Baumschutz in der Stadt Erfurt

Erfurt – Stadt der Bäume

Erfurt ist nicht nur die Blumenstadt und die Stadt der Kirchtürme. Sie kann gleichfalls wegen der zum Teil dichten Durchgrünung als Stadt der Bäume gelten und ist auch deswegen immer eine Reise wert. Nicht nur öffentliche Bäume an Straßen, Plätzen und in Parks prägen das Stadtbild. Auch die Gehölze auf Privatgrundstücken und in Gärten spiegeln die Lebensqualität eines urbanen Umfelds für Menschen und Tiere – ob wildlebend oder Haustiere – wider. Darüber hinaus erfüllen auch diese Bäume wertvolle Funktionen wie Luftreinhaltung, Schallschutz, Lärmminderung oder Temperaturregelung.

Der Erfurter Baumbestand ist gut geschützt. Hierzu dienen die naturschutzrechtliche Eingriffsregelung, die Baumschutzsatzung der Stadt Erfurt sowie bei besonders imposanten und wertvollen Bäumen die Unterschutzstellung als Naturdenkmal.

  • Baumschutz im Innenbereich der Stadt und ihren Ortsteilen (Baumschutzsatzung)
  • Naturschutzrechtliche Eingriffsregelung für Bäume im Außenbereich (z. B. in Kleingartenanlagen)
  • Bäume als Naturdenkmale

Baum-Naturdenkmale

Für besonders erhaltenswerte Bäume reicht der allgemeine Schutz durch die kommunale Baumschutzsatzung nicht aus. Die Stadt Erfurt nutzt daher die Möglichkeit, derartige Bäume als Naturdenkmale gemäß § 28 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) unter Schutz zu stellen. So wird für diese Bäume ein strenger individueller Schutzstatus erreicht. Daneben ist aber auch der Eigentümer verpflichtet, besondere Maßnahmen zu ergreifen, um die Bäume langfristig zu erhalten. Bei Privateigentümern unterstützt das Umwelt- und Naturschutzamt im Rahmen seiner Möglichkeiten die Pflege. Regelmäßige Kontrollen sichern den guten Zustand der Bäume ab.

Folgende Kriterien sind durch die Bäume zu erfüllen:

  • Bäume einheimischer Arten mit imposantem Wuchs und / oder hohem Alter
  • Bäume fremdländischer Arten mit imposantem Wuchs und / oder wissenschaftlicher Bedeutung
  • kulturhistorisch bedeutsame Bäume

In Erfurt sind derzeit 34 Bäume als Einzelobjekte oder Baumgruppen als Naturdenkmal ausgewiesen, darunter neun Rotbuchen, sechs Eichen, vier Eiben und vier Ginkgos.

Hinweise zu weiteren schützenswerten Bäumen werden jederzeit gern entgegengenommen und geprüft.

Naturschutzrechtliche Eingriffsregelung für Bäume (z. B. in Kleingartenanlagen)

Zum Schutz der nicht der Baumschutzsatzung unterliegenden Gehölze – zum Beispiel in Kleingartenanlagen – wird die naturschutzrechtliche Eingriffsregelung genutzt. Bei beabsichtigter Fällung, Rodung oder starker Einkürzung von Gehölzen ist eine Genehmigung nach den § 17 (3) Bundesnaturschutzgesetz erforderlich. Hierzu ist ein formloser Antrag mit allen erforderlichen Angaben an das Umwelt- und Naturschutzamt der Stadt Erfurt zu richten. Es ist möglich, zu diesem Zweck das Formular „Baumfällantrag“ zu nutzen. Ebenso wie beim Vollzug der Erfurter Baumschutzsatzung werden im Rahmen des gebührenpflichtigen Genehmigungsverfahrens regelmäßig Ersatzpflanzungen oder Ersatzzahlungen angeordnet sowie ggf. Zuwiderhandlungen als Ordnungswidrigkeiten verfolgt.

