Bildungskonferenz „Arbeitswelten – Lebenswelten – Bildungswelten“ am 10. und 11.03.2020

Hauptakteure in einem Raum
Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Mit der Durchführung der diesjährigen Bildungskonferenz in Erfurt wurden die Fortbildungsveranstaltungen „Integration von Zugewanderten durch Bildung und Beratung“ der letzten Jahre als inklusives Querschnittsthema fortgesetzt und den Akteuren unterschiedlicher Beratungsinstitutionen, Schulen, Vereinen, Kindereinrichtungen, freien Trägern der Jugendhilfe, der Familienhilfe und Familienarbeit, den Begegnungszentren und Selbstorganisationen sowie den Akteuren der Weiterbildung, der Verwaltung, der Hochschulen, der Industrie und Handelskammer, der Handwerkskammer und der Agentur für Arbeit und Vertretern der kommunalen Politik die Möglichkeit zum fachlichen Austausch und Zugewinn von Erkenntnissen in der Bildungslandschaft gegeben.

Das Steuerungsgremium der Bildungsstadt Erfurt lud herzlich ein.

Eröffnungsvortrag von Frau Professor Meier-Gräwe: Arbeitswelten – Lebenswelten – Bildungswelten

Bürgermeisterin Anke Hofmann-Domke spricht im Rathausfestsaal das Grußwort zur Bildungskonferenz
Foto: Grußwort von Frau Bürgermeisterin Anke Hofmann-Domke Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Eröffnungsvortrag von Frau Prof. Meier-Gräwe: Arbeitswelten – Lebenswelten – Bildungswelten

Grußwort Bürgermeisterin Anke Hofmann-Domke

Lebenswelten – Arbeitswelten – Bildungswelten
Widersprüche in einem sich ständig verändernden Lebensumfeld, Wo befindet sich unsere Gesellschaft und wie bildet sich die stetig wechselnde Realität in der Arbeits- und Bildungswelt wieder?

Was nützt uns unser erworbenes Schulwissen in der heutigen Arbeitswelt?
Entspricht unser Arbeitsumfeld unserer gewünschten Lebenswelt?
Ist hier ein Konsens überhaupt möglich? Oder wäre dieser Anspruch zu hoch?

Das Publikum erlebte eine Fülle von Denkanstößen und Anregungen. Der Leiter der Bildungsstadt, Torsten Haß, bedankte sich bei Frau Prof. Meier-Gräwe für ihren Abendvortrag.

Prof. i. R. Dr. Uta Meier-Gräwe:

  • Professur für Wirtschaftslehre des Privathaushaltes und Familienforschung von 1994 bis 2018
  • 1986 Dissertation als Familiensoziologin an der Humboldt- Universität zu Berlin
  • 2002 - 2004 Mitglied der Enquete-Kommission „Bildung und Erziehung“ des Thüringer Landtags
  • 2003 - 2005 Mitglied der Sachverständigen Kommission zur Erstellung des 7. Familienberichts der Bundesregierung
  • 2008 - 2009 Mitglied der Arbeitsgruppe „Familie und Gesundheit“ im Bundesforum Familie e. V. Berlin
  • 2008 - 2011 Mitglied der Sachverständigenkommission zur Erstellung des 1. Gleichstellungsberichts der Bundesregierung

Der Abendvortrag leitete die Facharbeit am darauffolgenden Mittwoch, den 11.03.2020 in den vier Workshops ein. Im Anschluss wurde bei einem Glas Wein rege die Gelegenheit genutzt, sich untereinander auszutauschen und Fragen an Frau Prof. Meier-Gräwe und die bereits anwesenden Impulsgeber der Mittwochs-Workshops zu stellen. Ein gelungener Abend und Auftakt der Erfurter Bildungskonferenz.

Workshop 1: Bildung der Zukunft – Zukunft der Bildung | Impulsvortrag Herr Dr. Jantowski, Leiter des ThILLM

Impulsvortrag Herr Dr. Jantowski, Leiter des ThILLM
Foto: Impulsvortrag Herr Dr. Jantowski, Leiter des ThILLM Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Digitalisierung im Alltag und schulische Realität - Generationsveränderung trifft auf Generationserfahrung | 11. März 2020 | 10 bis 13 Uhr | Rathaus Erfurt

Die Moderation des Vortrages übernahm Frau Großheim vom ThILLM, welche in der Arbeitsebene des Steuerungsgremiums "Bildungsstadt Erfurt" auch das ThILLM vertritt. Organisation und Betreuung des Workshops übernahm Jessika Zitzmann, Bereichsleiterin Schulabschlüsse und Schülerakademie der Volkshochschule Erfurt.  Dr. Jantowski verstand es hervorragend auf die Problematik der schulischen Realität im Zeitalter drängender Digitalisierung einzugehen. Der Workshop war mit 20 Personen gut besucht und in der Diskussion fachlich sehr gut begleitet. Danke an die Gestalter*innen und Teilnehmenden des Workshops.

