Panoramaweg Petersberg – Buga-Projekt

grüner Hang mit Bebauung im Hintergrund
Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Der Petersberg besitzt ein großes touristisches Potenzial, welches bis zur Bundesgartenschau 2021 deutlich weiter ausgebaut werden soll.

Teil des Maßnahmenkonzepts zur Buga ist die Herstellung einer direkten und barrierefreien Erschließung vom Domplatz aus im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention, der die Bundesrepublik Deutschland 2009 beigetreten ist. In den vergangenen Jahren und in Vorbereitung der Bundesgartenschau wurden zahlreiche Überlegungen entwickelt und erörtert, die die Verbindung des Domplatzes mit dem Petersberg über ein innovatives technisches Beförderungsmittel ("Aufstiegshilfe") zum Inhalt hatten.

Im Prozess konnte jedoch kein heute bekanntes technisches System zu vertretbaren Bau- und vor allem Dauerbetriebskosten zur Umsetzung vorgeschlagen werden. Um den jedoch ohne Frage gewachsenen Erfordernissen an die Erreichbarkeit des Berges gerecht zu werden, wurde weiter nach der notwendigen barrierefreien Lösung gesucht.

Zur Neugestaltung des südöstlichen Petersberghangs wurde daher die Durchführung eines nicht offenen Planungswettbewerbs beschlossen. Die Grundzüge der Wettbewerbsauslobung wurden in Folge sowohl mit dem Landesamt für Denkmalpflege im Detail abgestimmt, als auch mit der Bevölkerung öffentlich diskutiert. Es ergaben sich aus Beidem keine wesentlichen Änderungsanforderungen, so dass die vom Stadtrat beschlossenen Grundzüge der Auslobung zum Grundgerüst für den Auslobungstext wurden.

Zum Wettbewerb

Insgesamt wurden 25 Teilnehmer zur Teilnahme am Wettbewerb zugelassen. 20 Planungsbüros forderten die Unterlagen zur Bearbeitung ab. Letztendlich wurden 13 beurteilungsfähige Arbeiten abgegeben. Die Preisgerichtssitzung hierzu fand am 17.08.2017 statt.

Zu erkennen waren sehr vielfältige Lösungsvorschläge. Trotz der dann doch geringen Teilnehmerzahl wurden auch fast alle im Vorfeld diskutierten Lösungsansätze bedient und die Wettbewerbsjury konnte aus einem breiten Spektrum die optimale Lösung wählen. Das Wettbewerbsergebnis wurde öffentlich ausgestellt. Die Ausstellung wurde von der Bevölkerung sehr zahlreich besucht.

Zum Siegerentwurf

Für den Siegerentwurf sprechen vor allem folgende Punkte:

  • Durch einen umfangreichen Abtrag des nach dem Bau der Tiefgarage in den 1990er Jahren wieder aufgeschütteten Erdstoffs im oberen Hangbereich wird die Hangfläche deutlich flacher als bisher und die Festungsmauern sind deutlich besser vom Domplatz aus sichtbar.
  • Es wird ein vollständig barrierefreier Panoramaweg mit einer dreiprozentige Steigung geschaffen, der allen Nutzergruppen die Möglichkeit bietet, das Petersbergplateau selbstständig und ohne weitere Hilfsmittel zu erreichen. Dieser Weg eröffnet nach und nach im Anstieg immer neue Perspektiven auf die Altstadt und erschließt gleichzeitig den Petersberghang für unterschiedlichste Nutzungen.
  • Zusätzlich wird durch die breite, mit einem bequem begehbaren Steigungsverhältnis ausgestattete  Treppe als „Schnellweg“ die notwendige geradlinige Verbindung zwischen Domplatz und Festungsfuß bzw. Aufzug hergestellt.
  • Über diese Treppe lassen sich auch die einzelnen Abschnitte des Aufstiegswegs erreichen, so dass der Besucher bei Bedarf den gewünschten Ruhe- oder Aufenthaltsraum auf dem Petersberghang auf kürzestem Wege erreichen kann.
  • Der Auftaktplatz der Wege (Panoramaweg, Schnellweg) liegt oberhalb der Verkehrsflächen an der Lauentorstraße und bietet dem Besucher einen relativ ruhigen Raum zum Verweilen vor dem eigentlichen Aufstieg. Durch die überhöhte Lage genießt hier der Besucher den ersten Blick auf den Domplatz. Er kann Treffpunkt für Auf- und Absteigende werden.
  • Der zweite Platz unterhalb der Festungsmauer dient als Ankunftsplatz und bietet die Möglichkeit, sich wiederum der Stadt zuzuwenden und diese aus einer weiteren Perspektive zu erleben. Auch hier besteht die Möglichkeit, sich auf den Abstieg vorzubereiten oder aber auch auf den „Langsameren“ zu warten. Diese beiden Plätze wurden sehr positiv diskutiert und verbessern die Situation für Ungeübtere und mobilitätseingeschränkte Personen wesentlich.
  • Die Lösung ist zudem wirtschaftlich. Sie bietet auch bei der Weiterbearbeitung des Entwurfs die Möglichkeit, die Kosten über die Materialwahl zu steuern.
  • Der Hangweg wird in das Gelände integriert. Es kommt deshalb zu keinen wesentlichen Beeinträchtigungen der Blickbeziehungen. Gleiches gilt für den Auftaktplatz, der sich vorsichtig hinter der erneuerten Mauer ausbreitet und für den vom Domplatz auf den Berg Schauenden verborgen bleibt. Im Hangbereich selbst werden auch keine Störungen der Sichtbeziehungen verursacht. Es ist deshalb auch weiterhin von einer ungetrübten Betrachtung der Zitadellenmauern und des Hanges auszugehen.
  • Der Entwurf erfüllt alle in der Auslobung genannten Aufgaben und verspricht damit stadtstrukturell, die Wiederherstellung der bis zum Jahre 1664 vorhandenen und heute geforderten Treppenverbindung zwischen Stadt und Petersberg gewährleisten zu können.