Baumschutz im Innenbereich der Stadt Erfurt und ihren Ortsteilen

Die Baumschutzsatzung der Stadt Erfurt gilt für alle stammbildenden Gehölze (Bäume und Großsträucher einschließlich deren Wurzelräume) innerhalb der zusammenhängenden Bebauung Erfurts und der dazu gehörigen Ortsteile sowie im Geltungsbereich der Bebauungspläne. Geschützt sind Einzelbäume mit einem Stammumfang von mindestens 50 cm (gemessen in 1 m Höhe) oder – bei mehrstämmigen Gehölzen – wenn ein Stamm mindestens 30 cm Umfang aufweist. Ebenso sind Bäume in Baumgruppen (Baumabstand untereinander bis 5 m) ab 30 cm Stammumfang geschützt. Nicht unter die Baumschutzsatzung fallen Obstbäume (außer Walnuss und Esskastanie), daneben gibt es weitere Ausnahmen.

Zum Schutz der Bäume wurden eine Reihe Verbote erlassen, die sich nicht nur auf das Fällen sondern auch auf das Bauen in der Nähe von Bäumen oder bestimmte Schnittmaßnahmen beziehen. Dies wird neben der Pflege- und Erhaltungspflicht in der Baumschutzsatzung näher erläutert.

Das Umwelt- und Naturschutzamt kann unter bestimmten Bedingungen Ausnahmen und Befreiungen von den Verboten erlassen. In jedem Fall genehmigungspflichtig sind Fällungen. Nach der Antragstellung werden im Rahmen des gebührenpflichtigen Genehmigungsverfahrens Ersatzpflanzungen oder Ersatzzahlungen angeordnet. Grundsätzlich sind auch Bauarbeiten, wie Abgrabungen oder Aufschüttungen in der unmittelbaren Nähe von Bäume zu beantragen. Hierfür gelten bestimmte Auflagen.

Zuwiderhandlungen gegen die Baumschutzsatzung werden als Ordnungswidrigkeiten verfolgt.

In jedem Fall ist beim Umgang mit Bäumen besondere Sorgfalt und Umsicht geboten.

Empfehlungen Baumartenwahl für Ersatzpflanzungen

Sofern auf Grundlage der Baumschutzsatzung nach Antrag eine Baumfällung genehmigt wird, kann damit in Verbindung eine Anordnung zur Ersatzpflanzung erfolgen. Doch nicht jede Baumart eignet sich hierfür bzw. unterstützt das Gleichgewicht unserer heimischen Flora. Einige Baumarten werden auch nicht anerkannt.

Die nachfolgende Auflistung beinhaltet Empfehlungen für jeweilige Ersatzpflanzungen. Selbstverständlich unterstützt diese Übersicht ebenso die Auswahl für sonstige Neuanpflanzungen in Gärten, Parks, Landschaften, Schulen, Kitas oder an Straßenrändern.

1. Laubbäume

Der Stammumfang soll bei Pflanzung 12 bis 14 cm betragen.

