Erschließung Wenigemarkt

Der Wenigemarkt ist der Mittelpunkt der Verkehrszelle Wenigemarkt. Er wird dominiert von der Außengastronomie und erfüllt gleichzeitig eine zentrale Rolle für die Erschließung dieses Gebietes. Aus dieser Kombination ergeben sich Konflikte und der Wunsch nach einer weiteren Verkehrsberuhigung.

Untersuchung zur Verkehrsberuhigung Wenigemarkt

Bronzestatue mit Wasserstrahl auf dem Wenigemarkt
Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Mit den folgenden Informationen soll ein Meinungsaustausch für eine weitere Verkehrsberuhigung am Wenigemarkt angestoßen werden. Da bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt und etabliert sind, möchte die Verwaltung hiermit den Bürgerinnen und Bürgern sowie den Gewerbetreibenden drei Varianten für eine intensivere Verkehrsberuhigung als Diskussionsgrundlage vorstellen.

Es ist beabsichtigt, den Wenigemarkt einschließlich Futterstraße bis 2030 zu sanieren, so dass im Vorfeld eine Pollersperre als Versuch eingeordnet werden könnte. Die gewonnenen Erfahrungen werden berücksichtigt und fließen bei der Neuplanung des Platzes ein.

Für ein breites Meinungsspektrum und eine ausgewogene Beurteilung bitten wir Sie sich zahlreich zu beteiligen – im dafür geschalteten Forum, per Brief oder E-Mail. Die Kontaktdaten finden Sie am Ende dieser Seite. Je mehr Personen sich beteiligen und ihre Meinung zu den einzelnen Varianten mitteilen, desto besser wird das zu realisierende Ergebnis sein. Natürlich besteht auch die Möglichkeit am Status Quo festzuhalten bzw. neue Ideen einzubringen.

1. Derzeitige Situation

Grafik: Wenigemarkt - Bestand der Verkehrsorganisation Grafik: © Stadtverwaltung Erfurt

Die Erfurter Innenstadt ist in Verkehrszellen aufgeteilt. Dies bedeutet, dass der Kfz-Verkehr jeweils nur vom Stadtring aus in die Verkehrszelle ein- und ausfahren kann. Natürlich sind die Verkehrszellen miteinander verbunden. Zufußgehende und Radfahrende können diese Verbindungswege sehr gut nutzen. Notwendige Lieferverkehre wurden berücksichtigt. Für den Kfz-Verkehr sind diese Verbindungen jedoch in der Regel durch Poller gesperrt. So konnte die Erfurter Innenstadt das ruhige und angenehme Flair entwickeln, wofür sie weit über die Stadtgrenzen bekannt ist.

Die Verkehrszelle Wenigemarkt wird von der Johannesstraße aus über die Futterstraße erschlossen. Die Ausfahrt erfolgt über die Meienbergstraße.

Bis zum Kaisersaal ergänzt die Futterstraße die Tempo-30-Zone der Johannesstraße. Ab dem Kaisersaal ist die gesamte Verkehrszelle einschließlich der Rathausbrücken, Junkersand und Pilse ein verkehrsberuhigter Bereich. Lediglich in der Meienbergstraße und der Kaufmännerstraße ist eine Geschwindigkeit von 20 km/h erlaubt. Die Platzfläche des Wenigemarkts sowie die Krämerbrücke bilden eine Fußgängerzone, welche für den Radverkehr nicht freigegeben ist.

Einzelne Pkw-Stellplätze befinden sich in der Futterstraße, Meienbergstraße, Kaufmännerstraße, Pilse und am Junkersand. Der Großteil der Stellplätze wird auf dem Rathausparkplatz angeboten. Da sich die Verkehrszelle Wenigemarkt innerhalb der Begegnungszone befindet, sind diese Stellplätze den Bewohnerinnen und Bewohnern vorbehalten. Das Rathaus sowie der Rathausparkplatz wurden aus der Zielwegweisung entfernt. Besucher des Rathauses werden auf die umliegenden Parkhäuser verwiesen.

In der Futterstraße wird darauf hingewiesen, dass eine Befahrung mit Sattelfahrzeugen oder ‑zügen sowie Bussen nicht gestattet ist.

