Bastionskronenpfad – Posten-Rundweg Petersberg – Buga-Projekt

Gestaltung und Funktion

Zwischen zwei Festungsmauern verbindende Brücke
Grafik: Petersberg: Bastionskronenpfad (Visualisierung) Grafik: © Kummer.Lupk + Partner

Der Entwurf zum Bastionskronenpfad mit Brücke und Weg, in und durch die Baumwipfel der westlichen Flanke des Petersbergs, setzt zukünftig ein individuelles Zeichen für Betrachter und Besucher. Den Auftakt aus südlicher Richtung bietet eine geknickte Brücke, welche den früheren Mauerverlauf über das heutige Lauentor nachzeichnet. Die leichte Konstruktion mit Spannungsfaktor führt den Besucher barrierefrei vom rekonstruierten Postenweg auf der Kurtine auf ein Plateau über der Bastion Martin. Dieses Plateau wird über der Bastionsspitze errichtet und ermöglicht so einen minimalen Eingriff in die historische Bausubstanz.

Der westliche Teil der Bastionsspitze wird weitgehend im Charakter als Freifläche unter Bestandsgehölzen erhalten. An das Plateau bindet der eigentliche Kronenpfad an. Dieser wird als Weg durch die Bestandsvegetation des westlichen Petersbergs für Familien und Naturliebhaber gleichermaßen interessant inszeniert. In Anlehnung an den ehemaligen Verlauf der Bastionsmauer wechselt der Weg mehrmals die Richtung und führt mal durch den Stamm- und mal durch den Kronenbereich der Bestandsgehölze. Blickmöglichkeiten auf die baulich historische Umgebung ergänzen das Angebot an Spiel-Klettermöglichkeiten für Jung und Alt, sowie die wegbegleitende Aufbereitung des Themas `Flora und Fauna in der Stadt`. Über einen Aufzug im neuen Turm an der Petersbergstraße, am Standort des ehemaligen mittelalterlichen Hohen Turms, gelangt der Besucher entweder über Treppen oder per Aufzug auf das Straßenniveau. Aufgrund der durchgehenden Barrierefreiheit über das Plateau auf der Bastion Martin kann auf einen Aufzug am Lauentor verzichtet werden.

Brücke

Die Brückenkonstruktion setzt sich aus zwei Brückenträgern zusammen, die zu einer Gesamtkonstruktion verbunden werden. Ein Brückenkörper verläuft als Fortsetzung der südwestlichen Festungsmauer der Bastion Martin.

Die durch die Neigung der Stützen sowie den im Grundriss geknickten Verlauf entstehenden Horizontalen Kräfte werden jeweils am Ende der Brückenkonstruktion mittels Rückverankerung bis in den Baugrund abgetragen. Behutsam in die Bestandsmauer integrierte Widerlager schaff en die Verbindung zwischen Überbau und Rückverankerung und sichern durch eine ausreichende Lastverteilung die vorhandene Bausubstanz.

Bastionskronenpfad wird touristischer Anziehungspunkt

Den Petersberg aus einer Höhe von drei bis 13 Metern erleben und das auch noch barrierefrei – das bietet künftig der Bastionskronenpfad. Ähnlich wie der berühmte Baumkronenpfad im Nationalpark Hainich wird der Höhenweg seinen Besuchern ganz neue Perspektiven und Blickwinkel bieten und gleichzeitig die Geschichte der Zitadelle Petersberg noch eindrucksvoller erzählen. So werden die Betrachter ganz nah an die massiven Mauern herankommen und an ihnen herab in die Tiefe schauen können und die Standorte von drei ehemaligen Stadtmauertürmchen erleben. Mit dem Pfad wird aber auch eine historische „Wunde“ geschlossen, die durch den Bau der Lauentorstraße vor rund 100 Jahren entstanden ist. Damals wurde die Bastion Martin vom Rest der Festung abgeschnitten. Durch den neuen Höhenweg werden beide nun wieder verbunden. Und: Die Bastion Martin wird endlich für Erfurter und Touristen nutzbar – als toller Aussichtspunkt und exklusiver Sitzplatz.

Los geht’s auf dem Bastionskronenpfad mit einer Brücke über das Lauentor. Sie führt den Besucher vom rekonstruierten Postenweg auf der Kurtine auf ein Plateau über der Bastion Martin. Diese Idee übernimmt auch der eigentliche Bastionskronenpfad, der sich hinter einer zweiten Brücke über das Lauentor anschließt. Er führt Besucher mal durch den Stamm-, mal durch den Kronenbereich der Bäume und Gehölze und verbindet auf 340 Metern Länge verschiedene Bastionen der Festungsanlage und zeichnet auch den Verlauf der ehemaligen Stadtmauer und mehrerer Wachtürme an dieser Stelle nach. Mehrere Richtungswechsel verdeutlichen symbolhaft die ehemaligen Umrisse der Festung.

Informationstafeln werden Wissen über Flora und Fauna vermitteln. Um den Höhenweg zu bauen und die Stützen und Wege zu installieren, muss allerdings im Wäldchen auf dem Petersberg an einigen Stellen Bewuchs entnommen werden. Gern will die Stadt hier Rücksicht auf die zuletzt veröffentliche Kritik nehmen, dass die vorgesehene Trasse zu breit sei und dies auf ein deutlich geringeres Maß zurückfahren. Alles, was technisch macht ist, um den Naturschutz zu verbessern, will man gern versuchen. Bisher war der Geschützte Landschaftsbestandteil nicht nur Heimat für Insekten und Vögel. Er wird auch illegal zur Kompostierung und als Schutt- und Müllplatz genutzt. Ihn durchziehen Trampelpfade und „Sprungschanzen“ für Fahrrad- und Mopedfahrer. All das beeinträchtigen Flora und Fauna immens. Für den Bastionskronenpfad wird das Wäldchen von Schutt und Müll befreit. Mit dem Baumkronenpfad ist auch ein Verzicht auf die bisherigen Wege im Wäldchen möglich. Die Trampelpfade und große Teile des heutigen Weges werden zurückgebaut, neu bepflanzt und der Natur zurückgegeben. Ein Verbisszaun, wie man ihn gelegentlich aus Besuchen im Wald kennt, soll dem Wäldchen die ersten Jahre die notwendige Zeit zur Entwicklung geben. Langfristig wird die ökologische Situation so wieder stabilisiert und verbessert. Der Verlauf des Bastionskronenpfades wurde übrigens dem schützenswerten Baumbestand angepasst. Heißt: Große und prägende Bäume bleiben erhalten.

Im kommenden Frühjahr gehen die Bauarbeiten los.