  • Acer buergerianum (Dreispitzahorn), Acer campestre (Feldahorn), Acer monspessulanum (Französischer Ahorn), Acer platanoides (Spitzahorn), Acer pseudoplatanus (Bergahorn), Acer x zoeschense (Zoeschener Ahorn)
  • Aesculus x carnea (Rotblühende Rosskastanie)
  • Alnus cordata (Herzblättrige Erle), Alnus glutinosa (Schwarzerle), Alnus x spaethii (Spaeths Erle)
  • Amelanchier arborea (Schneefelsenbirne – Baumform), Amelanchier lamarckii (Kupferfelsenbirne -Baumform)
  • Betula pendula (Sandbirke)
  • Carpinus betulus (Hainbuche)
  • Carya ovata (Hickory)
  • Castanea sativa (Esskastanie)
  • Catalpa speciosa (Trompetenbaum)
  • Celtis australis oder C. caucasica (Zürgelbaum)
  • Cercis siliquastrum (Judasbaum)
  • Cornus mas (Kornelkirsche – Baumform)
  • Corylus colurna (Baumhasel)
  • Crataegus (Weißdorn/Rotdorn/Apfeldorn – Baumform, genaue Art und Sorte auf Anfrage)
  • Fagus sylvatica (Rotbuche)
  • Fraxinus americana (Weiß-Esche), Fraxinus angustifolia (Schmalblättrige Esche), Fraxinus ornus (Blumenesche/Manna-Esche)
  • Ginkgo biloba (Ginkgo)
  • Gleditsia triacanthos (Gleditschie)
  • Ilex aquifolium (Stechpalme – Baumform)
  • Juglans nigra (Schwarznuss), Juglans regia (Walnuss)
  • Koelreuteria paniculata (Rispiger Blasenbaum)
  • Laburnum anagyroides (Goldregen)
  • Liriodendron tulipifera (Amerikanischer Tulpenbaum)
  • Liquidambar styraciflua (Amerikanischer Amberbaum)
  • Malus sylvestris (Wildapfel, Holzapfel)
  • Ostrya carpinifolia oder O. virginiana (Hopfenbuche)
  • Platanus x hispanica (Platane)
  • Populus nigra (Schwarzpappel)
  • Prunus avium (Vogelkirsche)
  • Prunus mahaleb (Steinweichsel)
  • Prunus padus (Traubenkirsche, keine Späte Traubenkirsche!)
  • Pterocarya fraxinifolia (Kaukasische Flügelnuss)
  • Pyrus pyraster (Wildbirne, Holzbirne)
  • Quercus cerris (Zerreiche), Quercus coccinea (Scharlacheiche), Quercus frainetto (Ungarische Eiche), Quercus macrocarpa (Klettenfrüchtige Eiche), Quercus robur (Stieleiche), Quercus rubra (Roteiche), Quercus palustris (Sumpfeiche), Quercus petraea (Traubeneiche), Quercus pubescens (Flaumeiche)
  • Robinia pseudoacacia (Robinie)
  • Salix alba (Weide)
  • Sophora japonica (Japanischer Schnurbaum)
  • Sorbus aucuparia (Eberesche), Sorbus badensis (Badische Eberesche), Sorbus domestica (Speierling), Sorbus intermedia (Schwedische Mehlbeere), Sorbus torminalis (Elsbeere), Sorbus x thuringiaca (Thüringische Mehlbeere)
  • Tilia cordata (Winter-Linde), Tilia mandshurica (Mandschurische Linde), Tilia platyphyllos (Sommer-Linde), Tilia tomentosa (Silberlinde), Tilia x euchlora (Krim-Linde)
  • Ulmus glabra (Bergulme – vorzugsweise Resistenzzüchtungen), Ulmus laevis (Flatterulme), Ulmus minor (Feldulme), Ulmus pumila (Sibirische Ulme)

2. Nadelbäume

Die Mindesthöhe soll bei Pflanzung 150 cm betragen.

  • Abies alba (Weißtanne), Abies grandis (Küstentanne)
  • Juniperus communis (Gemeiner Wacholder)
  • Larix decidua (Europäische Lärche)
  • Metasequoia glyptostroboides (Urweltmammutbaum)
  • Picea omorika (Serbische Fichte)
  • Pinus mugo (Bergkiefer), Pinus nigra (Schwarzkiefer), Pinus sylvestris (Waldkiefer, Gemeine Kiefer)
  • Pseudotsuga menziesii (Douglasie)
  • Taxodium distichum (Sumpfzypresse)
  • Taxus baccata (Eibe, auch Säulen-Eibe)

3. Obstbäume

Der Mindestkronenansatz soll bei 1,80 m (Hochstamm) liegen und über einem Mindeststammumfang von 12/14 cm verfügen. Bei geringeren Obstbaumstammumfängen (8/10 oder 10/12 cm) verdreifacht oder verdoppelt sich die Anzahl der notwendigen Ersatzpflanzungen.

  • Freie Sortenwahl

Wichtiger Hinweis – Keine Anerkennung finden (keine abschließende Auflistung):

1. Laubbäume

Albizia julibrissin (Seidenakazie, Seidenbaum), Prunus fruticosa „Globosa“ (Kugelsteppenkirsche), Rhus typhina (Essigbaum), Zierobstgehölze

2. Nadelbäume

Abies concolor (Kolorado-Tanne), Abies koreana (Korea-Tanne), Abies nordmanniana (Nordmanntanne), Abies procera (Edeltanne), Cedrus deodara (Himalaya-Zeder), Cupressus (Zypresse), Picea abies (Gemeine Fichte), Picea pungens (Blaufichte, Stechfichte), Thuja (Lebensbaum), Tsuga canadensis (Hemlocktanne)