Aus fachlicher Sicht muss festgestellt werden, dass die Verkehrszelle weitestgehend verkehrsberuhigt ist. Unnötiger Verkehr findet vor allem durch Insider statt, welche weiterhin als Nichtbewohner einen Stellplatz auf dem Rathausparkplatz suchen, am Junkersand kurz halten, um einen "schnellen Weg" zu erledigen oder auf der Rathausbrücke widerrechtlich halten, um ein Eis zu essen. Außerdem stören die Spazierfahrer, welche ohne ein tatsächliches Ziel durch das Gebiet fahren. Die Verkehrsbelegungen liegen in den Zufahrts- und Abfahrtsstraßen unter 2.500 Kfz/d und sind fachlich als gering einzuschätzen. Bisher ist die Verwaltung davon ausgegangen, dass Liefer- und Bewohnerverkehr jederzeit möglich sein muss. Das subjektive Empfinden wird durch den starken Unterschied zwischen sitzenden Personen und fahrendem Verkehr sowie dem unnötigem Verkehr ("Posern") beeinflusst.

In der Futterstraße und der Meienbergstraße verdeutlichen die Eingangstore der Begegnungszone die Regeln für ein gemeinsames Miteinander zusätzlich.

2. Ziel der Varianten

Blick auf den verschneiten Wenigemarkt mit kahlen Bäumen und die Ägidienkirche.
Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Das Ziel ist eine weitere Erhöhung der Aufenthaltsqualität und der Verkehrsberuhigung. Insbesondere der unnötige Verkehr soll verringert werden. Durch die Beschilderung als verkehrsberuhigter Bereich und die Parkbeschränkung auf Bewohnerinnen und Bewohner (Halten und Liefern ist für alle möglich) wurde die Verkehrsmenge in der Vergangenheit bereits gemindert, so dass die Möglichkeiten von Beschilderungen erschöpft sind und weitere Verbesserungen nur noch durch bauliche Sperren unterstützt werden können.

Dazu wurden drei Varianten als Diskussionsgrundlage vorbereitet.

Alle drei Varianten gehen von folgenden Grundprinzipien aus:

  • der Verkehr muss in der Verkehrszelle Wenigemarkt abgewickelt werden
  • keine Öffnung von derzeit vorhandenen Durchfahrtsperren und damit Belastung anderer Gebiete
  • Lieferzeit von 6 Uhr bis 11 Uhr
  • Befahrung für Fahrzeuge mit max. 7,5 t

Die Lieferzeitbeschränkung in den vorhandenen Fußgängerzonen gilt von 6 bis 11 Uhr und 18 bis 20 Uhr. Da aus Sicht der Verwaltung zwischen 18 und 20 Uhr die Konflikte zwischen Außengastronomie, Aufenthalt und Lieferverkehr deutlich größer sind, als in den Vormittagsstunden, sollte soweit möglich auf die abendliche Lieferzeit verzichtet werden.

Ursprünglich war die Verwaltung davon ausgegangen, dass mit einer Durchfahrtsperre eine Teilentwidmung und damit die Ausschilderung als Fußgängerzone notwendig sind. Dies hätte zur Folge, dass die Bewohnerinnen und Bewohner neben einem Bewohnerparkausweis zusätzlich eine kostenpflichtige Ausnahmegenehmigung zur Befahrung der Fußgängerzone benötigen würden. Das Gleiche würde für den Lieferverkehr gelten. Günstiger erscheint jedoch analog zur Sperrung Michaelisstraße – Benediktsplatz ein Durchfahrtsverbot mit "Rad frei" und "Lieferverkehr frei (werktags 6-11 Uhr)" anzuordnen. Zwischen 6 Uhr und 11 Uhr wären die Durchfahrtsperren abgesenkt und ein uneingeschränkter Lieferverkehr möglich. Außerhalb der Zeit könnten die Poller technisch so ausgestattet werden, dass Bewohnerinnen und Bewohner und ev. auch Gewerbetreibende diese jederzeit bedienen und absenken könnten. Der Lieferverkehr müsste jedoch zwischen 11 Uhr und 6 Uhr außerhalb des Bereichs eine Ladezone erhalten und von dort aus die Geschäfte / Bewohnerinnen und Bewohner beliefern.

3. Mögliche Varianten

Um für den gesamten Wenigemarkt eine deutliche Verkehrsberuhigung zu erreichen, wird in Variante 1 die Sperrung in der Futterstraße vorgeschlagen. Die Sperre sollte nach der Einfahrt zum Hotel am Kaisersaal erfolgen.