Votum der AG „Barrierefreies Erfurt“

Am 23.11.2017 wurden der Arbeitsgruppe barrierefreies Erfurt die prämierten Planungen und insbesondere der Siegerentwurf sowie der 2. und der 4. Preis. Die Arbeitsgruppe stimmte nach einer ausführlichen Diskussion der Neugestaltung nach Maßgabe des Siegerentwurfs zu. Das Votum der Arbeitsgruppe fiel dabei mit 15-0-0 Stimmen einstimmig zugunsten des 1. Preises aus.

Wesentliche Kriterien der Zustimmung waren der barrierefreie Weg mit der dreiprozentigen Steigung sowie die vorgesehenen Plätze und Aufenthaltsflächen am Hang. Der ca. 600 Meter lange Weg wurde dabei nicht nur als Mittel zur Überwindung einer Höhendifferenz sondern vor allem auch als Aufenthaltsbereich gesehen, von dem aus man die Stadt aus verschiedenen Perspektiven neu erleben kann.

Öffentliche Diskussion

In enger Zusammenarbeit der Verwaltung mit der Bürgerinitiative, den Verantwortlichen der Stadt Erfurt und des Landes Thüringen für die Sicherung und Umsetzung der Barrierefreiheit und dem Planer-Team wurden verschiedene Planungsansätze einer Prüfung unterzogen, von denen beispielhaft aufgeführt werden können:

  • Prüfung der Lage der direkten Treppe auf dem Hang
  • Gestaltung der Auftakttreppe
  • Mauer an der Petrinistraße in Verbindung mit der Auftakttreppe
  • Einordnung des Stadtwappens
  • Ausbildung der Rampe (Stichpunkte: Orientierung Rollstuhlnutzer, Blickhöhe).

Die Diskussion führte zur Anpassung der Planung:

  1. Vor allem die Verschiebung der direkten Treppe als auch die im gegenseitigen Einvernehmen mit den Verantwortlichen für die Barrierefreiheit vorgenommene Anpassung der Steigung bei 2 Wegeabschnitten von 3 auf 3,2 % führten dazu, dass Eingriffe in das Wäldchen nicht mehr notwendig sind. Die Verschiebung der Treppe an die Hangkante war gleichzeitig Reaktion auf die Kritik, dass der Petersberghang durch die Treppe zerschnitten wird. Die Treppe befindet sich damit in etwa in der Lage des heutigen Aufstiegs.
  2. Die Länge des Wegs verringerte sich gegenüber der im Wettbewerbsbeitrag angegebenen Länge wesentlich und liegt nach der Überarbeitung deutlich unter der ursprünglich vorgeschlagenen Gesamtlänge von 670 m, nämlich bei 460 m Wegelänge mit 3 % Neigung zzgl. 65 m im Auftaktbauwerk mit 6% Steigung, unterbrochen von Plateaus mit einem zweiprozentigen Gefälle, welche als Ruhebereiche dienen.
  3. Die Auftakttreppe erhielt im unteren Bereich eine größere Öffnung und das Auftaktbauwerk selbst konnte transparenter gestaltet werden.
  4. Das bisher nicht dargestellte Stadtwappen wurde in die Planung eingefügt.
  5. Die Materialität für Weg und Bauwerk wurde abgestimmt.
  6. Die Beleuchtung des Wegs wurde diskutiert und es liegen verschiedene Varianten vor.

Umsetzung

Die nun vorliegende und mit allen abgestimmte Vorplanung soll Grundlage für die weiteren Planungsphasen sein und in den Jahren 2019 und 2020 umgesetzt werden. Es ist vorgesehen, dass Weg und Aufzug zur Buga 2021 fertiggestellt sind und die selbstständige Erreichbarkeit des Petersbergplateaus damit für alle gesichert ist.