Workshop 2: Bildungsübergänge und deren Problematik | Impulsvortrag Herr Müller, Deutsches Jugendinstitut

Impulsvortrag Herr Müller, Deutsches Jugendinstitut
Foto:  Impulsvortrag Herr Müller, Deutsches Jugendinstitut Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Erfahrungen aus der Arbeit des DJI - berufliche Übergänge und lebenslanges Lernen | 11. März 2020 | 10 bis 14 Uhr | Handwerkskammer Erfurt

Die oftmals herausfordernden Bildungsübergänge zum Thema machend, wurden nach der Begrüßung in den Räumlichkeiten der Handwerkskammer Erfurt durch Klaus Lasner, Leiter der Abteilung Ausbildungs- und Prüfungswesen in der Handwerkskammer Erfurt und Magdalena Szypa – welche den Workshop als Mitarbeiterin der Handwerkskammer und Vertreterin des Steuerungsgremiums der Bildungsstadt Erfurt moderierte – durch Matthias Müller (Deutsches Jugendinstitut), dem Referenten des Workshops, die Erwartungen der Teilnehmenden aus den unterschiedlichsten beruflichen Kontexten, wie etwa sozialen Projekten, Vereinen, der Agentur für Arbeit oder auch dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, abgefragt.

Bereits in dieser Phase des Workshops entstanden lebhafte Diskussionen unter den Teilnehmenden. In Form eines Brainstormings wurden zudem praxisnahe Feststellungen aus den subjektiven Erfahrungen der Akteure getroffen. Ein Mangel an lebenspraktischen Kompetenzen bei den Bildungsaspiranten und eine oberflächliche Digitalisierung wurden angemahnt, aber auch Ansprüche an Ausbildungsbetriebe gestellt. Festgehalten wurden zudem unter anderem, dass die komplexen Problemlagen, mit denen die Menschen konfrontiert werden und diese unterschiedlich bewältigen, einer Vernetzung der vielfältigen (Bildungs-)beratungsleistenden bedürfen, um Ratsuchenden entsprechend Hilfe zuteilwerden lassen zu können, damit diese ihr volles Potenzial ausschöpfen können. Dies ist auch im Kontext der Chancengleichheit – unbestritten – ein zentrales Moment.

Herrn Müller gelang dabei stets die Verbindung zwischen lebensweltlichem Praxisbezug und theoretischer Fundierung, auch durch Rückgriff auf verschiedene, durch das Deutsche Jugendinstitut durchgeführte Studien. Die Fülle an besprochenen Themen und die lebhafte Diskussion verdeutlichte großes Interesse am Thema sowie den Bedarf an strukturiertem Austausch. Ausdruck dessen ist auch die Dauer des eigentlich von 10 bis 13 Uhr angesetzten Workshops, der erst gegen 14 Uhr sein Ende fand.

Workshop 3: Fachkräfte- und Nachwuchskräftemangel in Zeiten der Bildungsexpansion | Impulsvortrag Herr Prof. Dr. Behr, Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie

Impulsvortrag Herr Prof. Dr. Behr, Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie
Foto: Impulsvortrag Herr Prof. Dr. Behr, Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Droht Thüringen neben dem demografisch bedingten Nachwuchskräftemangel auch noch ein Mismatch zwischen Bildungs- und Beschäftigungssystem? | 11. März 2020 | 10 bis 13 Uhr | Kleine Synagoge Erfurt

Professor Behr verstand es sein Publikum mit Anregungen zu Politik und Umsetzung von Strategien und zu Unterschieden Ost West in der Historie und den doch differenzierten Herangehensweisen zu fesseln.

Als weitere Impulsgeber waren für die Teilnehmenden Frau Lucke vom EBZ, Herr Fahlbusch, Leiter der Weiterbildung der IHK Erfurt und Frau Prof. Meier-Gräwe, die Gastrednerin der Eröffnung vom Vorabend, im Disput. Die Diskussionen wurden durch die Teilnehmenden kontrovers und leidenschaftlich geführt. Die Moderation des Vormittags übernahm Birgit Schuster, Bildungskoordinatorin der Stadt Erfurt.

Workshop 4: Bildung ein Faktor in der Armutsprävention | Impulsvortrag Herr Dr. Huber, Institut für kommunale Planung und Entwicklung

Impulsvortrag Herr Dr. Huber, Institut für kommunale Planung und Entwicklung
Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Zahlen und Fakten zu Thüringen | 11. März 2020, 10 bis 13 Uhr | Rathaus Erfurt

Die Fachmoderation übernahm Dr. Theresa Hilse-Carstensen (Institut für kommunale Planung und Entwicklung) für Frau Pietsch (FH Erfurt), welche in der Arbeitsebene die FH im Steuerungsgremium der Bildungsstadt vertritt.

Die Dokumentation wurde von Annegret Pfister (Büro für Migration und Integration; Stadtverwaltung Erfurt) erstellt, welche auch die Methodik des Workshops mit Dr. Huber vorbesprochen und organisiert hat.

Phase I:  Fachvortrag Dr. Huber, welcher sehr anschaulich die Problematik den Teilnehmenden nahe brachte:

- Daten und Erkenntnisse aus dem 2. Thüringer Sozialstrukturatlas in Bezug auf Bildung und Armut
- kommunale Armutspräventionsstrategien in Thüringen

Phase II: Diskussion zu den Leitthesen:

1) Das Bildungssystem ist vom "Matthäus-Effekt" geprägt: "Wer hat, dem wird gegeben"
2) Ohne Schulabschluss in die "Hartz IV-Karriere"