Außerhalb der Lieferzeit, also von 11 Uhr bis 6 Uhr, können nur Personen in das Gebiet fahren, welche eine Zufahrtsberechtigung (Bsp. Bewohnerinnen und Bewohner) besitzen. Alle anderen Fahrzeuge, welche in die Futterstraße einfahren, müssten über die Schottenstraße ausfahren. Daher ist eine Tonnagebegrenzung auf 3,5 t zwingend notwendig, denn die Schottenstraße erlaubt aufgrund ihrer geringen Breite keine größeren Fahrzeuge und ein Wenden großer Fahrzeuge ist in der Futterstraße unmöglich. Fahrzeuge, welche sich nach der Lieferzeit noch in dem Gebiet befinden, können jederzeit über die Meienbergstraße ausfahren.

Neben einer deutlichen Verbesserung der Aufenthaltsqualität im gesamten Bereich sind positive Effekte für die Betriebsbedingungen der Außengastronomie zu erwarten. Dies betrifft insbesondere den Bereich am südlichen Wenigemarkt. Auch das Zufußgehen auf den Rathausbrücken und am Junkersand sollte deutlich attraktiver werden.

Einschränkungen sind dagegen für den Lieferverkehr sowie die Kurier-, Express- und Paketdienste zu erwarten. Da dies von ständig wechselnden Dienstleistern übernommen wird, wäre eine Zufahrtsberechtigung an diese Dienstleister nicht steuerbar.

Mit der Variante 2 würde eine Sperre am südlichen Wenigemarkt eingeordnet. Diese sollte nach der Ausfahrt der Pilse erfolgen, vor allem weil in diesem Bereich die Möglichkeit besteht Ladezonen einzurichten. Mit dieser Variante wäre außerhalb der Lieferzeit eine ungehinderte Zu- und Abfahrt der Futterstraße, des Wenigemarkts, der Meienbergstraße und der Kaufmännerstraße gegeben. Die östliche Seite des Wenigemarkts würde weiterhin durchgängig von Fahrzeugen befahren werden. Es ist jedoch davon auszugehen, dass sich die Menge reduziert, da zahlreiche Ziele nicht mehr direkt anfahrbar wären. Das Ausfahren aus dem Bereich wäre über eine im Boden verbaute Schleife jederzeit möglich.

Die Tonnage der Fahrzeuge muss nicht auf 3,5 t begrenzt werden, da die Kurvenradien deutlich günstiger sind, würde eine Begrenzung auf 7,5 t ausreichen.

Insgesamt werden für den Bereich Rathausbrücke-Benediktsplatz und Kürschnergasse-Junkersand aber auch für den südlichen Wenigemarkt eine deutliche Verkehrsberuhigung und damit eine höhere Aufenthaltsqualität spürbar sein.

Einschränkungen für die Liefer- sowie Kurier-Express-Paket-Dienste sind auch bei dieser Variante gegeben.

In Variante 3 würde die Durchfahrtsperre am Beginn der Rathausbrücke installiert. Damit ist der eigentliche Verkehrsablauf am Wenigemarkt am geringsten beeinflusst. Lieferverkehre sind vor allem für den Bereich Benediktsplatz und Krämerbrücke eingeschränkt. Auch der Rathausparkplatz wäre nur eingeschränkt zwischen 6Uhr und 11Uhr bzw. für Bewohnerinnen und Bewohner anfahrbar. Alle Bereiche östlich der Durchfahrtsperre, wie Wenigemarkt, Junkersand und Pilse wären uneingeschränkt erreichbar.

Auch mit dieser Variante würden positive Effekte insbesondere für die Rathausbrücke und den Benediktsplatz erzielt werden. So ist kein Parksuchverkehr zum Rathausparkplatz mehr möglich und das illegale Parken auf den Rathausbrücken würde wirkungsvoll unterbunden. Da weniger Ziele (insbesondere der Rathausparkplatz) erreichbar wären, würde auch für den Wenigemarkt eine weitere Verkehrsberuhigung erfolgen.

Aufgrund der notwendigen Kurvenradien zur und von der Kürschnergasse kann die notwendige Ladezone nicht im direkten Umfeld der Pollersperre eingerichtet werden. Diese müsste wie in Variante 2 im Bereich der Pilse liegen.

Auch bei dieser Variante sind einige Bereiche außerhalb der Lieferzeit nicht direkt für Lieferfahrzeuge oder Kurier-Express-Paket-Dienste erreichbar.

Beteiligen Sie sich!

In dem von 01.10.2021 bis 31.10.2021 geschalteten Forum "Verkehrsberuhigung Wenigemarkt" können Sie sich zu den drei Varianten äußern und in einer offenen Rubrik weitere Vorschläge unterbreiten.

Auch per E-Mail oder per Post können Sie sich beteiligen (siehe Kontakt). Wir bitten alle sachlich zu bleiben und unterschiedliche Meinungen zu akzeptieren. Vielen Dank!