Ein Ort, der Ewigkeit verspricht: Erik Niedling kennt keine Beruhigung im Dokumentarischen

22.10.2010 15:05

Morgen, am Samstag, öffnet 16 Uhr im Angermuseum der Landeshauptstadt die neue Sonderausstellung "Status" des in Erfurt geborenen und nun in Berlin lebenden Erik Niedling. Gezeigt wird die Werkschau bis zum 28. November. Die Exposition ist in Zusammenarbeit mit der Galerie Hamish Morrison, Berlin, entstanden.  

Niedling-Ausstellung

Die "Folge STATUS behandelt einen Ort, der Ewigkeit verspricht", so der Galerist Jörg Rothamel, doch "die Verheißung trügt: In den Räumen, Magazinen und Fluchten eines Museums kehrt sich das Unterste zuoberst. Ein Umbau bringt die in Jahrhunderten gewachsene Ordnung heillos durcheinander. Da sind Statuen gestapelt, Bilder aufgereiht, Dinge eingepackt und Intarsien versteckt. Baustelle und Kunst geraten in bizarre Nachbarschaft. Und über allem liegt ein Hauch des Vergehens."

Erik Niedling: STATUS # 05
© VG Bild-Kunst Bonn, 2010

Niedling-Ausstellung

Erik Niedling wurde 1973 in Erfurt geboren. In den 90er Jahren gestaltete er Plattencover und Videoclips der elektronischen Musik. Seit 2001 stellt Erik Niedling regelmäßig in nationalen sowie internationalen Galerien und Institutionen aus. Publikationen über seine Arbeiten erschienen in renommierten Verlagen. Er lebt und arbeitet in Berlin.

Niedling-Ausstellung

"Herbst 2005. Ein Ort ist im Schwinden begriffen. Dem alten, kulturträchtigen Haus, durch divergierende Erwartungen ebenso gefordert wie gefährdet, steht eine Phase des Umbruchs bevor. Noch ist zu sehen, was bald niemand mehr für bis vor Kurzem gewesene Realität halten wird. Solche Momente sind kostbar. Erik Niedling durchstreift auf Einladung des Hausherrn die Situation.
Ein Ort, genauer: seine marod gewordene Ordnung wird aufgegeben, ein Status gerät in Auflösung. Kein gewöhnlicher Ort, sondern ein Ort der Sammlung. Ein Zufluchtsort geradezu, der allerhand übrig gebliebene Reste aus dem kulturellen Strandgut zurückliegender Jahrhunderte versammelt (einschließlich künftigen Strandguts der Nochgegenwart, wenigstens punktuell). Und hier auch sammelt sich der Geist in der Betrachtung des einen oder anderen Bruchstücks, dessen verlorene Ganzheit nicht zu imaginieren wäre ohne das Bewusstsein der Zeitumschwünge, das dem empfindlichen Medium der Photo-Graphie, wörtlich: der Licht-Zeichnung, als bleibende Mitgift schon in die Wiege gelegt ist. Dennoch, die "minutiös abgenommene Totenmaske aus Licht" (Wolfgang Heidenreich), als vermeintliches Habhaftmachen des Moments, sie kann das Ziel nicht sein; weit eher das Sichtbarmachen eines ‚inneren Raumes’, dem der buchstäbliche die provisorische Hülle gibt."

Erik Niedling: STATUS # 11 
© VG Bild-Kunst Bonn, 2010 

Niedling-Ausstellung

"Der Blick des Fotografen kennt keine Beruhigung im Dokumentarischen. Die Adresse des Schauplatzes ist eben deshalb uninteressant, weil der seinen Ort am Ende überall hat. Dem sehenden Auge antwortet ein Milieu, dessen Erscheinungsenergie ungeachtet seiner Fragilität und Schwerbeweisbarkeit den Schauplatz beharrlich überbietet: als metaphernstarke Stätte, die auch den Status einer uralten Stadt in den Fokus zu nehmen erlaubt, in der "alles noch da ist", aber zugleich nichts mehr ist, wie es war." (Wolfram Morath-Vogel)
Die Fotoserie "Status" wird zum ersten Mal in ihrer Gesamtheit präsentiert. Zudem wird zur Ausstellung die während des Museumsumbaus 2006 edierte, zweisprachige Erstpublikation der Serie (dt./engl.) angeboten. Ein Ausstellungsfaltblatt informiert über das Begleitprogramm.

Erik Niedling: STATUS # 12 
© VG Bild-Kunst Bonn, 2010