  • 15:45 Uhr Diskussion der Tagungsergebnisse